Sonntag, Juni 26, 2022
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Nationaltorhüter Peter Gulacsi: Ungarischer Meister der Gleichberechtigung

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In Spielen der ungarischen Nationalmannschaft kommt es immer wieder zu rassistischen und homophoben Vorfällen. Torhüter Peter Gulacsi nutzt seine Popularität, um ihn zu bekämpfen.

Bevor der Ball letzten Samstag in der Budapester Puskas Arena in das Spiel Ungarn gegen England rollte, ertönte ein lautes Buhrufekonzert von den Tribünen. Wieder einmal, wie es bei einer Reise des britischen Teams nach Mittel- und Osteuropa gesagt werden muss.

Der Brauch, vor dem Anpfiff der Inselmannschaften niederzuknien, mit dem sie ein Zeichen gegen Rassismus setzen wollen, wird in der Region regelmäßig mit Buhrufen quittiert.

So auch im Spiel zwischen Ungarn und England, das die Gastgeber mit 1:0 gewannen. Es gab Pfiffe, die eigentlich nicht hätten sein dürfen. Da ungarische Fans in der Vergangenheit immer wieder wegen diskriminierenden Verhaltens aufgefallen sind, hat der Europäische Fußballverband UEFA die ungarische Nationalmannschaft zu drei Heimspielen hinter verschlossenen Türen verurteilt.

Ein Urteil, das die Ungarn durch eine Lücke im UEFA-Reglement umgangen haben. Damit können Kinder bis 14 Jahre auf Einladung und in Begleitung eines Erwachsenen Geisterspiele spielen.

„Für Ungarn ist derzeit nichts geplant“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff in dieser Woche in Herzogenaurach, wo die deutsche Nationalmannschaft für die drei Nations-League-Spiele ihr Quartier bezogen hat.

Die Reise der DFB-Elf nach Ungarn steht weiterhin unter besonderer Beobachtung. Grund dafür ist das EM-Spiel zwischen Deutschland und Ungarn im vergangenen Jahr. Denn mehr als Sportveranstaltungen wurde in Ungarn ein Gesetz verabschiedet, das angebliche Werbung für Homosexualität und Geschlechtsumwandlungen bei Minderjährigen zur dominierten Zeit verbieten soll.

Als Zeichen der Solidarität mit der LGBTQ-Community in Ungarn gab es in Deutschland eine Anfrage, die Münchner Arena, in der das Spiel stattfand, in den Farben des Regenbogens zu beleuchten. Eine von der UEFA verbotene Verpflichtung.

Das Gesetz sagt viel über die Politik von Viktor Orban aus. Mit seiner diskriminierenden Politik gegenüber sexuellen Minderheiten versucht der ungarische Ministerpräsident, sich als Hüter christlicher und traditioneller Werte darzustellen. Aber auch in Ungarn hat diese diskriminierende Politik Kritiker. Und einer dieser Kritiker steht im Tor der ungarischen Nationalmannschaft: Peter Gulácsi.

Der Torhüter, der bei RB Leipzig unter Vertrag steht, nutzt seine Bekanntheit seit langem, um in den sozialen Medien aus Toleranz und gegen die Anti-LGBTQ-Politik der ungarischen Regierung Stellung zu beziehen. „Jeder hat das Recht auf Gleichberechtigung“, schrieb der Bundesliga-Profi beispielsweise im vergangenen Jahr auf Facebook. Er protestierte gegen ein im Dezember 2020 verabschiedetes Gesetz, das Homosexuellen die Adoption von Kindern verbietet.

Es war ein mutiger Schritt des Fußballprofis, der in seiner Heimat für Aufsehen sorgte. Über 40.000 Menschen haben seinen Beitrag auf Facebook „geliked“. Gleichzeitig musste er sich aber auch Kritik anhören. Nicht nur von Fans, sondern auch von Politikern der ungarischen Regierungspartei Fidesz und der Lokalpresse.

Doch Gulacsi ließ sich nicht von seinem Weg abbringen. Der Torhüter, der 2018 und 2019 in seinem Heimatland zum Spieler des Jahres gewählt wurde, nutzt seinen Ruhm weiterhin, um einen vielfältigen Verein zu verteidigen.

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