Mittwoch, Oktober 20, 2021
StartTECHNOLOGIE"eFootball 2022" Wenn eine Katastrophe ein FIFA-Konkurrent ist, stolpert die große Chance

"eFootball 2022" Wenn eine Katastrophe ein FIFA-Konkurrent ist, stolpert die große Chance

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FIFA oder Pro Evolution Soccer? In der virtuellen Welt des Fußballs ist das eine Glaubensfrage. Letzterer Titel hat nun einen Nachfolger und einen neuen Namen. „eFootball 2022“ kann, abgesehen von der neuen Lackierung, mit der Konkurrenz nicht mithalten – aus mehreren Gründen.

Der Ansatz ist lobenswert: Eine Fußballsimulation, die zum kostenlosen Download zur Verfügung steht, vorerst auf Mikrotransaktionen verzichtet und sich auf das Gameplay konzentriert. Konami will all die Dinge besser, über die sich die Spieler der FIFA-Serie von Electronic Arts beschweren. Was die Entwickler mit dem „Pro Evolution Soccer“-Nachfolger „eFootball 2022“ auf die Beine gestellt haben, ist im übertragenen Sinne die hundertprozentig große Chance, die verpasst wurde. Weder das Konzept noch das Gameplay ist dem Titel an der Zeit – selbst mit uralten PES-Titeln kann die neueste Ausgabe nicht mithalten.

Die coronabedingte Jahrespause und der Umstieg auf die Unreal-Grafik-Engine haben der Spielereihe nicht gut getan. Auch wenn die jährlichen Sporttitel von EA in ihrer Entwicklung eher kleine Schritte machen, ist die Entwicklung von „eFootball 2022“ ein riesiger Rückschritt. Es ist wirklich schwer, Spaß an diesem Spiel zu entwickeln. Dafür gibt es Dutzende von Gründen.

Es gibt nur zwei verschiedene Modi: einen online und einen offline. Im Trainingsmodus gegen die CPU wählt der Spieler eines von neun Teams aus, mit denen Konami exklusive Lizenzverträge abgeschlossen hat. Dazu zählen Top-Klubs wie Bayern München, AS Roma und Juventus Turin. Aber das war es auch schon in Bezug auf den Umfang: Es gibt keine Teams mehr. Außerdem sind nur zwei von sechs möglichen Schwierigkeitsgraden wählbar – die anderen scheinen noch nicht programmiert zu sein. Insgesamt hat diese eher den Charakter einer Demoversion.

Der Event-Modus ist online verfügbar. Die Auswahl an Teams wächst hier auf über 200 an, allerdings mit einer gravierenden Einschränkung: Es ist nicht möglich, mit Teams zu experimentieren. Hat man sich einmal für ein Team entschieden, muss man damit für die Dauer des Events spielen – das erste dauert zehn Tage. Außerdem nervt eine Reihe von Verbindungsfehlern, die während des Spiels oft zufällig auftauchen.

Die Wahrheit liegt auf dem Spielfeld und hier versagt „eFootball 2022“ gänzlich. Das hat nichts mit den Spielen der ProEvo-Reihe zu tun, die die virtuellen Lewandowskis und Co. aufs Grün legen. Das Spiel ist ultralangsam. Ein schnelles Kurzpassspiel wirkt langwierig und verlangsamt das Tempo. Sprints mit oder ohne Ball sind schnell, aber hier lauert schon das nächste Problem: Die Bewegungen und der Spielverlauf sind nicht flüssig. Beim Richtungswechsel wirken die Kicker steif auf dem Rasen, lässt man den Sprintknopf los, stoppt die Bewegung abrupt. Es gibt keine realistische Auslaufbewegung. Wer sich auf seine KI-gesteuerten Mitspieler verlässt, ist verloren, denn er reagiert kaum auf den Ball, wenn er jemals ihren Reaktionsradius überschreitet.

Wenn sich die Spieler kreuzen, was im Fußball üblich ist, wird es auch chaotisch. Die Animationen beim Harken und Schieben im Kampf um den Ball funktionieren nicht gut zusammen. Kollisionen wirken übertrieben. Dazu kommt die – milde ausgedrückt – lächerliche Auslegung der Regeln durch die Schiedsrichter.

Grafisch gibt es mindestens ein Highlight, gefolgt von vielen Lowlights. Im eFootball sehen die Stadien toll aus – zumindest die der neun Partnervereine. Diese sind jedoch gefüllt mit einer hüpfenden Masse von 08/15 Fußballfans aus dem Klonlabor. Schaut man zu genau hin, wird man in Trance gehüpft.

Sie sollten nicht zu genau in die Gesichter der Spieler schauen, wenn sie ein Tor feiern. Denn hier herrscht Glitch. Mit weit aufgerissenen Mündern verformt, sorgen die virtuellen Kicker für Gelächter, doch angesichts der Technik mit Motion Capture ist das Finish nur tragisch witzig.

Die erste Überarbeitung des Spiels ist für den 28. Oktober angekündigt, die alle Probleme beheben soll. Ob Updates und Patches schnell die nötigen Verbesserungen bringen werden, ist ungewiss, da das Gameplay eine einzige Baustelle ist. Denn Fußball wird in „eFootball 2022“ nur schlecht simuliert. Zudem soll mit dem „Creative Team“-Modus eine Form von Mikrotransaktionen Einzug ins Spiel halten. In-Game-Käufe können bereits mit einem Paket für 39 Euro getätigt werden. Ein Release-Datum hat der Modus allerdings noch nicht.

Was für Konami viel schwieriger ist, als ein unfertiges Spiel veröffentlicht zu haben, das mit zahlreichen Updates und Patches vielleicht noch die Kurve bekommt, ist der erste sehr negative Eindruck. Spieler, die sich nach einer FIFA-Alternative gesehnt haben, sind sehr wahrscheinlich entfremdet worden. Vielleicht auch die exklusiven Lizenzpartner, die mit ihren Stadien, Wappen und Spielergesichtern ein für E-Sport ungeeignetes Spiel schmücken, „eFootball 2022“ ist sicher kein Aushängeschild für diese Vereine. Einen Vorteil hat der Free-to-Play-Titel natürlich: Jeder kann ihn kostenlos ausprobieren, auch wenn das Spielerlebnis wahrscheinlich nicht in guter Erinnerung bleibt.

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