Dienstag, Oktober 26, 2021
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Zu alt im Kopf?

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Die Jugend in der Union fordert mehr Mitsprache. Doch ob die CDU moderner werden würde, ist noch nicht entschieden.

Am Wochenende gibt es ein „großes Familientreffen“, so beschreibt zumindest die Junge Union ihren Deutschlandtag in Münster. Auch die wichtigsten Vertreter der etwas älteren Union werden erwartet. Die Parteichefs Armin Laschet und Markus Söder haben sich angekündigt. So wie drei Herren, die sich gut vorstellen können, Laschet zu erben: Ralph Brinkhaus, Jens Spahn und Friedrich Merz. Es soll also ein erster Stimmungstest im Rennen um den Laschet-Nachfolger werden. Aber es gibt auch viele Familienreihen im Haus. Denn die Frage, wo die Zukunft der Union liegt, berührt einen Generationenkonflikt.

46 Prozent der Erstwähler stimmten bei der Bundestagswahl für die FDP oder die Grünen, aber nur zehn Prozent für die Unionsparteien. Die CDU setzt sich derzeit mit vielen schmerzhaften Erkenntnissen auseinander – das ist eine der schlimmsten. In der CDU gibt es derzeit nicht wenige, die dafür auch die Junge Union verantwortlich machen. Die JU sei eine Jugendorganisation, die den Kontakt zur Jugend verloren habe, heißt es. Es ist vor allem ein Karrierenetzwerk, seine Mitglieder leben in einer Parallelwelt.

Und der seltsame Widerspruch zwischen Größe und Ergebnis verblüfft an der JU. Die Junge Union bezeichnet sich selbst als die größte politische Jugendorganisation Europas. Sie hat knapp 100.000 Mitglieder – deutlich mehr als die gesamte FDP. Dennoch scheint es für junge Wähler nicht besonders attraktiv zu sein.

Das hat wohl auch mit Vertretern wie Philipp Amthor zu tun. Amthor ist erst 28 Jahre alt, hat aber schon seine ersten Affären hinter sich. Trotzdem wurde er wieder in den JU-Vorstand gewählt – ausgerechnet als Schatzmeister. Und bei der Bundestagswahl war er noch Spitzenkandidat der CDU in Mecklenburg-Vorpommern. Die Christdemokraten verloren daraufhin im Land mehr als 15 Prozentpunkte und schnitten damit deutlich schlechter ab als in der Bundesregierung. Amthor hat auch seinen direkten Wahlkreis verloren, es landete sogar nur auf dem dritten Platz. Aber nichts davon scheint ihn zum Nachdenken zu bringen. Er berät seine Partei weiterhin fast täglich.

Es liegt auch an Leuten wie ihm, dass nicht jeder in der CDU bei der Verjüngung sofort an Besserung denkt. Dann wären Volker Bouffier und Wolfgang Schäuble lieber noch ein paar Jahre, werden manche meinen.

Denn es gibt viele vom Typ Amthor. Zum Beispiel der Hamburger Parteichef Christoph Ploß. Der Mann ist 36 Jahre alt. Mit ihm als Spitzenkandidaten hatte der CDU-Landesverband ein katastrophales Ergebnis. Aber Ploß tourt noch immer durch die deutschen Fernsehsender und fordert eine konservativere und wirtschaftsliberalere CDU. Kein Wunder, dass Karl-Josef Laumann der Kragen platzt. „CDU-Landesvorsitzende wie Christoph Ploß, die im eigenen Bundesland nur 15 Prozent bekommen, sollten von einer Orientierungsberatung der CDU absehen“, klagt der Chef der Arbeiterpartei. Die CDU wolle „eine Volkspartei und kein wirtschaftsliberaler Klientelverband“ sein.

Wegen des Zusammenbruchs der Union bei der Bundestagswahl sind nur noch 15 Bundestagsabgeordnete Mitglieder der Jungen Union. Die Jungsozialisten machen 49 aus, deutlich mehr als zuvor. Was sagt Tilman Kuban, der Vorsitzende der Jungen Union, zu diesem Machtwechsel – und zur Kritik an den Jungs in der CDU?

Kuban glaubt, dass das schwache Abschneiden der jungen Wähler nicht allein der Jungen Union angelastet werden kann. Denn es gibt sicherlich mehrere Gründe. „Thematisch habe ich oft Fragen zu Upload-Filtern, Klimaschutz, der Legalisierung von Cannabis oder den Corona-Maßnahmen gehört, die die Freiheiten junger Menschen eingeschränkt haben, bei denen die CDU oft nicht gut aufgestellt war“, sagt Kuban. „Wir haben das erwähnt, aber als JU hätten wir vielleicht lauter sein müssen.“ Für das schlechte Ergebnis hätten aber auch „die unterschiedlichen Profile der Spitzenkandidaten eine Rolle gespielt“. Kuban bedeutet, dass Annalena Baerbock und Christian Lindner für viele junge Leute attraktiver waren als Armin Laschet.

Zudem habe sich unter seiner Führung in der JU „viel verändert“, sagt Kuban. Die Junge Union habe „bei den letzten Wahlen zum CDU-Bundesvorstand drei Frauen vorgeschlagen und durchgesetzt, im eigenen Vorstand sind wir nun fast paritätisch“.

Und die stärkere Beteiligung der Mitglieder, von der inzwischen alle in der CDU sprechen, wird in der Jungen Union schon lange „vorgelebt“. Vor der letzten Wahl zum CDU-Vorsitzenden mussten „alle JU-Mitglieder online über die Kandidaten abstimmen, um eine Meinung der JU zu ermitteln“. Denn die Mitglieder seien „einfach viel selbstbewusster als früher und wollen nicht nur mitreden, sondern auch mitreden“.

Die JU sei „noch nie so breit aufgestellt in den Medien gewesen wie heute. Gesichter der Jungen Union seien „jetzt so unterschiedliche Menschen wie Philipp Amthor und Wiebke Winter“. CDU-Bundesvorstand Der 25-Jährige engagiert sich vor allem für den Klimaschutz.

Die anderen beiden Frauen sind Anna Kreye (27) und Laura Hopmann (31). Auch zusammen sind die drei JU-Frauen noch jünger als das älteste Vorstandsmitglied Otto Wulff von der Senioren-Union.

Hopmann ist außerdem Abgeordneter im niedersächsischen Landtag und Mitglied des CDU-Kreisvorstands in Hildesheim. Generalsekretär Paul Ziemiak hat gerade angekündigt, dass Laschet in den kommenden Tagen in den Regional- und Kreisverbänden „ein Ohr auf die Spur legen“ will. Hopmann sieht sich im Bundesvorstand als Vertreterin derer, die dort schon lange ein Ohr haben – und oft nur den Bahnhof verstehen. Verjüngung und Erneuerung würden nicht nur die Jugend in der Partei, sondern eigentlich alle an der Basis verlangen, sagt Hopmann. „Aber dann müssen wir es wagen, Leute zur Verantwortung zu ziehen, die nur die Chance bekommen, sich zu beweisen.“

Hopmann hat keine nationalen politischen Ambitionen. Aber es ist ihr sehr wichtig, dass sich ihre Partei in eine „moderne Organisation“ verwandelt. Die CDU agiert derzeit wie ein Autobauer, der sich zu spät um die Entwicklung anderer Antriebe jenseits des Dieselmotors gekümmert hat.

Aus Hopmanns Sicht ist die Erneuerung der CDU nicht nur eine Frage des biologischen Alters der Parteiführung, sondern auch der Themen, die Erstwähler betreffen: Medienkompetenz, Bildung, Klima. Aber der programmatische Kurs ist natürlich menschenbezogen. „Wir kommen als CDU nicht weiter, wenn wir unsere Spitzenkräfte nur aus Leuten füttern, die sich mit Themen wie Wirtschafts- oder Finanzpolitik beschäftigen“, sagt Hopmann.

„Wir müssen auf jeden Fall den Generationenwechsel wagen“, sagt Hopmann. „Ich weiß nicht, ob das mit jemandem klappt, der vor 20 Jahren Fraktionsvorsitzender war.“ Friedrich Merz kann sich hier angesprochen fühlen. Bei Hopmann hört man aber auch wohldosierte Kritik an Laschets Durchhaltewillen und Söders Selbstherrlichkeit.

Letztlich geht es Laura Hopmann nicht um einen Angriff auf einzelne Parteigruppen, sondern um einen Kulturwandel in der gesamten Union. „In der Partei gibt es für viele keine Lust mehr, unter den Befindlichkeiten einiger weniger zu leiden“, sagt sie. Jedes einzelne Mitglied muss mit seiner Stimme genauso wichtig genommen werden wie die Berufspolitiker, was bei CDU und CSU in den letzten Jahren nicht ausreichend der Fall war. „Diese alte Idee starrer Hierarchien wird nicht mehr funktionieren, wenn wir als Partei überleben wollen.“

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