Sonntag, Januar 23, 2022
StartSPORTNeuer Chef für Klaus Allofs: Das große Erdbeben bei Fortuna Düsseldorf

Neuer Chef für Klaus Allofs: Das große Erdbeben bei Fortuna Düsseldorf

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Fortuna Düsseldorf hinkt in dieser Saison den Erwartungen hinterher. Die Mannschaft befindet sich vor Beginn der Rückrunde im Abstiegskampf. Einer der Gründe sind die jahrelangen Querelen im Verein.

D.Die Aussage war ungewöhnlich. „Fußballerisch bin ich talentlos“, sagte Alexander Jobst – und ich habe mir die Lacher verdient. Diese Selbsteinschätzung ist für den CEO eines klassischen Profi-Fußballvereins selten. Er liebe Fußball, könne aber eher „als Fan“ denn als Experte sagen, erklärte Jobst bei seinem Vortrag beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Beruf der Mannschaft und des Trainers – all das ist nicht seins.

Jobst, 48, bis vergangenen Sommer Marketingleiter des FC Schalke 04, weiß genau, was in Düsseldorf passiert. An einen Verein mit großem Potenzial in einer starken kommerziellen Position, aber auch an einen Verein, der sehr unbequem geworden ist. Daher hält er es für notwendig, neben Führungsstärke auch Teamfähigkeit und Bescheidenheit zu beweisen.

Vor dem Rückrundenstart am Samstag bei Werder Bremen (13.30 Uhr, Sky und im Liveticker The Aktuelle News) liegt Fortuna auf einem enttäuschenden 13. Tabellenplatz. Der Rückstand auf die Abstiegsplätze (sechs Punkte) ist deutlich geringer als auf die Aufstiegsplätze (15 Punkte). Das sorgt für Frust. Booms hinter den Kulissen. Und dann kündigte Thomas Röttgermann, Jobsts Vorgänger als Vorstandsvorsitzender, an, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.

Grund dafür könnte sein, dass er sich im Aufsichtsrat Feinde gemacht hatte. Das liegt vor allem an seiner sehr geradlinigen Art: Ob die DFB-Führung, die Konkurrenten der Liga oder die eigenen Mitarbeiter, an Röttgermann hat so ziemlich jeder irgendwann sein Fett abbekommen.

Irgendwann hat es dem Prüfungsausschuss gereicht, weshalb nun eine große Kehrtwende vollzogen wurde. Denn Jobst ist nicht nur neuer Chef, sondern mit Arnd Hovermann (48) auch neuer CFO. Christian Koke (48), der bisherige Marketing-Vorstand, muss gehen – Uwe Klein, vormals Sportvorstand, verliert seinen Job an Klaus Allofs (65), der bisher – ganz offiziell – den Bereich „Fußball, Entwicklung, Kommunikation und CSR“ leitete. (Soziale Verantwortung des Unternehmens).

Letzteres dokumentiert insbesondere das Ungeschick, das der Aufsichtsrat in den vergangenen Jahren an den Tag gelegt hat: Klein wurde erst zum 1. Juni 2020 zum Sportdirektor ernannt, Allofs nur drei Monate später berufen. Der Zuständigkeitsstreit war geplant.

Auch der Aufsichtsrat hat es sich bei der Lösung des Problems nicht leicht gemacht. Klein wurde die Position des künftigen Sportdirektors auf der Ebene unterhalb von Allofs angeboten. Klein lehnte ab. So kam er am Dienstag, seinem 52. Geburtstag, frei. Die „Rheinische Post“ bemängelte, dass es dem Klub „mal wieder an Fingerspitzengefühl fehlt“. Jobst, dem neuen Chef, wurde geraten, er müsse „schnell Vertrauen gewinnen“.

Das könnte tatsächlich helfen. Zumal Allofs keinen Hehl daraus macht, dass er lieber mit Röttgermann weitergearbeitet hätte. „Ich freue mich, dass nun klare Rahmenbedingungen für die Zusammensetzung des Verwaltungsrats geschaffen wurden. Aber es ist kein Geheimnis, dass ich ihn mir in einer anderen Konstellation vorgestellt habe“, sagte der frühere Manager des VfL Wolfsburg und Werder Bremen. Schließlich vertrat Röttgermann eine sehr umsichtige Finanzpolitik, auch wenn sie die Meinungen polarisierte. Bislang ist der Klub relativ sicher gefahren durch die Corona-Krise und verzeichnete überschaubare Verluste von nur zwei Millionen Euro.

Jobst muss mit Allofs gut auskommen. Deshalb betonte er, dass er sich in sportlichen Belangen zurückhalten wolle. „Wir sind jetzt so aufgestellt, dass klar ist, wer welche Verantwortung hat. Für mich gehört es dazu, alles zu entdecken und alles in Einklang zu bringen, aber jeder ist für sein eigenes Fachgebiet verantwortlich“, erklärte er. Das war vor allem eine Botschaft an Allofs, auch wenn Jobst das letzte Wort haben wird.

Was helfen könnte, wäre eine Sportkonsolidierung. Allofs ist nach wie vor von Trainer Christian Preusser (37) überzeugt. Dass die Mannschaft in der Hinrunde deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, liegt vor allem an den Reibungsverlusten durch Personalmangel und Anpassungsschwierigkeiten. „Wir wollen nicht nur Spieler, sondern auch Trainer entwickeln“, sagte Allofs. Strategische Nachhaltigkeit ist das Ziel, aber ein Niedergang wäre fatal.

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