Samstag, Mai 21, 2022
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"Wichtigtuer" in "Bratwurstbude" Yücel tritt als PEN-Präsident zurück

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Der PEN ist eine altehrwürdige Gesellschaft für Schriftsteller. Erst seit Oktober leitet der Journalist Deniz Yücel die Niederlassung in Deutschland. Es knackt immer. Es geht um Beleidigungen und Mobbing-Vorwürfe. Auf der Hauptversammlung tritt Yücel zurück und rechnet emotional ab.

Am Ende war der Skandal perfekt: Nachdem der Antrag auf Abwahl von PEN-Präsident Deniz Yücel knapp abgelehnt worden war, gab der Journalist auf der Mitgliederversammlung in Gotha überraschend seinen Rücktritt bekannt. „Ich möchte kein Aushängeschild für diesen Bratwurststand sein“, sagte der 48-Jährige hinterher. Gleichzeitig kündigte der Journalist und Publizist seinen Austritt aus dem Schriftstellerverband an. „Der Klub mit den großen Namen ist Geschichte.“

Nach nur sieben Monaten im Amt rechnete Yücel emotional mit dem Verein ab, dass die Mehrheit der Mitglieder „wichtige Leute und Selbstdarsteller“ seien, die den Verein gekapert hätten und für die die verfolgten Autoren nur Komplizen seien. Der 48-Jährige wurde erst im vergangenen Oktober Leiter des PEN-Zentrums.

Der Führungsstil der obersten Ränge hatte im Schriftstellerverband zu heftigen Auseinandersetzungen geführt und ihn gespalten. Dazu gehören Beleidigungen, Mobbing-Vorwürfe und der Umgangston. Die Vorwürfe beziehen sich auf einen umfangreichen Briefwechsel im Präsidium. Über den Führungsstil des Präsidiums wurde in Gotha heftig und in sehr zorniger Stimmung debattiert.

Gleich zu Beginn des Treffens wurde Yücel mit Buhrufen und Beleidigungen konfrontiert. „Ich brauche es nicht – nimm es oder lass es, PEN“, hatte Yücel bereits in der teilweise äußerst qualvollen Debatte erklärt. Bei den Querelen gehe es nicht um einen Generationenkonflikt, betonte Yücel, der in Gotha auch öffentlich machte, Anfang des Jahres unter Depressionen gelitten zu haben.

Das Präsidium, das den PEN wieder auf den neuesten Stand bringen will, hat laut seinem Bericht gleich mehrere Probleme geerbt. Die schwelenden Konflikte und Spannungen wären ausgebrochen, wenn nicht in diesem Präsidium, dann in einem anderen. Auch der Journalist, der wegen angeblicher Terrorpropaganda ein Jahr in türkischer Haft saß, räumte Fehler ein.

Mitglieder hatten zuvor ihre Besorgnis über die Machtkämpfe geäußert, die dem Image des PEN-Zentrums schadeten. Kassenprüfer Klaus Wettig schlug deshalb eine Schlichtung vor. Gleichzeitig appellierten die Mitglieder an die Rückkehr zur Objektivität. Eine Entlassung Yücels wäre eine Niederlage und Blamage für den PEN, Anhänger hatten sich vor seinem Rücktritt für den Präsidenten eingesetzt.

Er hat nach Angaben des PEN-Zentrums Deutschland 770 Mitglieder und ist einer von mehr als 140 Schriftstellerverbänden weltweit, die sich im internationalen PEN zusammengeschlossen haben. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists und Novelists.

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