Samstag, Januar 22, 2022
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Wieduwilts Woche Endlich sind die Grünen wieder peinlich

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Während Pandemie, Inflation und kriegerische Russen an die Tür klopfen, haben die Grünen eine schöne Idee: Es braucht einen parlamentarischen Dichter! Wen haben die Deutschen eigentlich an die Macht gewählt?

Niemand kann „Die Grünen!“ sagen. mit einer Stimme, die vor Entsetzen bricht. atmen wie Horst Seehofer, als er einmal über die österreichische Koalition sprach. In diesen Tagen fühle ich jedoch mit Seehofer, was bei Gott nicht oft vorkommt, und auch ich zittere: „Die Grünen!“ Die Party findet zurück zu schrillen Tönen. Das passt einerseits in den etwas nostalgischen Zeitgeist („Wetten, dass..?“, „Traumschiff“ etc.), ist aber angesichts der grünen Regierungsbeteiligung andererseits durchaus alarmierend.

Die Partei hatte sich lange recht gut zusammengerauft. Niemand rief etwas Verrücktes auf („Veggyday“ pp.), es wurde fast lautlos innerhalb der Partei gestritten, die Partei brachte die Realos mit vorbildlicher Disziplin an die Macht, sie wählten leise ihren Kanzlerkandidaten und kamen schließlich passabel durch den Wahlkampf 2021 , wenn auch ohne Kanzler Einige sahen die Grünen sogar als neue konservative Volkspartei.

Doch nach dem Einmarsch in die Institutionen ist wohl Schluss mit der Ruhe: Die peinlichen Grünen sind zurück, ebenso der vordringende Etatismus. Auftritt Anne Spiegel: Männer sollten die Hälfte der Hausarbeit mithelfen, sagt die Familienministerin, die offenbar für solche Fragen zuständig ist, im Gespräch mit „Welt“. „Ein moderner Familienbegriff bedeutet für mich, dass Frauen nicht mit hängenden Zungen durch den Alltag hecheln und sich fragen, wie sie den Kuchen für das Schulfest nebenbei gebacken bekommen.“

Das mag sein, aber gehört die Verantwortung für das Backen innerhalb der Familie zum Auftrag der Regierung? Doch die Lage ist noch ernster: Die Ministerin berichtet, dass ihr Mann „Diskriminierung erfahren“ habe. Nämlich dies: Frauen hätten ihm im Café zeigen wollen, wie man die Flasche richtig gibt. traumatisierend!

Hier, auf der Flasche, werden die Verwerfungen unserer Gesellschaft sichtbar, die Gräben zwischen aufgeweckten Flaschenmännern und reaktionären Cis-Frauen. Vielleicht würde ein von einem parlamentarischen Dichter rezitiertes Gedicht dem diskriminierten Mann helfen.

Spiegels Parteifreundin und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt schlug so eine vor. Vorbild ist die schwarze Dichterin Amanda Gorman, die Joe Biden poetisch ins Amt des US-Präsidenten begleitete. Den konkreten Vorschlag hierzulande machten die Schriftsteller Mithu Sanyal, Dmitrij Kapitelman und Simone Buchholz in der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Autoren schreiben, dass das Mandat des kanadischen Parlamentsdichters „neben allen offiziellen, repräsentativen Aufgaben, wie dem Rezitieren von Gedichten zu bestimmten Anlässen, und allgemein dafür zuständig ist, Gedichte im und um das Parlament, die Geschichten und die Geschichte Kanadas zu erzählen, und sich allem zu widmen, was dazugehört: dem Schönen und dem Schrecken, den Ideen und dem Scheitern“.

Interessantes Timing: Wir schlagen unsere Nerven gegen eine Omikron-Mauer, Russland erhöht die Kriegsgefahr auf ein 30-Jahres-Hoch, die Inflation macht die Armen noch viel ärmer, und jetzt soll der Steuerzahler einen Staatsdichter zum Reimen finanzieren Horror vor Scheitern? Als die Grünen-Politikerin ihre Abkopplung von der Realität möglichst grotesk demonstrieren wollte, fand sie dafür einen wirkungsvollen Weg.

Nichts illustriert die Stimmung, in der „KGE“ und die Poesielobbyisten ihren Enthusiasmus so schön entfalteten wie die des Politikers gepostetes Foto. Zwischen Christstollen und geschälten Mandarinen tauschen hochwache Elite-Vertreter in einem warmen Raum versunkene Blicke aus. „Mit Poesie einen diskursiven Raum zwischen Parlament und lebendiger Sprache öffnen“, jubelte Göring-Eckardt auf Twitter.

Entschuldige, was? Diskursraum zwischen Parlament und lebendiger Sprache? Wenn die Sprache auf der einen Seite „lebt“, dann ist sie im Parlament wahrscheinlich nicht lebendig, was im Hinblick auf die Reden von Olaf Scholz sicherlich zutrifft. Aber was liegt in dem neuen „diskursiven Raum“ zwischen lebendiger Sprache und toter Scholz-Sprache, Schrödingers halbtoter Katze? Ist das poetische Quantenphysik? Oder nur soziologische Prosa?

KGE macht deutlich: „Poesie kann Politik nicht ersetzen, sie kann sie übersetzen. Übersehenes sichtbar und Technisches greifbar machen.“ Das ist also so: Sie suchen sich einfach PR-Poeten, Maskottchen, die nette Verse über die Politik der Bundesregierung einfallen lassen. Ihre Produkte sollen dann auch im Parlament in Neonlettern glänzen, schreiben die Autoren, und gehen als interessanter Nebenaspekt der dummen AfD auf die Nerven: Der Parlamentsdichter sei „endlich etwas, was die AfD aushalten muss, nicht immer das andersherum“, heißt es wörtlich in dem von KGE beklatschten Vorstoß.

Es ist wirklich eine Pfau-alberne, prätentiöse und wahnhafte Mistidee. Allein die heitere Ankündigung, sich mit steuerfinanzierter Parlamentspoesie gegen eine einzige demokratisch gewählte Partei zu stellen, sei es auch noch ein zwielichtiger Haufen wie die AfD, dürfte selbst dem dichtesten Dichter nicht sehr dicht erscheinen. Die KGE als Vizepräsidentin des Bundestages hätte vorsichtiger reagieren müssen – sie ist nicht Kulturstaatsministerin, das ist Claudia Roth. Das Bundestagspräsidium ist von seiner Funktion her neutral. Es ist nicht der lyrische AfD-Heizer von oben.

Doch Staat und Partei werden bei den Grünen oft verwechselt, etwa bei der hessischen Umweltministerin Priska Hinz. Nur wenige Tage zuvor hatte die AfD wegen mangelnder Neutralität staatlicher Stellen einen juristischen Sieg gegen den Politiker errungen: Das Ministerium hatte den Hashtag #NoAfD verwendet und der Partei nach einer Abmahnung demütig versprochen, dies nicht noch einmal zu tun – wegen des Gebots der staatlichen Neutralität.

Da ist es wohl gut, dass die Grünen nicht unbeaufsichtigt regieren. Ich hätte gerne zugesehen, wie Wolfgang Kubickis Gesichtszüge entgleisten, als KGE ihm im Bundestagspräsidium die Idee des Staatsdichters servierte. Kubicki, der Charles Bukowski der Bundespolitik („Ich würde in Berlin Trinker werden, vielleicht auch Hurenhändler“), antwortete für seine Verhältnisse eher zahm: Er halte nicht viel davon, sagte er, es sei ein „elitäres Projekt“. und er sehe darin, „dass hinter dieser Idee ein großes Missverständnis künstlerischen Handelns steckt“, Künstler müssten eigentlich „ein Dorn im Auge“ sein.

In der Tat ist das, was Sie denken – auf der einen Seite. Auf der anderen Seite rennt Howard Carpendale gerade für eine staatliche Impfkampagne – Hello Again – durch das deutsche Fernsehen. Das ist gut so, denn er, Carpendale, wäre mein Favorit für den Posten des parlamentarischen Dichters. Carpendale hat Texte, die gut zu Traffic Lights Laryfari-Haltung zu bestimmten Pandemiethemen passen, wie z. B. zur obligatorischen Impfung. Nach einer narkotischen Scholz-Konferenz könnte er vor das Mikrofon treten und Folgendes sagen:

Für mich war das nicht so wichtig
ob etwas falsch oder richtig war
wenn ich Fehler gemacht habe
war das erste, was ich dachte
alles kommt wie es kommt.
Na und?

Nun, Carpendale ist nicht die von den Autoren gewünschte „junge parlamentarische Dichterin türkischer Abstammung“, aber als gebürtige Südafrikanerin hat sie immerhin einen Migrationshintergrund. Und wer weiß, vielleicht kann er ja auch Kuchen backen.



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