Sonntag, Januar 23, 2022
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FC St. Pauli im Aufstiegsrennen: „Das ist wie früher auf dem Fußballplatz“

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Bisher hat St. Pauli seinen Favoriten in der zweiten Liga überholt. Das Team startet als Tabellenführer in die Rückrunde und der Start ins neue Jahr gestaltet sich kompliziert. Ob die Mannschaft dem Druck gewachsen ist, werden die ersten Spiele zeigen.

mMärchen machen den größten Teil seines Lebenswerkes aus. Die Geschichten der Brüder Grimm haben Albert Schindehütte immer wieder zu Illustrationen und Zeichnungen inspiriert. Bekanntheit erlangte der Grafiker jedoch über die Hamburger Kunstszene hinaus mit den Sportlegenden seiner Wahlheimat. Mit Holzschnitten würdigte Schindehütte den Aufstieg des FC St. Pauli in die Bundesliga.

Der 82-Jährige könnte also viel Arbeit vor sich haben, sollte sein Lieblingsteam den Trend des ersten Saisonteils bestätigen. Das vorerst letzte Werk seiner „weiß-braunen Phase“ liegt zwölf Jahre zurück. „Danke Pauli!“ rief 2010 seine Hommage, und die Voraussetzungen für eine Fortsetzung waren nie besser als jetzt.

In 18 Spielen sammelte das Team von Timo Schultz 36 Punkte. Seit dem 3. Oktober leitet er ununterbrochen den Zweitligisten. Zwei Punkte pro Spiel – anders als bei Schalke 04 und den Bundesliga-Absteigern Werder Bremen hält sich die Mannschaft an die Faustregel für den Aufstieg.

Neben der Erfolgsbilanz ist es vor allem die Art und Weise, wie der Erfolg gespielt wird, die großen Respekt von Konkurrenten und Experten gleichermaßen verlangt. Niemand zweifelt daran, dass die Hamburger bis Saisonende um den Aufstieg spielen werden. Noch weniger sie selbst: Zu groß sind das Selbstverständnis und die Souveränität, die die Shows auszeichnen. Die Mannschaft spielt mit großer Überzeugung, mit Geschmack, mutig und offensiv, spannend. Elemente, die bis ins kleinste Detail auch im Training Bilder erzeugen, die selbst den Trainer zum Staunen bringen: „Manchmal scheint es, als wollten alle nur gemeinsam Fußball spielen. Es ist wie einst auf dem Fußballplatz“, sagte er The Aktuelle News AM SONNTAG.

Auf St. Pauli versammelt sich die halbe Welt, darunter auch Profis. Ein Pole, ein Waliser, ein Kroate und ein Kosovare verteidigen vor dem bosnischen Torhüter Nikola Vasilj. Und vor dem Mittelfeld, das oft aus einem Nigerianer, einem Ghanaer, einem Australier und einem Schweden besteht, beeindruckt das dänisch-österreichische Offensivduo mit Simon Makienok und Guido Burgstaller. Wahrgenommene Unterschiede werden leicht überwunden, wenn Männer aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Die Mischung stimmt, Pink und Elf sind ausgewogen und gut vorbereitet.

Was Kontinuität und zumindest mittelfristige Planung leisten kann, dokumentiert der Hamburger Kreisverein sehr anschaulich. Mit einem Wechsel auf die Saison 2020/2021 und einem zaghaften Kampf um den Abstieg hat der Klub den Preis für ein Jahr für eine Entwicklung bezahlt, die sich nun durchsetzt. Die Tiefe des Kaders, insbesondere im Mittelfeld, ist ein weiterer Schlüssel zum Erfolg. Burgstaller ist mit 14 Toren nach wie vor bester Torschütze der Liga.

Das Hauptverdienst für den unerwartet steilen Aufstieg gebührt aber Schultz, der seinen Fußball auch auf der besonderen DNA des Vereins basiert: „Gerade wenn man das Andere repräsentiert, das Aggressive, das Freche, dann passt das nicht zu unserem Weg.“ auf dem Platz ein 4-4-2-Flachsortierfeld zu spielen und zu schauen, ob wir mit einer Standardsituation 1:0 gewinnen können.“

Stattdessen rast seine Elf nun im Aufstiegsexpress durch die Liga, und der Klub weiß nun, was er an „Schulle“ hat. Der 44-jährige Ostfriese ist seit 2005 beim Verein, war Spieler, Co-Trainer und im Jugendbereich tätig, bevor er in der vergangenen Saison die Profis verpflichtete. Sein Vertrag wurde am Donnerstag verlängert. Nach dem Abgang von Ewald Lienen als Cheftrainer im Sommer 2017 suchte der Verein drei Jahre lang vergeblich: Olaf Janßen, Markus Kauczinski und Jos Luhukay blieben erfolglos, fanden aber keine Verbindung zum Verein und Umfeld Wichtig in St. Pauli sind da Tore und Punkte. Mit Schultz glauben sie, die ersehnte Symbiose gefunden zu haben: Treue zum Verein Und Erfolg. Er könnte garantieren, dass nach 1977, 1988, 1995, 2001 und 2010 in diesem Jahrzehnt auf St. Pauli Bundesliga gespielt wird.

Doch der Spielplan stellt sein Team gleich zu Beginn des Jahres vor harte Prüfungen – in sieben Tagen gibt es drei Aufgaben, die spannender nicht sein könnten. Am Samstag beginnt das Duell mit dem größten Angstgegner. Die Hanseaten haben vier ihrer 22 Spiele gegen die Aue gewonnen und in 13 Jahren nur einen Heimsieg errungen. Am Dienstag folgt das Spiel gegen Titelfavorit Borussia Dortmund im Achtelfinale des DFB-Pokals, bevor am Freitag das Stadtderby um Punkte gegen den HSV ansteht.

Das Triple-Paket hat es in sich. Zumal das Team auf sein größtes Ass im Ärmel verzichten muss. Acht Siege und 24:5 Tore in acht Heimspielen gab es in dieser Saison. Aufgrund der mit der Pandemie verbundenen Sicherheitsbestimmungen können die meisten Fans vorerst nicht mehr anwesend sein. Eine mögliche Schwächung, auf die Schultz nicht lange eingehen will. Nach harten Trainingstagen in Benidorm/Spanien entließ er seine Spieler. Sie sollten sich „auf allen Vieren“ strecken.

Dadurch verbrachte er mehr Zeit an seinem Schreibtisch und wurde häufiger als sonst an ein mögliches Szenario im Mai erinnert. An der Wand seines Büros hängt ein Holzschnitt von 2010. Als Ansporn. Schindehütte sollte anfangen, seine Schnitzmesser zu schärfen.

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