Donnerstag, Juni 30, 2022
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Wolfgang Bosbach wird auf Sardinien 70, Kubicki hält die Rede

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CDU-Politiker Wolfgang Bosbach arbeitet trotz seiner Pensionierung immer noch in der 60-Stunden-Woche. Nur in den Talkshows tritt er zurück. „Was ich jetzt in einem Jahr mache, schafft Lauterbach an einem Abend“, sagt er.

Wie steht er im persönlichen Kontakt zum ehemaligen Talkshow-König und CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach? Tochter Caroline muss lachen. „Er ist ein unterhaltsamer, humorvoller und vielseitig interessierter Mensch. Es ist ein sonniger Tag in Bergisch Gladbach, die 32-Jährige kam, um mit ihrem Vater zu sprechen, der an diesem Samstag 70 Jahre alt wird.

Die Aussage am Anfang klingt ein bisschen wie eine Urlaubsrede. Da muss man natürlich nachhaken – wie in einer Talkshow, das weiß Vater Bosbach. Gar keine Abgrenzungsbewegungen? Nun ja. Als sie während ihres Studiums in Berlin lebte und er auf die Idee kam, unter der Woche bei ihr einzuziehen, war für sie Schluss damit. „Absolut nicht!“ ruft sie bis heute aus. Er berichtet: „Ich habe immer in einem Hotel gewohnt, und als Caroline nach Berlin zog, war mein erster Gedanke, dass wir uns eine WG teilen. Caroline hatte eine schöne Wohnung. Ich sagte: ‚Caroline, ich ziehe ein. Du störst mich, nicht mich.“ Dann sagte sie: ‚Ja, es ist klar, dass ich Sie nicht stören werde.‘ Den Rest habe ich in ihrem verängstigten Gesicht gesehen.“

Die Leichtigkeit, mit der Wolfgang Bosbach solche Geschichten erzählt, ist nicht altersbedingt. Er hatte sie schon während seiner Zeit im Bundestag – was ihn sehr beliebt machte. 2017 verließ er das Parlament. Doch wirklich beruhigt hat sich die Lage für ihn nicht. Nur ein bisschen anders.

Der 70. Geburtstag beispielsweise soll auf Sardinien gefeiert werden. „Ich war noch nie dort“, sagt er. „Aber unsere mittlere Tochter ist Flugbegleiterin und schwärmt immer von den Flügen. Es ist eine magische Insel mit wunderschönen Stränden und kristallklarem Meer.“ Gut 50 Familienmitglieder und Freunde sind eingeladen, aber nur ein prominenter Politiker, und der ist nicht einmal aus Bosbachs Partei: Wolfgang Kubicki, stellvertretender FDP-Chef und Bundestagsvizepräsident, ist der Auserwählte. Er soll auch eine Rede halten. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass er die richtigen Worte finden wird. Nur nichts Trauriges!“ Lachen, Tanzen, gute Musik und fröhlich sein sind an der Tagesordnung – so stellt er sich das zumindest vor.

Bosbach verfolgt natürlich weiterhin die Politik und ist um einen Kommentar nicht verlegen. „Ich sage immer, wenn du Probleme beim Einschlafen hast, schau dir eine Rede von Olaf Scholz an.“ Rückblickend erkennt er aber auch Defizite in der eigenen Partei: „Die Union hat sich lange nicht so intensiv mit dem Thema Klimaschutz auseinandergesetzt wie andere Parteien.“ Ebenso das Thema gesunde Ernährung. „Spielt für meine Kinder eine viel größere Rolle als für Vater Bosbach.“

Aus seiner Krebserkrankung hat er nie ein Geheimnis gemacht. Er will nicht sagen, dass es ihm heute gut geht. „Dafür habe ich zu viele Einschränkungen, muss zu viele Medikamente nehmen, zu oft Ärzte aufsuchen.“ Aber er kann zufrieden sein. „Für mich ist entscheidend, dass ich machen kann, was ich will. Natürlich merke ich, dass mir vieles schwerer fällt als früher, aber mit 70 ist man nicht mehr 35.“ Das war auch der Grund, warum er mit 65 Jahren die Politik verließ: „Ich wusste, dass ich das Tempo nicht mehr mitgehen kann.“

Sein normaler Tagesablauf heute ist, dass er morgens in seiner Kanzlei arbeitet und nachmittags fast täglich zu einem Vortrag oder einer Diskussion fährt. „Ich habe immer noch eine 60-Stunden-Woche, aber ich bin nicht mehr vom Sitzungskalender des Bundestags eingeholt.“ Was Talkshows – sein ehemaliges Steckenpferd – betrifft: Einladungen gibt es mittlerweile „sehr selten“. „Was ich jetzt in einem Jahr mache, schafft Lauterbach an einem Abend“, sagt er. Kummer scheint es ihm nicht zu bereiten. Dafür produziert er einen erfolgreichen Podcast („Die Wochentester“). Und er schreibt ein Buch darüber, warum Politiker das Vertrauen verloren haben und wie sie es zurückgewinnen können. Politisch und in Sachen TV-Prominenz gibt es bereits so etwas wie einen Nachfolgekandidaten im eigenen Haus. Caroline Bosbach nahm kürzlich an der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ teil. Danach kamen weitere TV-Angebote – die meisten lehnte sie jedoch ab. Sie will sich auf ihre politische Karriere in Papas CDU konzentrieren. Sie hat sich übrigens entschieden, nach zwölf Jahren zurück ins Rheinland zu ziehen. „Das Umpflanzen eines Rheinländers funktioniert eine Weile gut, aber nicht für immer“, lautet ihr Fazit. „Ich bin einfach so glücklich hier.“ Wenn das kein Geburtstagsgeschenk ist.

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