Samstag, Mai 21, 2022
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So klimaschädlich sind unsere Instagram-Bilder wirklich

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Digitalminister Volker Wissing kritisiert das Hochladen von Food-Bildern ins Internet. Jedes Foto schadet dem Klima. Hat er Recht? Kaum wahrscheinlich. Das Posten von Bildern in sozialen Netzwerken macht den kleinsten Teil unseres CO2-Fußabdrucks im Internet aus.

Müssen wir jedes Essensbild in sozialen Netzwerken liken?

Auf Instagram oder Twitter hochladen? Diese Frage stellte Volker Wissing gestern beim Treffen der G7-Digitalminister mit Blick auf den „enormen Energieverbrauch“. Die Wahrheit ist: Der Stromverbrauch eines einzelnen hochgeladenen Fotos auf Instagram lässt sich kaum messen. Und: Andere digitale Dienste und Geräte verbrauchen deutlich mehr Energie.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat sich gemeinsam mit dem Öko-Institut vor zwei Jahren mit dem Thema auseinandergesetzt und untersucht, wie viel Strom wir im Internet verbrauchen. Das Ergebnis: Auf das Jahr gerechnet machen unsere Aktivitäten wie Videostreaming und die Nutzung von Social-Media-Diensten nur einen vergleichsweise kleinen Teil der rund 12 Tonnen CO2 aus, die wir durchschnittlich pro Person produzieren:

Nach Schätzungen des Öko-Instituts verursacht unser digitaler Lebensstil jährlich insgesamt rund 850 Kilogramm CO2. Nicht viel im Vergleich zur Gesamtmenge – aber wenn man bedenkt, dass nur zwei Tonnen CO2-Ausstoß klimafreundlich wären, eine beachtliche Zahl.

Nur: Diese Zahlen alleine kann man sich nicht anschauen. Schließlich kommt noch der jährliche Stromverbrauch unseres Smartphones (4 Kilogramm CO2) oder der Energieverbrauch der deutschen Rechenzentrumsinfrastruktur (213 Kilogramm pro Nutzer) in die Gesamtrechnung.

Und diese Proportionen spielen auch bei allen anderen Nutzungen von Diensten und Geräten im Alltag eine Rolle. Und das nicht nur, wenn Sie unterwegs sind, Bilder posten oder im mobilen Browser surfen. Laut BUND entsteht ein Drittel des digitalen CO2-Fußabdrucks zu Hause. Allein der Internet-Router verbraucht jährlich mehr Strom als ein kleiner Kühlschrank.

Auch die Spielkonsole wird unterschätzt. Mit 100 Watt zieht er fast so viel Strom wie der Fernseher, an den er angeschlossen ist. Spielkonsole und Fernseher verbrauchen zusammen mehr als 15-mal so viel wie ein Laptop. Im „Standby-Modus“ zum schnellen Hochfahren zieht die Spielekonsole auch im Leerlauf viel Strom.

Noch umweltschädlicher wird es, wenn man sich die Energiekosten ansieht, die bei der Herstellung dieser Geräte anfallen. Die Produktion von Laptops, Fernsehern und Smartphones verursacht den größten Teil der Treibhausgasemissionen in unserem digitalen Lebensstil. Die Produktion eines Fernsehers verbraucht pro Person und Jahr rund 200 Kilogramm CO2.

Auch wenn die Schätzungen von BUND und Öko-Institut nicht mehr aktuell sind, zeigen sie doch deutlich, dass Wissing mit seiner Kritik an allen Food-Fotografen auf Instagram falsch liegt. Wenn wir klimafreundlicher im Internet unterwegs sein wollen, sollten wir darauf achten, welche Geräte wir kaufen – oder gar ein gebrauchtes Gerät kaufen.

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