Samstag, Juni 25, 2022
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Wie EU-Staaten mit dem Verbrennungsverbot umgehen

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Keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor ab 2035: Dieses Ziel des Europäischen Parlaments ruft in den EU-Staaten sehr unterschiedliche Reaktionen hervor. Wieso den? Das zeigt ein Blick nach Polen, Griechenland und Spanien.

Die Mehrheit der Abgeordneten will den Verkauf von Autos und Transportern mit Verbrennungsmotor ab 2035 verbieten. Auch wenn die Entscheidung noch nicht bindend ist, weil sie erst nach einer Einigung mit den Regierungen der EU-Staaten in Kraft treten kann, ist sie es was in den verschiedenen Ländern zum Teil gewalttätige Reaktionen auslöst.

Ein Blick auf ausgewählte europäische Länder zeigt, warum die einen jetzt große Sorgen haben und die anderen angesichts der geplanten EU-Vorgaben mit den Schultern zucken.

In Polen geht der Ausbau der Elektromobilität eher schleppend voran. Und so sorgt das von der EU geplante Ende des Verbrennungsmotors für Nervosität. Experten bezweifeln, ob Polen dazu bereit ist. Und ein Abgeordneter der polnischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit behauptet sogar, die Elektroauto-Lobby schreibe teilweise die Gesetze in Brüssel. Die EU steuert damit auf ihre wirtschaftliche Zerstörung zu.

Diese scharfen Worte haben wohl auch damit zu tun, dass die Ladesäulen-Infrastruktur in Polen vergleichsweise schlecht ausgebaut ist. Der Zustand der Stromnetze gilt als schlecht und sie könnten mit einem stärkeren Ausbau der Elektromobilität überfordert sein, so die Befürchtung.

Immerhin hat die polnische Regierung kürzlich angekündigt, die Kaufanreize für Elektroautos erhöhen zu wollen. Gleichzeitig hat Polen auch im Bereich Elektromobilität einiges vorzuweisen. Das Land ist ein großer Produzent von Elektrobussen, die auch in Deutschland verkauft werden.

Die griechische Insel Astypalea liegt abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Trotzdem erfährt sie derzeit besondere Aufmerksamkeit. Denn es fungiert als eine Art Zukunftslabor: Bis 2026 soll die Insel schrittweise auf klimaneutrale und damit auch nachhaltige Mobilität umgestellt werden. Das bedeutet unter anderem: keine Verbrennungsmotoren mehr.

Das Pilotprojekt auf Astypalea ist Teil der griechischen Klimastrategie: Das Land mit 11 Millionen Einwohnern will eine führende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel in Europa einnehmen und hat sich deshalb ehrgeizige Ziele gesetzt: Alle Kohlekraftwerke sollen sein bis 2028 vom Netz gehen. Bereits 2025 müssen alle neuen Taxis und ein Drittel der Mietwagen in Athen und Thessaloniki elektrisch sein, und ab 2030 dürfen überhaupt keine neuen Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden – fünf Jahre früher als heute EU-weit geplant.

Erst Anfang der Woche betonte Verkehrsminister Kostas Karamanlis, dass dies für die griechische Regierung absolute Priorität habe. Daher werden nun verstärkt Anstrengungen unternommen, um die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge auszubauen. 2019 gab es bundesweit gerade mal 58 Ladesäulen, jetzt sind es mindestens 1.200. Bis 2030 soll die Zahl auf 25.000 steigen.

Spanien hat im vergangenen Jahr ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, das den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor ab 2040 verbietet. Dennoch hat die Mehrheit der spanischen Abgeordneten nun für den noch strengeren Plan gestimmt.

Auch Verbände von Autoherstellern und -verkäufern sind sich grundsätzlich einig, machen aber auch deutlich, dass in Sachen Elektromobilität noch viel zu tun ist. Es fehlen Ladestationen und es fahren weniger E-Autos auf den Straßen als von der Regierung angestrebt.

Vor allem der ländliche Raum hinkt hinterher. Eine Studie zeigt: Sieben von zehn Ladestationen befinden sich in der Stadt. Doch die Regierung hat bereits das Klimaschutzgesetz vorgelegt: Bis 2030 sollen bis zu fünf Millionen Elektrofahrzeuge auf spanischen Straßen fahren. Wie die Politik den Exit bis 2035 erreichen will, muss nun diskutiert werden.



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