Sonntag, August 14, 2022
StartNACHRICHTENWegen Energiekrise und Corona: Experten warnen vor „Winterwut“

Wegen Energiekrise und Corona: Experten warnen vor „Winterwut“

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Politik und Forschung befürchten, dass Rechtsextreme die Energiekrise und die Inflation für ihre Zwecke instrumentalisieren könnten und warnen vor neuen Protesten im Winter.

Könnte es im Winter zu neuen rechtsextremen Protesten kommen? Ja, sie fürchten Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), den Leiter des brandenburgischen Verfassungsschutzamtes Jörg Müller und den Extremismusforscher Andreas Zick.

Extreme Bewegungen suchen derzeit nach neuen Themen mit Mobilisierungspotenzial, erklärte Faeser in der „Welt am Sonntag“:

Rechtsextreme und verschiedene andere Szenen hätten bei den Corona-Protesten bereits einen gemeinsamen Nenner: „Demokratieverachtung und Versuch, das Vertrauen in unseren Staat zu erschüttern“, sagte er. Gleichzeitig betonte Faeser, die Bundespolizei der Länder sei „auf mögliche neue Protestveranstaltungen vorbereitet“.

Sie hoffen, dass die Energiekrise und steigende Preise die Menschen besonders hart treffen, „um Stimmung zu machen und ihre staatsfeindlichen Bestrebungen öffentlich zu machen“, sagte Müller.

Auch Extremismusforscher Andreas Zick erwartet neue Erscheinungen aus der „Querdenker“-Szene. Die Szene sei nie verschwunden, sie habe sich nur neu geordnet, sagte Zick.

„Nach der Hochphase des Lockdowns ist eine Neuordnung im Gange, die im Herbst zu spüren sein wird“, warnt der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld.

Einige der Feindbilder sind noch da und werden nun langsam ersetzt: „Merkel, Lauterbach und Drosten“ funktionieren nicht mehr. Sie würden durch Habeck und andere Politiker ersetzt, die als Bilder der Feinde verwendet würden. Potenzielle Ziele seien „alle, die vor Ort oder im Land ‚Eliten‘ repräsentieren“.

Der Wissenschaftler warnte davor, dass sich unter dem Dach der „Querdenker“ neue extremistische Allianzen gebildet und gemeinsam gehandelt hätten. „Die neuen nationalistisch orientierten Gruppen sehen sich als Opfer, leben aber ihren Alltag in der Gesellschaft“, erklärt Zick.

Die „Normalität des Radikalen“ ist die eigentliche Herausforderung. Gleiches gilt für den alltäglichen Hass, der sich weniger in besonders eklatanten Hassverbrechen als in ideologisch motivierten täglichen Aggressionen zeigt. Auch politisch motivierte Straftaten aus der Anti-Kronen-Szene würden zunehmen.

Die sogenannte Verrohung der Gesellschaft sei jedoch für die Mehrheitsgesellschaft kein Problem, betonte der Extremismusforscher. Die Mehrheit ist nicht gespalten oder polarisiert. „Das sind einflussreiche Minderheiten, die sozialen Druck, Gewalt und Aggression ausüben“, erklärte Zick.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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