Mittwoch, Mai 18, 2022
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Wie Diplomaten arbeiten: Verstehen, wie die Welt funktioniert

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Sie bewegen sich im Verborgenen und auf der Weltbühne: die Diplomaten. Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine stehen sie besonders im Fokus. Diese Rolle spielen die Gesandten in der Politik.

Wenn es zwischen Staaten zu einer Krise kommt oder bereits ein Krieg im Gange ist, ist Diplomatie gefragt. Der Direktor der Diplomatischen Akademie Wien, Emil Brix, erklärt, dass die diplomatischen Mittel im Krieg begrenzt sind. „Diplomatie beginnt vor dem Krieg oder wenn er vorbei ist.“ Während eines Konflikts können Sie Kontakte hauptsächlich im Hintergrund halten.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andriy Melnyk, ist derzeit einer der prominentesten Diplomaten. „Aus historischer Sicht ist ein öffentlicher Auftritt ungewöhnlich. Aber auch Krieg ist ungewöhnlich, also kann er verteidigt werden“, sagt Brix.

Darüber hinaus war Melnyks Ansatz recht erfolgreich. Allerdings hat sich die Rolle der Diplomaten in den letzten Jahren verändert.

Ob es sich um eine neue oder traditionelle Rolle handelt, Kommunikationsfähigkeiten sind als Diplomat von entscheidender Bedeutung. „Diplomatie besteht nur im Dialog“, erklärt Brix, der auch Österreichs Botschafter in Russland war.

Um dies zu lernen, werden Diplomaten beim Auswärtigen Amt in Deutschland in einem zwölfmonatigen Vorbereitungsdienst ausgebildet. Auf dem Programm stehen beispielsweise Seminare zu Internationalen Beziehungen, Wirtschaft oder Völkerrecht. „Als Diplomat muss man verstehen, wie die Welt funktioniert, und das ist heute viel komplizierter als früher“, sagt Brix.

Vor der Ausbildung im Auswärtigen Amt muss ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen werden. Bewerbungsvoraussetzungen sind ein abgeschlossenes Masterstudium, sehr gute Englischkenntnisse und eine weitere Fremdsprache sowie die deutsche Staatsbürgerschaft.

Wer im Streitfall Verhandlungen führt, sei eine Einzelfallentscheidung, teilte das Auswärtige Amt auf Anfrage von ZDFheute mit. „Oft werden Menschen symbolisch zu Beratungsgesprächen geschickt“, sagt Emil Brix. Russland hat ein klares Zeichen gesetzt, indem es seinen Chefunterhändler Vladimir Medinsky zu Gesprächen mit der ukrainischen Seite entsandt hat. „Er ist ein Nationalist und ein enger Vertrauter von Wladimir Putin“, sagt Brix. Die Erfolgsaussichten der Verhandlungen waren daher von Anfang an sehr gering.

Neben Kriseneinsätzen zur Vermeidung oder Lösung von Konflikten haben Diplomaten noch viele weitere Aufgaben. Sie treten als gesellschaftliche und politische Botschafter der Interessen ihres Landes auf, informieren sich über Entwicklungen im Einsatzland und helfen Unternehmen oder Bürgern im Ausland bei Problemen oder Anliegen.

Diplomaten müssen alle drei bis vier Jahre den Job wechseln. Damit soll vermieden werden, dass man „einheimisch wird“; Gesandte sollten sich nicht zu sehr mit ihrem Einsatzland identifizieren. Ein Privileg von Diplomaten ist, dass sie im Zielland Immunität genießen und daher nicht vor Gericht gebracht werden können.

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