Sonntag, Juni 26, 2022
StartNACHRICHTENWie hältst du es aus?

Wie hältst du es aus?

- Anzeige -


Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Im meist hektischen Alltag fehlt einem manchmal die Zeit, ein paar Schritte zurückzutreten und das Geschehen aus der Distanz zu betrachten. Es braucht dann ein kurzes Aha-Erlebnis.

So ging es mir diese Woche, als ich das Gespräch mit Angela Merkel im Berliner Ensemble verfolgte. Auf der Bühne saß eine Frau, die wirkte entspannt, ja: erlöst. Sicher, sie ist immer noch Bundeskanzlerin a. D., also alles andere als ein normaler Bürger. Aber sie trägt die enorme Last dieses brutalen Amtes nicht mehr auf ihren Schultern. Nicht mehr alles, was hierzulande halbwegs relevant ist, geht über ihren Schreibtisch. Und sie muss nicht ständig dies und das kommentieren. Das allein ist eine Erleichterung.

Was konnten wir im Gespräch noch über Angela Merkel erfahren?

Hier können Sie sehen, was Sie als unsere Leser darüber denken. Auch mit meinen Kollegen Lisa Fritsch und Peter Schink habe ich in unserer aktuellen Podcast-Folge über dieses Thema gesprochen. Anhören:

Keine Frage: Angela Merkel hatte den enormen Machtwillen und die extreme körperliche Ausdauer, die es braucht, um Bundeskanzlerin zu werden und dann 16 Jahre dort zu bleiben. Aber sie hat – vielleicht erst in den letzten Monaten, wenn sie Zeit zum Nachdenken hatte – gemerkt, wie sehr der Job sie mitgenommen hat. Bei der Veranstaltung im Berliner Ensemble bemerkte sie auch, es sei „überall zu spüren“, dass es Zeit für eine neue Regierung sei. Das bedeutet nichts anderes als: „Gut, dass es endlich vorbei war.“

Olaf Scholz ist erst seit sechs Monaten Bundeskanzler. Nach allem, was wir hören und sehen, kommt er bisher gut mit den enormen psychischen und physischen Belastungen des Büros zurecht. Als wir ihn vor einigen Wochen zum Vorstellungsgespräch trafen, folgte er zunächst geduldig den Wünschen des Fotografen und wirkte während des Gesprächs konzentriert und ruhig, auch als er dringend an seinen Folgetermin erinnert wurde.

Es geht nicht darum, Mitleid zu haben. Die Kanzlerin und die Minister machen ihre Arbeit ehrenamtlich. Und die Kraft, der Sinn, die Aufmerksamkeit sind für die meisten ein sehr starker innerer Antrieb, der im Zweifel viel Schmerz lindert. Das kann man wissen und trotzdem Respekt haben, wie diese Leute mit all den negativen Aspekten ihrer Arbeit umgehen: Wochenenden finden meist nur im Kalender statt, Häme gibt es dafür rund um die Uhr sieben Tage die Woche.

Einer der stark polarisierenden Politiker ist Christian Lindner. Der FDP-Chef und Finanzminister hat viele Fans, die ihn verehren. Für andere hingegen ist er der Inbegriff des Kapitalisten – allein schon, weil er gerne Porsche fährt und von Leistungsgerechtigkeit spricht.

Mein Kollege Tim Kummert und ich haben ihn am Donnerstag in seinem Arbeitszimmer zum Interview getroffen. Lesen Sie hier, was Lindner dazu sagt, dass die Benzinpreise trotz Tankrabatt immer noch hoch sind, welche Entlastungen die Regierung seiner Meinung nach jetzt angehen muss – und wie er über Annalena Baerbock und Robert Habeck denkt.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare