Samstag, Oktober 1, 2022
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Wiesn-Grippe, Corona und Co. Wie ansteckend ist das Oktoberfest?

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Das Oktoberfest ist voll, Bierfreunde liegen sich in den vollen Zelten in den Armen, Tausende stehen an Fahrgeschäften und Buden dicht an dicht. Krankheitserreger haben es dort nicht erst seit Corona leicht.

Wenige Tage nach Wiesn-Start ging in München der Husten los: Wiesn-Grippe. Das war schon immer so, das gehörte dazu. Dann kam Corona – und jetzt Affenpocken. Seit dem letzten Oktoberfest 2019 hat sich die Welt verändert. Millionen Gäste aus aller Welt werden nach zwei abgesagten Oktoberfesten nun erstmals wieder in München erwartet – und mit ihnen diverse Krankheitserreger.

„Wir wissen schon lange, dass die erste Welle grippeähnlicher Erkrankungen im Herbst sehr eng mit der Wiesn verknüpft ist“, sagt Johannes Bogner, Leiter der Sektion Klinische Infektiologie am Klinikum der LMU der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Phänomen ist seit über 100 Jahren bekannt. „Die erste Herbstgrippe bekommt man auf dem Oktoberfest.“

Infolgedessen registrieren Ärzte vermehrt Influenza-Infektionen – früher als in anderen Landesteilen. Für die Influenza ist das Fest allerdings fast schon zu früh, denn die „echte“ Grippe grassiert meist erst nach dem Jahreswechsel bis weit in den März hinein.

Und Corona? Mediziner haben keinen Zweifel daran, dass es eine Wiesn-Welle geben wird. „Das wird natürlich zu einem Anstieg der Fallzahlen führen“, sagte Bogner. Auch der Pandemiebeauftragte des Klinikums Rechts der Isar der TU München, Christoph Spinner, hat klargestellt: „Für die, die aufs Oktoberfest gehen: Die Übertragungswahrscheinlichkeit dort ist hoch.“

In der Vergangenheit zeigte sich bereits mehrfach, dass die Infektionszahlen nach Volksfesten in die Höhe schossen. Zuletzt stiegen die Vorfälle nach dem Ende des Straubinger Gäuboden-Volksfestes: Am Montag – zwei Wochen nach Ende des Festes – hatte Straubing laut Robert-Koch-Institut (RKI) mit einem Sieben-Tages-Tag bundesweit eindeutig den höchsten Wert Inzidenz von 667,9, auf Platz zwei folgte der Landkreis Straubing-Bogen mit 650,6.

Dennoch sehen Mediziner keinen Anlass, das größte Volksfest der Welt abzusagen, das aufgrund seiner Internationalität eine größere Verbreitungswirkung haben könnte. „Wir brauchen wieder mehr Normalität und können uns das leisten“, sagt Bogner. Allerdings ist das Oktoberfest nicht „normal“, sondern seit jeher Ausnahmezustand. „Schon allein wegen der Menschenmassen, die sich dort versammeln, ist es natürlich ein Ort, an dem Infektionskrankheiten grassieren können.“

Nicht umsonst wurden zur Eindämmung der Corona-Pandemie Veranstaltungen mit großem Andrang verboten. Vor fast 170 Jahren wurde das Oktoberfest wegen einer Pandemie abgesagt. Obwohl die Cholera in der Welt wütete, hatte zuvor am 5. Juli 1854 in München die erste deutsche Industrieausstellung eröffnet. Um sie nicht zu gefährden, wurde die Gefahr eines Cholera-Ausbruchs als Gerücht dargestellt. Die Show wurde an einzelnen Tagen von 5.000 und mehr Menschen besucht. Die Krankheit brach am ersten Tag aus – wobei die Ansteckung meist nicht von Mensch zu Mensch erfolgt, sondern über kontaminiertes Wasser und Lebensmittel.

Die Seuche tötete auch die Ehefrau Ludwigs I., Therese, auf deren Hochzeit 44 Jahre zuvor erstmals die Wiesn stattfand und nach der die Theresienwiese benannt ist. 1873 wurde das Oktoberfest erneut wegen Cholera abgesagt.

Cholera ist heute keine Bedrohung, aber neben Corona kursieren auch Affenpocken. Gesundheitsexperten sind sich jedoch einig: Das Risiko von Affenpocken auf dem Volksfest ist gering, wenn man nicht ganz nah herankommt: Die allermeisten Ansteckungen ereigneten sich bisher nach sexuellen Kontakten. Natürlich birgt das Oktoberfest aufgrund seiner meist bierbedingten Enthemmung ein gewisses Risiko.

Trotz dicht gedrängter Massen wurden über die Wiesn-Grippe hinaus offenbar nur selten Infektionserreger ausgetauscht. Magen-Darm-Erkrankungen, Herpes, Krätze, Läuse – zumindest spielte das alles keine große Rolle. Erbrechen ist ein typisches Oktoberfest-Phänomen, meist jedoch als Folge von übermäßigem Alkoholkonsum.

Es gebe immer wieder Patienten, die sich mit Durchfall und Erbrechen auf der Sanitätsstation melden, sagt Michel Belcijan, Leiter der Ambulanz Aicher, die seit mehreren Jahren den Wiesn-Ärztliche Dienst betreibt. Gerade wenn mehrere Gäste betroffen waren, ist man alarmiert und denkt auch an das Norovirus, einen typischen Durchfallerreger. Bei Verdacht auf eine Infektionskrankheit würden Patienten isoliert, medizinisch behandelt und der Fall den Behörden gemeldet. Aber: „Bei den letzten Veranstaltungen, die wir mit dem Sanitätsdienst betreut haben, gab es keinen „Ausbruch“.

Das „Hauptgeschäft“ der Wiesn-Ärzte, aber auch der umliegenden Kliniken, sind Verletzungen durch Schlägereien oder zerbrochene Bierkrüge und Alkoholvergiftungen. Gelegentlich kommen auch andere Erkrankungen hinzu – etwa Schlaganfälle und Herzinfarkte. „Alles, was in einer mittelgroßen Stadt passiert – und das ist die Wiesn mit ihren täglich sechsstelligen Besucherzahlen – passiert auch hier“, sagt Belcijan.

Das Aicher-Team bereitet sich gerade auf die Wiesn vor – und plant auch Corona-Maßnahmen. Für die Mitarbeiter der Sanitätsstation gilt voraussichtlich eine FFP-2-Maskenpflicht, für Patienten wird voraussichtlich eine medizinische Maskenpflicht gelten. Regelmäßige Händedesinfektion und Lüften sind generell Standard.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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