Freitag, Juni 24, 2022
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Zuletzt aus dem Amt entlassener hoher Geistlicher nach Vorwürfen tot aufgefunden

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Christof May ist seit 2018 Leiter des Katholischen Priesterseminars der Diözese Limburg. In dieser Woche wird er nach „Vorwürfen missbräuchlichen Verhaltens“ aus allen Ämtern entlassen. Nun wird der Theologe tot aufgefunden.

Der Leiter des katholischen Priesterseminars im Bistum Limburg ist tot aufgefunden worden. Christof May sei am Donnerstag leblos aufgefunden worden, sagte eine Sprecherin des Bistums. Bischof Georg Bätzing hörte ihn erst am Mittwoch in einem persönlichen Gespräch über Vorwürfe des missbräuchlichen Verhaltens. Nähere Angaben zu den Vorwürfen im Einzelnen machte das Bistum nicht.

In den Wochen zuvor waren den zuständigen „Ansprechpartnern für Hinweise auf Tatsachenbeweise des Verdachts auf sexuellen Missbrauch im Bistum Limburg“ Vorwürfe gegen May bekannt geworden, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schreibt. Zur Prüfung und Aufklärung der Vorwürfe wurde May gemäß den Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum Umgang mit sexuellem Missbrauch mit sofortiger Wirkung von allen Ämtern freigestellt.

„Leider müssen wir Ihnen beunruhigende Nachrichten übermitteln“, schrieb der Sprecher des Bistums Limburg, Stephan Schnelle, in einer E-Mail an Mitarbeiter des Bistums. „Regens Dr. Christof May wurde heute tot aufgefunden. Wir sind am Boden zerstört und traurig.“ Wir haben einen engagierten und sehr geschätzten Pfarrer verloren. May ist seit 2018 Leiter des Priesterseminars im Bistum Limburg. Zu seinen Aufgaben als Regens gehörten neben der Leitung der Personalbildungsabteilung und des Priesterseminars Limburg auch Aufgaben im Bereich der Kirchenentwicklung. Mays Tod sei für das Bistum und für Bätzing „sehr bedrückend“ und lasse Fragen offen, erklärte das Bistum und sprach der Familie sein Beileid aus. „Gleichzeitig sind unsere Gedanken bei denen, die die Vorwürfe gemeldet haben“, teilte das Bistum mit.

Der 49-Jährige erregte im Oktober 2020 Aufsehen, als er sich in einer kirchenkritischen Predigt für die Sakramentenspende an Wiederverheiratete, Geschiedene und Homosexuelle, die Weihe von Frauen und Homosexuellen sowie das Abendmahl aussprach über Konfessionsgrenzen hinweg. Mays Kritik an veralteten Strukturen brachte ihm Kritik aus Teilen seiner Kirche ein, inspirierte aber auch viele Gläubige. Die Regens hätten anstehende und auch in Bearbeitung befindliche Themen angesprochen, sagte Bistumssprecher Schnell damals der „Frankfurter Neuen Presse“ auf die Frage, ob May mit Sanktionen für seine offenbar nicht mit dem Bistumsvorsteher abgestimmte Predigt rechnen könne . „Als Bischofsvikar für Kirchenentwicklung ist das eine seiner Aufgaben.“ Sanktionen seitens des Bistums seien „keine Anzeichen“.

Vergangene Woche trat ein hoher Geistlicher im Bistum Limburg nach einem von Bätzing mitverantwortlichen Skandal zurück: Winfried Roth, Dekan des katholischen Kreises Westerwald, trat von seinem Amt zurück, nachdem bekannt wurde, dass Bätzing ihn trotz mehrerer Vorwürfe auf sein Amt befördert hatte von sexueller Gewalt hätte. Der Vorfall sei viele Jahre her, der Pfarrer habe Reue gezeigt und sich entschuldigt, Bätzing habe seine Entscheidung zunächst verteidigt.

Wenige Tage später zog Bätzing einen Rückzieher: Er „merkt, dass meine Entscheidung für die Betroffenen schwer zu ertragen ist und auch Irritationen und Verärgerungen auslöst. Das hatte ich bei meiner Entscheidung vor zwei Jahren noch nicht so gesehen. Diese Entscheidung war falsch, „Ich bitte die Betroffenen um Verzeihung“, wird Bätzing in einer Mitteilung seines Bistums zitiert. Roths Rücktrittsangebot nahm er sofort an.

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