Donnerstag, Januar 20, 2022
StartNACHRICHTENYogeshwar bei Illner ...

Yogeshwar bei Illner "Eine Impfpflicht bringt uns unserem Ziel nicht näher"

- Anzeige -


Nun meldet sich Maybrit Illner aus ihrer kurzen Winterpause zurück. Und natürlich diskutieren Ihre Gäste über das Thema, das derzeit alle umtreibt: Wie kommen wir aus der Corona-Krise heraus? Es herrscht vorsichtiger Optimismus.

Corona nimmt weiter Fahrt auf, auch hier dominiert die omicron-Variante. Ihr Anteil liegt laut Robert-Koch-Institut mittlerweile bei 73,3 Prozent. Diese Variante ist deutlich ansteckender, aber auch schwächer. Das bedeutet, dass insbesondere Krankenhäuser vor neue Aufgaben gestellt werden. Könnte dies nun der Anfang vom Ende der Krise sein? Eine Frage, der sich am Donnerstagabend auch die Gäste von Maybrit Illner im ZDF stellen. Sicherlich ist es noch zu früh, verlässliche Botschaften auszusenden. Aber der Optimismus dringt sehr leise durch. Allerdings zieht sich ein Problem durch die ganze Sendung: die niedrige Impfquote in Deutschland. Dennoch kündigte Virologe Christian Drosten kürzlich an, dass „jetzt einige Türen geöffnet werden könnten“.

Die Landesregierung in Bayern hat das offenbar ernst genommen. Im Freistaat wird die 2G Plus-Regelung in der Gastronomie nicht umgesetzt. Die dort seit Wochen geöffneten Türen für geimpfte, aber ungetestete Gäste werden nicht geschlossen. Bayern bleibe zurückhaltend und Augenmaß im Team, begründete Ministerpräsident Markus Söder von der CSU diesen Schritt und warnte zugleich vor Hysterie und Panik.

„Vorsicht und Augenmaß schließen sich nicht aus“, begründet Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek bei Illner die Entscheidung. Sie müssen sich jetzt genau anschauen, welche Maßnahmen notwendig sind. Und: „Ich schließe nicht aus, dass 2G-Plus in Restaurants kommt.“

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig von der SPD kann die Entscheidung in Bayern nicht nachvollziehen. „Ich bin erstaunt, dass Bayern das macht“, sagt sie. Immerhin musste Bayern zuletzt Patienten in andere Bundesländer ausfliegen. Sie findet es besser, „wenn wir uns an die Regeln halten, die überall beschlossen wurden.“

Trotz des schwächeren Krankheitsverlaufs seien inzwischen viel mehr Menschen infiziert, ergänzt Schwesig. Die Omicron-Variante könnte auch viele Menschen in Krankenhäusern ausfallen lassen. „Das Gesundheitssystem darf nicht überlastet werden“, sagt Schwesig.

„Das Virus hat sich verändert“, sagt die Virologin Melanie Brinkmann, „und der Wirt hat sich verändert“, fügt sie hinzu. Es ist eine gute Nachricht, dass viele Menschen in Deutschland geimpft sind. Der vorhandene Impfstoff wirkt jedoch nicht so gut gegen Omicron. In anderen Ländern ist zu beobachten, dass die Zahl der Patienten auf Intensivstationen sinkt. Dies gilt für Länder mit einer höheren Impfquote als bei uns. Fazit: „Hier kann man die Tür ein bisschen aufmachen, in anderen Ländern weiter.“

Politik und Wissenschaft müssen bei der Planung von Corona-Maßnahmen eine Hürde nehmen: die Ungenauigkeit der Zahlen. Das ist auch Bayerns Gesundheitsminister klar. „Wir müssen anerkennen, dass wir bei den verfügbaren Daten immer auf Schätzungen angewiesen sind“, klagt er. Als Beispiel nennt er: „Ob das die teilweise geschätzte Impfquote ist oder ob wir Lücken bei den Krankenhauseinweisungen haben.“ Holetschek wünscht sich genauere Daten.

Virologin Brinkmann hat die Lösung parat: Die elektronische Gesundheitskarte gibt es seit 2003, jetzt muss die elektronische Gesundheitsakte schnell produziert werden, fordert sie. Die Daten seien bereits verfügbar, sagt sie. Sie müssten nun zusammengefügt werden und dorthin gelangen, wo andere schnell darauf zugreifen, sie nutzen und dann der Politik valide, effizienzbasierte Daten liefern können.

Auch der Physiker und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist entsetzt. „Es ist absurd“, beklagt er, dass wichtige Entwicklungen zu spät gemeldet werden. „Vor knapp zwei Jahren hat die Bundeskanzlerin gesagt, das Virus habe keine Feiertage, die Zahlen am Sonntag aber offenbar schon. Irgendein Ruck muss jetzt durch Deutschland gehen“, fordert der Wissenschaftler.

Aber das wichtigste Problem ist und bleibt, dass in Deutschland zu wenige Menschen geimpft werden. Der Moderator fragt den Journalisten Ranga Yogeshwar, ob er für eine Impfpflicht sei. Er winkt ab. „Ich wünschte, wir wären kreativer. Der Weg, den wir hier eingeschlagen haben, ist eine Sackgasse. Wir treten in eine Spaltung ein, die der Sache nicht gut tut.“ Und weiter: „Mit der Impfpflicht kommen wir dem Ziel nicht näher“

Für Brinkmann ist klar: „Corona ist ein Virus, mit dem man sich besser nicht ansteckt.“ Zur Impfpflicht will sie sich nicht äußern, warnt aber vor der Gefahr durch Omikron und fordert Lösungen, um Maßnahmen wie zu Beginn der Corona-Krise zu verhindern. Für den CSU-Politiker Holetschek ist klar: Wir brauchen eine Impfpflicht, und zwar jetzt. „Und wer in Berlin die Führung beansprucht, muss jetzt ein Gesetz vorlegen – und das ist die Bundesregierung.“

Abschließend weist Manuela Schwesig darauf hin, dass der Bundestag Ende Januar über eine fraktionsübergreifende Impfpflicht beraten werde. Und was kommt als nächstes? Drei Wochen später tagt der Bundestag wie geplant erneut. Dann könnte möglicherweise eine Entscheidung getroffen werden.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare