Montag, Februar 6, 2023
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Zäher Tarifstreik am BER – doch das große Chaos bleibt aus

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Seit Jahren gab es in Deutschland keinen Streik mit ähnlich großen Auswirkungen auf den Flugverkehr wie jetzt am BER, aber nur wenige Reisende sind dort gestrandet. Die Gewerkschaft Verdi ist mit den bisherigen Tarifverhandlungen nicht zufrieden. Die Stürmer geben ein Versprechen für die bevorstehenden Feiertage ab.

„Achtung: Gepäck nicht unbeaufsichtigt lassen“ hallt es alle paar Minuten durch die leeren Hallen am Flughafen Berlin-Brandenburg – auch an diesem Tag des Warnstreiks. Im Terminal 1 sind morgens jedoch kaum Gepäckstücke zu sehen – geschweige denn Leute, die es stehlen könnten. Der Passagierverkehr ist wegen eines Warnstreiks bei der Flughafengesellschaft, der Luftsicherheit und den Bodenabfertigungsdiensten komplett zum Erliegen gekommen.

Auf dem Willy-Brandt-Platz vor dem Terminalgebäude ist noch viel mehr los. Ausgestattet mit Verdi-Fahnen, gelben Warnwesten und Trillerpfeifen stehen dort rund 1.500 Menschen und feuern ihre Verhandlungsführer auf der Bühne an. Die Forderungen der Gewerkschaft Verdi an die Beschäftigten der Flughafengesellschaft und der Bodenverkehrsdienste sind eindeutig: 500 Euro monatliche Aufstockung für alle, zwölf Monate Vertragslaufzeit. Bisher sind die Verhandlungen nicht so verlaufen, wie es sich die Gewerkschaft erhofft hatte – der Warnstreik soll nun den Druck auf die Arbeitgeber deutlich erhöhen.

Rund 6.000 Beschäftigte am BER, die zum Teil in zentralen Positionen wie der Flughafenfeuerwehr oder der Gepäckabfertigung tätig sind, wurden zur ganztägigen Arbeitsniederlegung aufgerufen. Demnach war bereits kurz nach Bekanntgabe des Warnstreiks klar, dass es einen Tag lang keine Passagierflüge von und nach Berlin geben würde. Ursprünglich waren am Hauptstadtflughafen BER 300 Starts und Landungen mit rund 35.000 Passagieren geplant. Einen Warnstreik mit so großen Auswirkungen auf den Luftverkehr in Deutschland hat es seit Jahren nicht mehr gegeben.

„Es war keine Frage des Ob, sondern des Wann“, sagt Holger Rößler über die Stimmung der Mitarbeiter. Er ist Verhandlungsführer für die Mitarbeiter in Gesprächen mit der Flughafengesellschaft und seit mehr als 20 Jahren in Verhandlungen involviert. Es gab schon früher harte Auseinandersetzungen – aber mit der hohen Inflation ist die Situation komplizierter. Die Stimmung sei zuletzt sehr frustrierend gewesen, sagt Dirk Litschke, der in der Gepäckabfertigung am BER arbeitet. Der Krankenstand ist hoch und viele Kollegen haben Probleme mit dem Rücken oder der Hüfte. Bei einer Kundgebung vor dem Terminal hieß es, das Einstiegsgehalt für Bodenabfertigungsdienste liege derzeit bei 14,25 Euro pro Stunde.

Dem Reisenden Vaclav Vesely war der Demozug nicht mehr bewusst – er hätte sich wahrscheinlich nur noch mehr geärgert. „Ich verstehe die Forderungen – bei dieser Inflation. Aber vielleicht sollte man mit Zügen und Flughäfen nicht so einfach alles abschalten können“, sagt Vesely. Der junge Tscheche ist einer der wenigen Menschen, die an diesem Tag am Flughafen gestrandet sind. Die meisten Passagiere wurden wohl rechtzeitig von den Airlines kontaktiert, Flüge umgebucht, verschoben oder gar gestrichen. In der großen Terminalhalle sind nur wenige Reisende.

Gewerkschaftssekretär Rümker betonte, dass der Zeitpunkt für den Streik sorgfältig gewählt worden sei. „Schon jetzt können wir sagen, dass es in den Winterferien in Berlin und Brandenburg (30. Januar bis 3. Februar) keine Streiks mehr geben wird“, sagte er. Am BER werden nach Angaben des Flughafens von Freitag, 27. Januar, bis Sonntag, 5. Februar, rund 450.000 Passagiere erwartet – freitags knapp 55.000.

Zu den Tarifverhandlungen selbst hat sich der Flughafen seit Bekanntgabe des Warnstreiks kaum geäußert. „Ergebnisse werden am Verhandlungstisch erzielt. Unser Ziel ist es daher, in dem bereits vereinbarten weiteren Verhandlungstermin am 8. Februar zu einem Ergebnis zu kommen“, sagte Michael Halberstadt, Vorstand Personal und Verhandlungsführer. Am Montag steht die nächste Verhandlungsrunde für Bodenabfertigungsdienste an.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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