Freitag, Oktober 7, 2022
StartTECHNOLOGIEAlle Geräte verstehen sich Matter soll Smart Home revolutionieren

Alle Geräte verstehen sich Matter soll Smart Home revolutionieren

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„Hey Google, schalte die Amazon-Filiale ein!“ Die neue Standard Matter soll dem vernetzten Haushalt endlich zum Durchbruch verhelfen. Die Technologie ermöglicht eine unkomplizierte Zusammenarbeit von Geräten unterschiedlicher Hersteller. Sogar Apple spielt mit und Fritzboxen sollen auch kompatibel sein.

Die Nutzung von Smart Home nimmt in Deutschland langsam aber stetig zu. Laut Branchenverband Bitkom haben mittlerweile 43 Prozent aller Deutschen mindestens ein solches Gerät im Haushalt. 2020 waren es 37 Prozent, 2018 waren es 26 Prozent. Dass es nicht schneller vorangeht, liegt unter anderem daran, dass Geräte unterschiedlicher Hersteller oft nicht miteinander kompatibel sind, weil unterschiedliche Technologien zum Einsatz kommen. Doch das soll sich bald ändern, denn die neue übergreifende Standard Matter ist startklar.

Materie an sich ist kein neues Smart-Home-System. Das hat wohl dazu beigetragen, dass sich praktisch alle großen Hersteller unter dem Dach der Connectivity Standards Alliance (CSA) engagieren. Dazu gehören unter anderem Amazon, Google, Apple LG und Samsung. Auch Ikea beteiligt sich an dem Projekt und laut „Heise Online“ hat auch Fritzbox-Hersteller AVM nach einigem Zögern kürzlich Matter angekündigt.

Anstatt die Ökosysteme der Hersteller zu ersetzen, ermöglicht Matter ihren Geräten, miteinander zu kommunizieren. Das bedeutet im Prinzip, dass sie über jede Plattform oder deren App gesteuert werden können. Künftig wird es Nutzern beispielsweise möglich sein, einem Google-Lautsprecher den Befehl zu geben, eine Amazon-Steckdose einzuschalten – bisher undenkbar. Über Codes, die mit einem Smartphone oder Tablet gescannt werden können, lassen sich Geräte einfach in ein Matter-Netzwerk integrieren.

Sie müssen sich nicht für ein Ökosystem entscheiden, um das Kommando zu übernehmen. Mit Matter können Geräte gleichzeitig in mehrere Smart-Home-Systeme integriert werden. Ein Haushaltsmitglied kann beispielsweise ein smartes Rollo über Apples Homekit-App steuern, andere Mitbewohner per Sprachbefehl an die digitalen Assistenten von Google und Amazon.

Theoretisch werden unter Matter keine Apps von Geräteherstellern benötigt, deren Aufgaben könnten auch die Leitstellen übernehmen. Laut dem unabhängigen Informationsportal matter-smarthome.de wird dies nur bei günstigen Produkten der Fall sein, die auf Basisfunktionen beschränkt sind.

Hersteller hochwertiger Geräte werden in ihren eigenen Anwendungen Extras anbieten, um sich vom Wettbewerb abzuheben. Dennoch soll es bei Matter keine Ausreißer wie bei Zigbee oder Z-Wave geben, wo unter anderem aufgrund kleiner Besonderheiten trotz eines gemeinsamen Funkstandards nicht alle Geräte mit allen Leitstellen funktionieren.

Materie könnte auch andere Probleme lösen, die vernetzte Haushalte ausbremsen. 47 Prozent der Menschen, die noch keine Smart-Home-Geräte nutzen, befürchten laut Bitkom den Missbrauch ihrer privaten Daten, 29 Prozent sorgen sich um ihre Privatsphäre.

Denn viele Anbieter nutzen eine Cloud zur Steuerung, verarbeiten also Anfragen und Daten auf ihren Servern. Matter hingegen benötigt keine Internetverbindung. Integrierte Geräte kommunizieren ausschließlich in lokalen Netzwerken über Zentralen, WLAN und den Thread-Funkstandard, der bereits von vielen Smart-Home-Herstellern genutzt wird. Um ein Matter-Gerät einrichten zu können, kann Bluetooth Low Energy (LE) für den Erstkontakt eines Geräts mit einem Smartphone oder Tablet verwendet werden.

Die Verwendung von Matter bedeutet jedoch nicht, dass Amazon Alexa oder Google Assistant auch offline funktionieren. Wer ein vernetztes Zuhause ohne Cloud will, muss auf die digitalen Assistenten verzichten. Ein weiterer Vorteil des Offline-Systems ist, dass es auch dann funktioniert, wenn das Internet oder ein Provider ausfällt.

Nicht nur für zögernde Nutzer ist wichtig, dass Matter auch die Sicherheit im vernetzten Zuhause erhöht. Matter-Geräte verfügen laut matter-smarthome.de unter anderem über einzigartige Zertifikate verifizierter Zertifizierungsstellen, die Fälschungen verhindern. Die Geräte haben ein Passwort, das die Kontrollzentren prüft und ein weiteres Zertifikat erstellt. Zudem wird die Kommunikation im lokalen Netzwerk verschlüsselt und Geräte haben nur Berechtigungen im Netzwerk, die ihren Aufgaben entsprechen.

Schließlich werden Zertifikate und andere Informationen zu allen Matter-Geräten in einer Datenbank gespeichert, die über zahlreiche Server in einem kryptografisch protokollierten Netzwerk synchronisiert wird. Das Prinzip ist als Blockchain bekannt.

Matter ist auf dem Papier vielversprechend, aber ob es sich durchsetzt und so reibungslos und einfach funktioniert, wie es beworben wird, bleibt abzuwarten. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin zeigte der deutsche Hersteller Eve Systems erstmals ein Praxisbeispiel und Matter soll diesen Herbst offiziell auf den Markt kommen. Die meisten Hersteller werden wohl erst im kommenden Jahr loslegen.

Smart-Home-Nutzer müssen für Matter nicht zwangsläufig neue Geräte kaufen. Einige Hersteller wollen auch aktuelle Geräte für den Standard updaten. Dazu gehören neuere Fritzboxen, Leuchten und Steckdosen von Eve Systems und Philips Hue sowie Lautsprecher von Amazon und Google.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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