Freitag, Juni 24, 2022
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Lohngleichheit vor EM: DFB-Frauen weiterhin „zufrieden mit Bonus“

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Die Diskussion um gleiches Entgelt erstreckt sich auch auf die Frauen des DFB. Die Zeiten mit Kaffeeservice als EM-Bonustitel sind vorbei. Aber Männer sind dem DFB viel mehr wert.

Es ist immer noch im Haus von Martina-Voss-Tecklenburg in Straelen nahe der deutsch-niederländischen Grenze das berühmte Kaffeeservice, das einst nach dem Gewinn der ersten Frauen-Europameisterschaft 1989 an betrunkene deutsche Spielerinnen verteilt wurde. Der Bundestrainer nutzt es noch heute regelmäßig.

In diesem Zusammenhang weist der 54-Jährige gerne darauf hin, dass damals niemand auf die Idee gekommen wäre, bei den Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Anzeige zu erstatten, weil es sich um eine „symbolische Geste“ handele.

Seit dem legendären Finale in Osnabrück hat Deutschland dieses Frauenturnier sieben weitere Male gewonnen. Einmal war auch Bargeld dabei. Unterdessen lobt der Europäische Fußballverband der Frauen in England (vom 6. bis 31. Juli – live in ARD und ZDF) den Rekord 60.000 Euro als er den Titel gewann – viel mehr als bei der Europameisterschaft vor fünf Jahren in den Niederlanden (37.500 €).

Der Abstand zu den Männern bleibt riesig: Im vergangenen Jahr hätte es für den EM-Triumph in Wembley gereicht, wo nun auch das Finale der Frauen wächst 400.000 Euro sammelt.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf betonte zuletzt ausdrücklich, dass die Frauenmannschaft die gleichen Bedingungen wie die Männer vorfinden werde. Aber die Gleichheit endet immer noch beim Bezahlen.

Andere Vereine wagen mehr: Nach Norwegen Und England hatte auch Spanien und die Holland kündigte an, Männern die gleichen Prämien wie Frauen zu zahlen. Vor kurzem hat der Schweizerische Fußballverband (SFV) ein Stufenmodell vorgestellt, bei dem die „partnerbezogenen Erfolgsprämien“ bis 2024 gleich bleiben.

Und seit dem schweizerisch Auch der Gegner des einzigen Härtetests des achtmaligen Europameisters in Erfurt (Freitag, 16.45 Uhr / live im ZDF) schwappt automatisch auf das deutsche Feld über.

Voss-Tecklenburg ist eine facettenreiche Vision wichtig: „Man kann sich vorstellen, die Preise für die Herren-, Frauen- und U21-Nationalmannschaften gleich zu machen, weil diese drei Mannschaften vorne liegen.“

Irgendwann, so der Nationaltrainer, müssten Fifa und Uefa ein für alle gleiches Bonussystem schaffen.

Bierhoffs Gegenargumente

DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff verweist auf die unterschiedlichen Einnahmequellen, die einer Anpassung der Prämie entgegenstehen würden. Die UEFA schüttet rund 331 Millionen Euro bei einer Männer-EM aus und nur 16 Millionen bei den Frauen. Der Dachverband des Fussballs in Nyon, so heisst es, gewinne keinen Cent von diesem Turnier.

So zuletzt beim DFB: Die Männer-Nationalmannschaft erwirtschaftete durch Marketing eine Steigerung von über 40 Millionen Euro; weniger als 1,5 Millionen wurden für Frauen erfasst. Bierhoff sagte auch, die Erwartungen an eine sofortige Bonusanpassung seien in den Verhandlungen mit den deutschen Spielern „überhaupt nicht da gewesen“.

Sara Dabritz im Vorstand der DFB-Frauenmannschaft wirkte das Thema eigentlich recht entspannt. Die jüngsten Entwicklungen in anderen Verbänden seien „ein tolles Zeichen“, sagte der 27-Jährige und 85-malige Nationalspieler, der im Sommer 2022 von Paris Saint-Germain (ab 2019) zu Olympique Lyon wechseln wird.

Aber: „Man muss das anders sehen, weil Verbände anders damit umgehen.“

„Aber wir haben auch eine Verantwortung, wir wollen ein gutes Turnier spielen und die Leute begeistern“, sagte Däbritz. Es könnte heißen: Erst laufen, dann mehr Lohn fordern.

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