Donnerstag, Juni 23, 2022
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"Die Bayern sollten Lewandowski gehen lassen"

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Der FC Bayern steckt voll in der Transferplanung. Im Interview mit theaktuellenews spricht Sky-Experte Lothar Matthäus über die Arbeit von Hasan Salihamidzic und der Personalie von Robert Lewandowski.

Der FC Bayern schafft Fakten über die

Transfermarkt. Mit der Verpflichtung von Superstar Sadio Mané gelang den Münchnern ein echter Coup. Zudem hat sich der deutsche Rekordmeister bereits die Dienste der beiden hochtalentierten Profis Ryan Gravenberch und Noussair Mazraoui gesichert, die beide von Ajax Amsterdam kommen.

Die Kritik an Sportdirektor Hasan Salihamidzic ebbt kaum ab – auch weil die Zukunft von Robert Lewandowski noch nicht klar ist.

theaktuellenews hat mit dem Münchner Baustellensprecher gesprochen, der als Experte des Senders Sky immer nah am Kosmos der Bundesliga-Giganten ist: Rekordnationalspieler Lothar Matthäus.

theaktuellenews: Herr Matthäus, es ist fast Ende Juni. Wie steht es um den Transfer beim FC Bayern?

Lothar Matthäus: Es sieht gut aus. Mit Sadio Mané holen die Bayern nicht nur einen Stürmer, sondern ein Gesicht des Weltfußballs, einen großen Namen, der die Bundesliga zum Strahlen bringt. Die beiden Talente aus den Niederlanden, Noussair Mazraoui und Ryan Gravenberch, sind gute Transfers. Rechtsverteidiger Mazraoui war überhaupt nicht auf meinem Radar. Gravenberch ist noch kein fertiger Spieler, aber einer, der Zukunft hat. Er kann die Stammspieler unter Druck setzen. Und die Bayern können ihnen auch mal eine Pause gönnen, ohne auf dem Platz an Qualität einzubüßen. Gravenberch hat die Qualität, um den Wettbewerb anzuheizen.

Auf der anderen Seite verlässt Niklas Süle den Verein. Die Innenverteidigung ist offenbar kein Thema in den Transferplänen. Und es gibt den großen Baustellensturm, weil Robert Lewandowski weg will.

Es gibt die eine oder andere Baustelle, das stimmt. Sie haben die Position des Rechtsverteidigers aufgewertet, sodass sie mit Benjamin Pavard eine alternative Innenverteidigung haben. Ich gehe davon aus, dass Bayern mit Pavard in der Innenverteidigung plant. Die Bundesliga hat mit Erling Haaland (von Dortmund zu Manchester City, Anm. d. Red.) bereits einen Weltklasse-Stürmer verloren. Auch mit Robert Lewandowski würde der Fußball in Deutschland sein Gesicht verlieren. Es ist wichtig, dass wir in der Bundesliga versuchen, namhafte Spieler aus dem Ausland zu holen.

Braucht die Abwehr nicht neue Impulse? Die Bayern waren im Umschaltspiel sehr anfällig. Und mit Nico Schlotterbeck hat sich Deutschlands derzeit vielleicht bester Verteidiger für den BVB entschieden.

Wenn man so offensiv spielt wie der FC Bayern, gibt es immer Momente, in denen es auf Schnelligkeit ankommt. Dies schafft Räume, in die das gegnerische Team eindringen kann. Schlotterbeck hat sich für mehr Betriebszeiten entschieden. In Dortmund ist er sicher gesetzt. Beim FC Bayern hat er wohl überlegt, ob er genug Spielzeit bekommt. In Dortmund kann er den Umbruch mitgestalten. Es ist trotzdem eine Niederlage für die Bayern, dass sie Schlotterbeck nicht bekommen haben. Sie boten ihm zwei, drei Millionen Euro mehr als Borussia Dortmund. Das weiß ich genau.

Trotzdem: Die Abwehr bleibt ein Risiko, oder?

Ihre verbleibende Verteidigung hat es schwer. Deshalb ist es wichtig, dass einer der Doppelsechs den Kontakt zur Dreierkette hält. Joshua Kimmich zeigte diese Qualität. Auch unter Hansi Flick kassierten sie zu viele Gegentore für die Ansprüche, die sie an sich selbst stellen. Sie werden versuchen, die Trefferquote zu minimieren. Aber: Die Bayern sollen ihre DNA behalten, sie sollen weiter an ihre Offensividee glauben, die sie in Deutschland dominant gemacht hat. Sie werden auch in den kommenden Jahren zu den Top 5 in Europa gehören und zeigen, dass Villarreal (Champions-League-Aus, Anm. d. Red.) ein Ausrutscher war.

Trotz eines möglichen Abgangs von Lewandowski? Der FC Bayern soll mit Sasa Kalajdzic vom VfB Stuttgart verhandeln.

Ich denke, sie sollten Lewandowski gehen lassen, wenn sie eine gute Gebühr bekommen. Kalajdzic statt Lewandowski, das wäre ein großer Qualitätsverlust. Er würde auch seine Tore schießen, aber nicht so viele. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Leroy Sané, Serge Gnabry oder Thomas Müller nach vorne drängen. Pep Guardiola spielte dieses System erfolgreich bei Manchester City. Mané kann Lewandowski nicht eins zu eins ersetzen. Seine Position beim FC Liverpool hat er zumindest ab und zu gespielt.

Gibt es überhaupt Ersatzmöglichkeiten auf dem Transfermarkt?

Romelu Lukaku (Chelsea FC, Anm. d. Red.) könnte ihn ersetzen. Er wäre mein Favorit. Er ist vier Jahre jünger als Lewandowski. Ich weiß aber nicht, ob der FC Bayern eine solche Ablöse verkraften würde. Mit Lukaku hätten sie wieder eine Nummer neun, die ihre Gegner respektieren würden.

Lukaku war im Sommer 2021 für die gemeldete Summe von 113 Millionen Euro von Inter Mailand zum FC Chelsea gewechselt. Bayern bastelt noch. Ist es jetzt an der Zeit, dass der BVB und RB Leipzig richtig angreifen?

Der FC Bayern hat wieder den stärksten Kader. Corentin Tolisso zum Beispiel, den sie gehen ließen, war mehr verletzt als auf dem Platz. Aufgrund seiner Verletzungen konnte er seine Klasse nicht beweisen. Einige Überweisungen funktionierten nicht. Die Bayern hatten bei Marcel Sabitzer kein glückliches Händchen. Alle Spieler, die ich kritisiert habe, wollen jetzt, dass sie weg sind. So falsch konnte ich nicht liegen. Fehler bei Transfers zu machen, ist Teil des Spiels. Doch was neulich von der Bank kam, war keine Beilage mehr. Stammspieler mussten Partien bestreiten, in denen sie lieber eine Pause gehabt hätten.

Klingt kritisch. Wie beurteilen Sie die Arbeit von Sportdirektor Hasan Salihamidzic? Er ist für die Überweisungen verantwortlich.

Jetzt ist es noch zu früh für eine Einschätzung, die Transferphase steht erst am Anfang. Es wird immer noch gepokert.

Anders gefragt: Ist der von Fans ausgebuhte und von außen viel kritisierte Salihamidzic noch der Richtige für diesen Job?

Er hat ein weiteres Jahr Vertrag. Soweit ich weiß, haben die Bayern seinen Vertrag noch nicht verlängert. Ein Sportdirektor muss sich nicht nur an Ergebnissen messen lassen, sondern auch an der Außendarstellung. Beim FC Bayern gab es in letzter Zeit viele Dinge, die mich an meine Zeit erinnert haben. Die Sponsorengeschichte von Katar zum Beispiel. Die letzten Monate waren nicht Bayern-typisch, sondern eher turbulent. Man muss versuchen, die Dinge zu beruhigen. Viel hängt von Lewandowskis Persönlichkeit ab.

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