Samstag, November 26, 2022
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Zweifel an der Wahrhaftigkeit "Spiegel" Texte zum Tod eines Flüchtlingskindes entfernt

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Tausende Menschen versuchen im August, die griechisch-türkische Grenze in die EU zu überqueren. Medien auf der ganzen Welt berichteten darüber, was dort geschah. Der „Spiegel“ prüft nun einige Berichte, deren Wahrheitsgehalt angezweifelt wird.

Der „Spiegel“ hat mehrere Berichte von der griechisch-türkischen Grenze von seiner Website entfernt. Zuvor waren Zweifel an der Richtigkeit der Texte aufgekommen. In der Rubrik „Ausland“ ist derzeit nur die Überschrift des Artikels „Todesfalle EU-Grenze“ zu lesen. Die Redaktion schreibt: „An dieser Stelle gab es einen Artikel über das Schicksal einer Flüchtlingsgruppe am griechisch-türkischen Grenzfluss Evros im Sommer 2022. An der bisherigen Schilderung des damaligen Geschehens gibt es nun Zweifel.“

Zuerst hatte das Branchenmagazin „Medieninsider“ über den Vorgang berichtet. Demnach gibt es Zweifel an den Posts über ein Flüchtlingsmädchen, das auf einer Insel zwischen der Türkei und Griechenland gestorben sein soll. Laut „Spiegel“ wurden mehrere Artikel zu diesem Thema vorübergehend von der Website entfernt. „Wir überprüfen unsere Berichterstattung und entscheiden nach Abschluss der Recherche, ob wir die Artikel in korrigierter und aktualisierter Form erneut veröffentlichen.“

Laut dem „Medieninsider“ gibt es nicht nur Zweifel am Tod des Mädchens. Vielmehr ist unklar, ob es sie überhaupt gegeben hat. Ein Reporter schrieb über das Kind, es sei Anfang August an der europäischen Außengrenze gestorben, weil die griechischen Behörden ihr jegliche Hilfe verweigert hätten. „Sie ist gerade fünf Jahre alt geworden.“

Der griechische Migrationsminister Notis Mitarachi hat daran Zweifel geäußert, die er „Spiegel“-Chefredakteur Steffen Klusmann im September in einem Brief mitgeteilt haben soll. Mitarachi warf dem Reporter des Hamburger Nachrichtenmagazins vor, die Informationen zu dem Fall von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) nahezu ungefiltert übernommen zu haben. Der Medieninsider zitiert den Minister aus dem Schreiben: „Aus den Fakten und allen fotografischen Beweisen geht hervor, dass es kein vermisstes Kind gibt, geschweige denn ein totes Kind.“

„Spiegel“-Reporter Giorgos Christides, der die Geschichte in Griechenland recherchierte, äußerte sich Ende August in einem Twitter-Thread zu den Zweifeln. Darin gab er an, mit den Eltern und Geschwistern des Mädchens gesprochen zu haben. Anders als Politiker will er sie nicht anzweifeln. Auch andere Personen hätten die Existenz des Mädchens bestätigt, zudem habe es eidesstattliche Erklärungen gegenüber der ermittelnden Staatsanwaltschaft gegeben. Christides hat sich zu den aktuellen Vorwürfen nicht geäußert.

Der „Spiegel“ geht den Zweifeln nun intern nach. „Medieninsider“ schreibt, man versuche, die Recherchen zu rekonstruieren. Die Klärung ist aus verschiedenen Gründen schwierig, offenbar auch, weil die Insel teils griechisch, teils türkisch ist. Auch eine gezielte Kampagne der griechischen Regierung gegen den „Spiegel“-Journalisten ist nicht auszuschließen.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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