Samstag, Dezember 10, 2022
StartNACHRICHTENWendepunkt in den Ost-West-Beziehungen Kretschmer: Ostdeutsche haben eine andere Haltung zum Krieg

Wendepunkt in den Ost-West-Beziehungen Kretschmer: Ostdeutsche haben eine andere Haltung zum Krieg

- Anzeige -


32 Jahre nach der Wiedervereinigung beklagt Sachsens Ministerpräsident Kretschmer, dass die ostdeutschen Meinungen in Sonntagsreden bestenfalls gleichberechtigt sind. Den Ukraine-Krieg bezeichnet er als „Schnitt“. Auch andere ostdeutsche Ministerpräsidenten sehen den Zusammenhalt in Gefahr.

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat nach Ansicht von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer das Verhältnis der Deutschen in Ost und West verändert. „Dieser Krieg wird ein Einschnitt sein, der als gemeinsame bittere Erfahrung in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingehen wird“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „In Zukunft werden wir darüber sprechen, wie wir es gemeinsam erlebt haben.“ Das werde Deutschland und auch das Zusammenleben „grundlegend verändern“. Jetzt gilt es, nicht mehr nur in den Rückspiegel zu schauen, sondern die nun begonnene neue Ära gemeinsam zu gestalten.

32 Jahre nach der Wiedervereinigung müsse man akzeptieren, „dass es unterschiedliche Standpunkte gibt, auch was die Sicht auf den Krieg in der Ukraine und die Frage des Umgangs damit betrifft“. Man müsse akzeptieren, „dass wir eine andere Position haben“ und dass diese „absolut gleich“ sei. Es kann doch nicht sein, dass in Sonntagsreden immer gesagt wird, man müsse Meinungen aus dem Osten ernst nehmen, und dann ist das im Alltag schon wieder anders.

Auch andere ostdeutsche Ministerpräsidenten sehen die Gefahr, dass die Aufbauerfolge der DDR seit der Wiedervereinigung durch die Energiekrise gefährdet werden. Vor dem Tag der Deutschen Einheit, der mit einem Festakt in Erfurt begangen wird, appellierten Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke von der SPD und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff von der CDU an den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Sie verwiesen aber auch auf die Sorge vieler Ostdeutscher, das zu verlieren, was sie sich so hart erarbeitet hatten.

Viele Ostdeutsche hätten noch sehr deutliche Erinnerungen an die großen Strukturbrüche mit Massenarbeitslosigkeit in den 1990er Jahren, sagte Woidke der „Rheinischen Post“. „Deshalb ist auch klar, dass die aktuelle Situation mit großer Sorge betrachtet wird und viele Angst haben, dass alles, was sie sich in drei Jahrzehnten mühsam aufgebaut haben, zusammenbricht.“ Haseloff sagte der Zeitung, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine gefährde auch den Erfolg des Wiederaufbaus im Osten.

Gerade in schwierigen Zeiten sollten sich die Deutschen aber nicht gegeneinander ausspielen lassen. „Heute sind Solidarität und Gemeinschaftssinn wichtiger denn je“, sagte Haseloff. Für Thüringens CDU-Fraktionschef Mario Voigt steht „die Generation der friedlichen Revolution kurz davor, ihren hart erarbeiteten Wohlstand durch Preiserhöhungen zu verlieren“.

Auch Thüringens Ministerpräsident, die Linke, Bodo Ramelow, appellierte trotz bestehender Probleme wie Lohnunterschiede zwischen Ost und West an die Gemeinsamkeiten der Deutschen. Es gibt immer noch einen Prozess des Zusammenwachsens, mit Brüchen, aber auch vielen positiven Impulsen. Für ihn ist das Glas nicht halb leer, „für mich ist das Glas halb voll“, sagte Ramelow in Erfurt.

Zur zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit in der Thüringer Landeshauptstadt werden einige Hundert Gäste erwartet, darunter Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Beim Festakt in der Erfurter Oper ab 12 Uhr spricht Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. Traditionell richtet das Bundesland, das den Bundesratspräsidenten stellt, die zentrale Einheitsfeier aus. Ramelow ist bis Ende Oktober Präsident der Länderkammer.

Vor dem Festakt, der an die friedliche Revolution von 1989 und die deutsche Wiedervereinigung vor 32 Jahren erinnert, kommen Vertreter von Bund und Ländern zu einem ökumenischen Gottesdienst im Erfurter Dom zusammen. Ein Volksfest, bei dem sich die 16 Bundesländer präsentieren, lädt die Besucher in die historische Altstadt ein. Am Nachmittag lädt Steinmeier Vertreter der Bundesländer zu einem Bürgerempfang ein. Zehntausende Besucher sind zu den Feierlichkeiten nach Erfurt gekommen, die am Samstag begonnen haben.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare