Mittwoch, Dezember 7, 2022
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Weniger Bier, mehr Corona Schlechtes Wetter trübt die Wiesn-Bilanz

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Die Festleitung spricht vom schlechtesten Oktoberfestwetter seit 20 Jahren. Nach der coronabedingten Pause ist die Bilanz des Oktoberfestes daher eher mager. Weniger Gäste bedeuteten auch weniger Bierkonsum. Den Corona-Zahlen und den begangenen Verbrechen tat dies keinen Abbruch.

Ganz zum Schluss gab es wieder Sonne – und dichtes Gedränge in Zelten und Gassen: Doch der letzte Besucheransturm am Tag der Deutschen Einheit konnte die Bilanz des Oktoberfestes in München nicht mehr drehen. Zur ersten Wiesn kamen nach zweijähriger Corona-Pause bei Nässe und Kälte laut Festspielleitung rund 5,7 Millionen Besucher – mehr als eine halbe Million weniger als bei der letzten Wiesn vor der Pandemie 2019. Damals dort waren 6,3 Millionen.

Das Wetter sei das Haupthindernis für die Besucher gewesen, sagte Festivalleiter Clemens Baumgärtner zum Abschluss des Festivals. Er sprach vom schlechtesten Oktoberfestwetter seit 20 Jahren. Dennoch zog die Wiesn ein entspanntes, gut gelauntes und junges Volksfestpublikum an. „Die Wiesn ist zurück.“ Es habe Debatten über Corona und den Energieverbrauch gegeben, sagte Baumgärtner. Allerdings sieht er darin ebenso wie in Geldsorgen oder dem Krieg in der Ukraine nicht den Hauptgrund für den Besucherrückgang. „Trotz aller schlechten Nachrichten wollen die Menschen ihre Freiheit und ihren Spaß zurück.“ Dazu passt ein im Fundbüro abgegebenes Buch mit dem Titel „Glück gefunden“ – der Gast brauchte es wohl nicht mehr. Wiesnhit war das wegen Sexismus umstrittene Lied „Layla“, das die Wirte eigentlich gar nicht spielen wollten.

Weniger Gäste tranken auch weniger Bier: 5,6 Millionen Liter liefen ihnen in den Rachen (2019: 7,3 Millionen Liter). Doch umso mehr Souvenirjäger versuchten, Krüge mitzunehmen: Stewards erbeuteten ihnen gut 112.500 Bierkrüge (2019: 96.900). Wegen des schlechten Wetters hatte die Festleitung den Ausschank von Glühwein an Eisständen erlaubt, der aber nur mäßig beliebt war. Viele hätten zum Eis gegriffen.

Besonders die Schausteller litten unter dem schlechten Wetter. Bei strömendem Regen stiegen nur wenige Gäste in die Fahrgeschäfte. Baumgärtner sagte, er wolle die Bilanz des Schaustellers nicht beschönigen und der Straßenverkauf habe nicht das gebracht, was er bringen sollte. Die Biergärten waren bei Regen schlecht besucht, und die Wirte hatten auf Heizpilze im Freien verzichtet, um Gas zu sparen. Der Gas-, aber auch der Strom- und Wasserverbrauch auf dem Festival gingen zurück.

Die Promis feiern wie immer mit den 17 Tagen Feierabend, aber auch hier gab es etwas Zurückhaltung. Am zweiten Wochenende war Schauspieler Arnold Schwarzenegger mit seiner Freundin und seinen Söhnen dort. Auch Elyas M’Barek und seine Frau Jessica, Ludwig Prinz von Bayern, Thomas Gottschalk und Lothar Matthäus waren zu sehen.

Das Festival präsentierte sich Münchnerischer – und jünger. Während der Anteil der Besucher aus dem Ausland etwas zurückging, kamen mehr und im Durchschnitt jüngere Gäste aus dem Raum München. Das zeigte auch eine Auswertung anonymisierter und aggregierter Daten des Mobilfunkanbieters O2 Telefonica. Demnach kamen 77 Prozent der Besucher aus München und angrenzenden Landkreisen; knapp 16 Prozent reisten aus dem Ausland an, hauptsächlich aus Großbritannien und den USA.

Corona schien für die, die zum Festival kamen, keine große Rolle zu spielen. Masken waren äußerst selten. Manch einer mag nach dem Festivalbesuch gesagt haben: Ogsteckt is. Wie erwartet schoss die Inzidenz in die Höhe. Am Freitag waren es in der Stadt München 792,8, am Montag waren es 766,8. Das war fast eine Vervierfachung im Vergleich zum Freitag vor zwei Wochen, dem Tag vor Beginn der Wiesn.

Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienst meldeten eine sehr ruhige Wiesn. Der Rettungswagen Aich verzeichnete auf seiner Sanitätsstation 27 Einsätze weniger – und konnte sogar Patienten aus anderen Stadtteilen Münchens aufnehmen, die in Krankenhäusern keine Unterkunft fanden. Rund 200 Mal kam der Computertomograph zum Einsatz, der erstmals auf dem Volksfest zu sehen war. Trotz des geringeren Bierkonsums wurden 45 Prozent der Patienten wegen Vergiftung in die Erste-Hilfe-Station gebracht. Diese war erstmals auch nachts geöffnet, damit Bieropfer nicht in ohnehin überlastete Krankenhäuser gebracht werden mussten. Es seien 355 „Übernachtungspatienten im sogenannten ‚Hotel Aicher'“, sagte Betriebsleiter Michel Belcijan.

Bierkrugdiebstähle, Bierkrugschlägereien, sonstige Schlägereien und sonstige Diebstähle beschäftigten die Polizei wie immer ebenso wie sexuelle Übergriffe, darunter Filmen unterm Dirndl. Von 55 Taten wurden zwei als Vergewaltigung und eine als versuchte Vergewaltigung eingestuft. Besorgt zeigten sich die Beamten über die Zunahme des Taschendiebstahls um rund 50 Prozent. Es gab auch mehr Aggressionen gegen Beamte. Polizeisprecher Andreas Franken sprach dennoch von einem insgesamt friedlichen Verlauf.

Nach den seit 1999 von der Festivalleitung dokumentierten Zahlen kamen 2001 nach den Anschlägen vom 11. September 5,5 Millionen Gäste weniger als in diesem Jahr. 2016 war das Festival laut einem islamistischen Drohvideo mit 5,6 Millionen Besuchern die zweitschlechteste Zahl. Auch 2009 kamen nur 5,7 Millionen Besucher. Vor allem die traditionsreiche Oide Wiesn mit historischen Fahrgeschäften hatte in diesem Jahr deutlich weniger Besucher. Es waren 230.000 Gäste, nicht einmal halb so viele wie 2019.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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