Dienstag, August 16, 2022
StartTECHNOLOGIEGünstig, unterhaltsam, gut Nothing Phone (1) setzt ein starkes Blink-Statement

Günstig, unterhaltsam, gut Nothing Phone (1) setzt ein starkes Blink-Statement

- Anzeige -


Das Nothing Phone (1) ist ein erfrischend anderes Smartphone. Statt für viel Geld neue Rekorde aufzustellen, bietet er ein außergewöhnliches Design mit unterhaltsamer Lichtshow zum günstigen Preis, ist aber auch technisch ein gutes Mittelklassegerät, das keine Wünsche offen lässt.

Durch sehr geschicktes Marketing im Vorfeld gelang es Nothing, für die Premiere seines ersten Smartphones viel Aufmerksamkeit zu erregen, obwohl klar war, dass es sich nur um ein Mittelklasse-Gerät handeln würde. Das hätte ziemlich scheitern können, wenn die hohen Erwartungen enttäuscht worden wären und sich das Telefon (1) am Ende als nichts Besonderes herausgestellt hätte. Aber das ist nicht der Fall.

Mit ihrem ersten Produkt, den kabellosen Ohrhörern Nothing Ear (1), bewies das britische Unternehmen im vergangenen September, dass es nach viel PR-Flair auch liefern kann. Das war keine völlige Überraschung, das zu wissen Karl Pei dahinter, der mit einem ähnlichen Marketingtrick die ebenfalls von ihm gegründete Smartphone-Firma OnePlus ins Rampenlicht gerückt hat. Auch andere Größen der Tech-Szene haben investiert, darunter der iPod-Erfinder Tony Fadell und der YouTube-Star Casey Neistat.

Wie bei den Ohrhörern hat auch Nothing das Smartphone nicht neu erfunden, das Phone (1) ist im Grunde nur ein solides Mittelklasse-Gerät. Zu etwas Besonderem wird es erst durch seine Rückseite, die unter transparentem Gorilla Glas ein außergewöhnliches Design mit einer unterhaltsamen aber auch nützlichen Funktion verbindet.

Die transparente Rückseite gibt das Innenleben des Smartphones nicht wirklich preis. Stattdessen werden die Komponenten von clever gestalteten Kunststoffplatten abgedeckt, die mehrere MicroLED-Lichtstreifen beherbergen. Dadurch ergibt sich nicht nur ein interessantes Design, das sogenannte Glyphen-Interface erfüllt auch einen praktischen Zweck.

In den Einstellungen können Sie Ihren Kontakten zehn verschiedene Lichtmuster zuweisen, die bei eingehenden Anrufen, E-Mails oder Nachrichten blinken, begleitet von bestimmten Klingeltönen und Vibrationen. Im Alltag sieht man aber meist nur die Glyphenmuster, denn die Rückseite bleibt beim Blick auf das Display letztlich verborgen. Legt man das Smartphone mit der Vorderseite nach unten auf den Tisch, werden Töne und Vibrationen deaktiviert.

Die Helligkeit der 900 LEDs kann in den Einstellungen eingestellt werden. Es können auch Ruhezeiten ermittelt werden, in denen das Telefon (1) keine Lichtsignale gibt. Sie können die Glyphenfunktion auch vollständig deaktivieren.

Ist das Gerät mit dem Stromnetz verbunden, können Sie den Ladefortschritt auf Wunsch am LED-Streifen oberhalb des USB-C-Eingangs ablesen. Dort blinkt es auch, wenn sich der Google Assistant angesprochen fühlt.

Viel praktischer ist die Möglichkeit, beim Fotografieren oder Filmen alle LEDs als Dauerlicht zu nutzen. Gerade bei Portraitaufnahmen bekommt man so viel schönere Ergebnisse als mit Blitz. Zu diesem Zweck können Sie auch die Helligkeit der Glyph-Oberfläche anpassen.

Weitere Glyph-Funktionen können in Zukunft hinzugefügt werden, Nothing hat die Schnittstelle für sie freigegeben.

So cool die leuchtende Rückseite auch ist, wenn das Telefon (1) ansonsten nutzlos ist, nützt es wenig. Aber auch beim Glyph Fun hat der Hersteller die Grundvoraussetzungen für ein gutes Smartphone nicht vergessen.

Die Verarbeitung des Gerätes ist hochwertig, auch wenn es nur nach IP53 gegen Spritzwasser und Staub geschützt ist. Laut Nothing wären die Lizenzkosten für eine höhere Schutzklasse zu hoch gewesen. Der recycelte Aluminiumrahmen erinnert an ein iPhone und geht fast nahtlos in das 6,55 Zoll große OLED-Display über.

Der Bildschirm ist mit einer Pixeldichte von 402 ppi sehr scharf, liefert starke Kontraste und schöne, realistische Farben. Es kann bei Bedarf auch hell genug leuchten und bietet eine adaptive Bildwiederholfrequenz von 60 oder 120 Hertz. Der im Display integrierte optische Fingerabdrucksensor arbeitet schnell und präzise. Allerdings sitzt er etwas zu weit unten, um wirklich bequem mit dem Daumen zu erreichen.

Werkseitig ist bereits eine Schutzfolie auf dem Display angebracht. Das macht Sinn, da die Gefahr, Kratzer auf dem Deckglas zu bekommen, relativ hoch ist, wenn man das Smartphone mit der Rückseite nach oben auf den Tisch legt.

Angetrieben wird das Nothing Phone (1) von Qualcomms gutem Mittelklasse-Chip Snapdragon 778G+. Seine Leistung reicht vollkommen aus, um mit 8 oder 12 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher alle alltäglichen Aufgaben flüssig zu bewältigen und auch anspruchsvollere Spiele zu ermöglichen. Andererseits ist es sparsam genug, um das Gerät zusammen mit einem 4500-mAh-Akku sehr lange laufen zu lassen. Im Test hielt das Gerät in der Regel anderthalb Tage ohne Probleme durch.

Ein Netzteil liegt nichts bei und ein leerer Akku ist am USB-PD-3.0-Port nach 30 Minuten halb voll. Das Telefon (1) kann induktiv geladen werden und wer möchte, kann Kopfhörer auf der Rückseite des Smartphones aufladen, wenn deren Box die Funktion unterstützt.

Das Nothing Phone (1) hat nur eine Doppelkamera, was selbst in der Mittelklasse eher selten geworden ist. Eine optisch stabilisierte Hauptkamera mit 50 Megapixel (MP) und der großen Blende f/1.88 liefert tagsüber sehr scharfe Bilder mit kräftigen Farben, Kontrasten und vielen Details mit einem flottem Autofokus. Ihre Nachtaufnahmen sehen auch gut aus. 4K-Videos nimmt sie mit 30 Bildern pro Sekunde (fps) auf, bei Full-HD-Auflösung sind es 60 fps.

Dazu kommt eine Ultraweitwinkelkamera, die ebenfalls mit 50 MP auflöst, aber nur elektronisch stabilisiert ist und eine kleinere f/2.2-Blende besitzt. Sie liefert nicht so viele Details wie die Hauptkamera und die Fotos scheinen aggressiver bearbeitet worden zu sein, aber die Bilder sind auch an den Rändern noch relativ scharf.

Insgesamt sind die Dual-Kameras für ein Mittelklasse-Gerät ziemlich gut und die meisten Benutzer werden damit vollkommen zufrieden sein. Mit der 16 MP (f/2.45) Frontkamera werden sie auch Selfies oder Videoanrufe genießen.

Lob gibt es für die Software, die fast pures Google Android 12 ist und keine ungewollten Apps mitbringt. Nothing garantiert drei Versionsupdates und vier Jahre Sicherheitspatches, die alle zwei Monate angewendet werden. Zwei Updates haben zu Beginn des Tests meist kleinere Probleme behoben. Auch Google Pay funktioniert auf dem The Aktuelle News-Gerät einwandfrei, was bei anderen Testern offenbar nicht der Fall ist.

Bis zum Verkaufsstart am 21. Juli ist noch Zeit für ein weiteres Update. Damit konnte Nothing auch lustige Übersetzungsfehler beseitigen. In der deutschen Version heißen beispielsweise die zehn Hersteller-Klingeltöne „keine Klingeltöne“. [Update] Am 21.07. hat Nothing ein weiteres Systemupdate mit Fehlerbehebungen und dem neuesten Sicherheitspatch veröffentlicht.

In der günstigsten Variante mit 8 GB RAM und 128 GB Flashspeicher kostet das Nothing Phone (1) rund 470 Euro. Es ist mit 8 und 256 GB für 500 Euro erhältlich, für die Variante mit 12 und 256 GB werden 550 Euro fällig.

Ohne die Glyph-Rückseite wäre das Gerät wohl noch günstiger, aber wieder nur eines von vielen ähnlich guten Mittelklasse-Smartphones, von denen es mittlerweile mehr als genug gibt. Design und Lichtsignale machen das Nothing Phone (1) zu einem besonderen Gerät, das vielen vom Android-Einerlei gelangweilten Nutzern ein paar Euro mehr wert sein könnte.



Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare