Montag, November 29, 2021
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Ultras wollen das Podium erobern Hoeneß sprachlos – FCB-Treffen endet in Aufruhr

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Buhrufe, Pfiffe und sogar laute „Hainers raus“-Rufe sorgen für ein beispielloses Ende der Hauptversammlung des FC Bayern. Die Katar-Frage spaltet. Der Ehrenpräsident ist sichtlich verstört.

Inmitten des Corona-Wirbels um ungeimpfte Spieler und Stars in Quarantäne fand die Jahreshauptversammlung (kurz JHV) beim FC Bayern statt. Es ging um Werbepartner aus Katar, die sportliche Zukunft und die verworrene Corona-Situation beim Verein.

Ein entsetzter Uli Hoeneß stand bereits am Rednerpult. Doch der Ehrenpräsident, der die Jahreshauptversammlung des FC Bayern München, die in einem beispiellosen Chaos endete, stundenlang mit wenigen Plätzen neben dem ebenfalls ausdauernden Trainer Julian Nagelsmann verfolgt hatte, verließ das Podium nach kurzer Zeit wortlos.

Rund um das umstrittene Thema Katar-Sponsoring eskalierte der Aufstand einer Fan-Opposition mit Pfiffen und Buhrufen gegen die Bayern-Bosse mit Präsident Herbert Hainer als zentraler Konjunkturfigur. Die Szene könnt ihr hier im Video sehen.

Laute „Hainer raus, Hainer raus“-Rufe hallten um Mitternacht durch den Audi Dome, weil der Präsident am Donnerstagabend nach einer fünfstündigen Sitzung abrupt aufhörte zu sprechen. Ein abgebremstes Mitglied stand prompt auf einem Stuhl und hielt seine Rede einfach ohne Mikrofon. Auf dem Münchner Basketballplatz spielten sich bizarre Szenen ab.

Herbert Hainer: Der Bayern-Präsident hat die Eröffnungsrede beim Bayern-JHV gehalten.  (Quelle: Reuters / Andreas Gebert)Herbert Hainer: Der Bayern-Präsident hat die Eröffnungsrede beim Bayern-JHV gehalten. (Quelle: Andreas Gebert / Reuters)

„Wir sind Bayern – und Sie sind es nicht“, riefen die Mitglieder empört – und außerdem: „Wir sind die Fans, die Sie nicht wollen.“ Der verstörte und fassungslose Hoeneß sagte dem „Kicker“, als er den Treffpunkt verließ: „Darüber muss ich erst mal schlafen. Das war das schlimmste Ereignis, das ich je bei Bayern gesehen habe.“

Um 1 Uhr morgens schien sich die Lage beruhigt zu haben. Schätzungsweise 400 Menschen weigerten sich, den Veranstaltungsort zu verlassen. Die Polizei musste kommen.

Sie war definitiv einzigartig. Lange Zeit lief es wie gewohnt recht harmonisch, auch wenn Corona den Rekordmeister derzeit in der vierten Welle ausspielt und seit Frühjahr 2020 finanziell belastet ist. Seine erste Rede hielt Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender und Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge. Er warnte vor „unbegrenztem“ Anlegergeld in einigen Klubs in Europa und sprach von der „grundsätzlichsten Veränderung“, die der Fußball derzeit erlebe.

Spätestens bei den Tagesordnungspunktanträgen kochte die Stimmung hoch. Ein spontaner Antrag von Mitglied Michael Ott, über die Beendigung der Partnerschaft mit Qatar Airways nach Vertragsende im Jahr 2023 abzustimmen, wurde von Vizepräsident Dieter Mayer mit Verweis auf eine Entscheidung des Amtsgerichts München vom selben Tag abgelehnt.

Auch Otts‘ Forderung, der Verein solle weiterhin 75 Prozent der Anteile an der FC Bayern AG halten und keine weiteren fünf Prozent verkaufen können, erreichte nicht die erforderliche Dreiviertelmehrheit.

Wegen der strengeren Corona-Regeln waren nur rund 800 Mitglieder anwesend, darunter offenbar viele Hardliner. Das Plenum vertrat vermutlich nicht die mehr als 290.000 Mitglieder. Über die Zukunft des Katar-Sponsorings sei noch keine Entscheidung getroffen worden, sagte Hainer. „Wir werden den Vertrag erfüllen“, sagte er über die laufenden Geschäftsbeziehungen mit Qatars Airline.

Sie haben „klare Kriterien, nach denen wir Partnerschaften ausrichten“, sagte Kahn gelassen. Der CEO förderte den Dialog zum Thema Menschenrechte im Gastgeberland der WM 2022. Das ist besser als ausschließen und ausschließen. Am Ende einer denkwürdigen Mitgliederversammlung konnte niemand von einer gesunden Bayern-Welt sprechen.

Abschluss: Es war ein lebhafter, manchmal hitziger YHV des FC Bayern München. Der spontane Antrag auf Abstimmung über den gerichtlich abgelehnten Antrag auf Beendigung der Partnerschaft mit Katar wurde erwartungsgemäß vom Präsidium abgelehnt. Mit dem Erreichen der Satzungsänderung zum bescheinigten „Engagement“ des FC Bayern für die Menschenrechte konnten die kritischen Mitglieder zumindest einen kleinen Punkt abholen.

Unterm Strich aber ist das verheerende Bild, das das Münchner Präsidium um Herbert Hainer gemacht hat. Eine Bereitschaft zur offenen Diskussion oder gar Kritikfähigkeit war kaum zu erkennen. Stattdessen wurden die Kritiker unterbrochen, bedrohliche Kulissen aufgebaut und unbeaufsichtigt auf den Tisch geworfen. Das Chaos des legendären „Du bist selbst schuld an deiner Scheißlaune“-JHV unter Uli Hoeneß wurde erst nach dem offiziellen Ende erreicht, als die Ultras versuchten, das Podest zu stürmen.

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