Freitag, Juni 24, 2022
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Wie Brandenburg Wasserstoff-Modellregion werden will

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Mit Hilfe von Wasserstoff soll die Energiewende schneller gelingen. Viele Regionen wollen auf den fahrenden Zug aufspringen – vor allem in Kohleregionen. Aber werden die Erwartungen erfüllt? Ein Blick auf das Beispiel Brandenburg.

Die Bundesregierung bezeichnet es als „Schlüsselelement der Energiewende“. Und auch wer sonst über Wasserstoff spricht, kommt um die Worte Hoffnung, Potenzial und Zukunft meist nicht herum. Die Wasserstoffdebatte bekommt derzeit durch den Ukraine-Krieg und seine Folgen Auftrieb. Denn Wasserstoff könnte ein weiterer Schritt in Richtung größerer Unabhängigkeit von (russischem) Gas sein.

Doch um die Energieversorgung nachhaltig umzustellen, braucht es „grünen“ Wasserstoff. Das bedeutet, dass der zur Herstellung des Wasserstoffs im Elektrolyseprozess verwendete Strom CO2-neutral sein muss, nur dann ist der Wasserstoff auch „grün“. Der größte Teil des Wasserstoffs wird jedoch noch mit Hilfe von Erdgas, Kohle oder Kernenergie hergestellt.

Jörg Müller gehörte zu denen, die das „Wundergas“ schon vor zehn Jahren auf dem Radar hatten. Er fährt mit einem Wasserstoffauto durch das flache Brandenburger Land. Seit 2011 steht in der Uckermark das weltweit erste Hybridkraftwerk seiner Firma Enertrag, die Wasserstoff aus überschüssigem Windstrom produziert.

Das Kraftwerk kann überschüssigen Strom zwischenspeichern und später wieder abgeben, wenn er wieder benötigt wird. Auch in der Region soll mit Enertrag ein dichtes Wasserstoff-Tankstellennetz entstehen. Jörg Müller ist ein Pionier in Sachen Wasserstoff, viele andere wollen nachziehen.

Im Süden Brandenburgs soll aus der kohledominierten Energieregion Lausitz eine Wasserstoffregion werden. Bis 2025 soll in unmittelbarer Nähe des Braunkohletagebaus Black Pump ein neues Wasserstoffkraftwerk entstehen. Ein 50-Millionen-Euro-Projekt.

Die erste Referenzanlage soll rund 2000 Quadratmeter groß werden. „Wir können uns vorstellen, zehn bis 50 solcher Kraftwerke zu bauen, die dann auch deutlich größer werden“, sagt Michael Raschemann, Geschäftsführer der Energiequelle GmbH. Weitere Wasserstoffkraftwerke könnten bis zu 4000 Quadratmeter groß werden. Dies kann in den nächsten zehn Jahren geschehen.

Die Lausitz ist seit 2019 eine von neun „HyStarter-Regionen“ in Deutschland, die vom Bundesverkehrsministerium bei der Entwicklung eines Wasserstoffkonzepts und der Bildung eines Akteursnetzwerks gefördert wird. Erklärtes Ziel der Lausitz ist es, auch in Zukunft eine Energieregion zu bleiben.

Auch der öffentliche Nahverkehr in und um Cottbus soll künftig mit Wasserstoff betrieben werden. Die erste Wasserstoff-Tankstelle soll Ende 2022 in Betrieb gehen. Bis dahin sollen die ersten beiden Wasserstoff-Busse des Verkehrsunternehmens „Cottbusverkehr“ in Betrieb genommen worden sein. Bis 2026 sollen neun Wasserstoffbusse in Cottbus und der Region unterwegs sein. „Das Ziel ist ganz klar, dass wir eines Tages komplett mit Wasserstoff fahren“, sagt Ralf Thalmann, Geschäftsführer von Cottbusverkehr.

Es gibt viele kleinere Pilotprojekte wie dieses. So wurde Mitte Mai in Berlin das erste emissionsfreie Kanalschubboot „Elektra“ eingeweiht. Es dauerte zwei Jahre, um darauf aufzubauen. Nun beginnt die Langzeiterprobung des energieeffizienten und emissionsfreien Warentransports.

Um solche Projekte zu bündeln und Synergien zu stärken, finanzieren die Wirtschaftsverwaltungen von Berlin und Brandenburg jetzt eine Online-Plattform, die möglichst viele Wasserstoffproduzenten und -verbraucher zusammenbringen soll. „Unser Marktplatz ist wie eine Mischung aus Partnerbörse und eBay-Kleinanzeigen“, erklärt Oliver Arnhold, Geschäftsführer der Localiser RLI GmbH, die das Projekt umsetzt.

Auch der wissenschaftliche Nachwuchs soll in Brandenburg ausgebildet werden. Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) hat gemeinsam mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) die Graduiertenschule „Vertrauenswürdiger Wasserstoff“ gegründet. Hier sollen junge Akademiker in der Entwicklung und Etablierung von Wasserstoff ausgebildet werden.

Das in seiner Art deutschlandweit einzigartige Graduiertenkolleg soll angehende Führungskräfte aus Industrie, Forschung und öffentlicher Hand befähigen, den Auf- und Ausbau der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland aktiv mitzugestalten.



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