Dienstag, August 16, 2022
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Von dem "Knochen" zum Smartphone Vor 30 Jahren begann die Ära der mobilen Kommunikation

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Als Mobiltelefone vor 30 Jahren eine neue Ära der Kommunikation einläuteten, wussten die Verbraucher noch nicht, was sie mit den großen, schweren und teuren Geräten anfangen sollten. Die eigentliche Revolution begann erst mit fallenden Preisen und dem Siegeszug der SMS.

Der Beginn des modernen Mobilfunks vor 30 Jahren im Sommer 1992 war eine schwere Geburt. Der damalige Postminister Christian Schwarz-Schilling hatte bereits im Dezember 1989 die ersten Konzessionen für digitale Mobilfunknetze an die Deutsche Telekom („D1“) und den Mannesmann-Konzern („D2“) vergeben. Allerdings dauerte es mehrere Monate die Inbetriebnahme der beiden D-Netze technisch vorzubereiten, Funkmasten und Sender zu errichten. Vor allem aber fehlte es an geeigneten Handys.

Am 1. Juli 1992 lud die Telekom schließlich zum offiziellen Start ihres D1-Netzes ein. Ursprünglich wollte Mannesmann Mobilfunk zwei Wochen später mit der Ausstrahlung beginnen. Doch in einem PR-Coup wurde der D2-Start spontan auf den 30. Juni 1992 vorgezogen, um in den Geschichtsbüchern einen Tag vor dem Konkurrenten Telekom zu stehen. „D2-Privat“ konnte damals keine Handys an seine Kunden verkaufen. Der erste D2-Kunde kam aus Bochum und hatte zuvor in einem Elektrofachmarkt eines der ersten „Handys“ nach dem GSM-Standard, ein Ericsson GH-172, gekauft.

Am Markt setzte sich jedoch bald der legendäre „Knochen“ durch, das Motorola International 3200. Die heutige Technikchefin von Vodafone Deutschland, Tanja Richter, erinnert sich: „Das klobige Handy wog über 500 Gramm und hatte eine Akkukapazität von maximal 120 Gesprächsminuten und kosteten um die 3.000 DM. Das war für die damalige Zeit ein kleines Vermögen.“ Richter startete ihre Karriere bei Mannesmann Mobilfunk und kam mit der Firmenübernahme im Jahr 2000 zu Vodafone.

Die frühe Begeisterung für den digitalen Mobilfunk konnten in Deutschland zunächst nur wenige teilen, auch weil die Preise sehr happig waren. Angefangen haben Telekom und Mannesmann mit Minutenpreisen von knapp 2 D-Mark, heute rund 1 Euro. Die Grundgebühr betrug mehr als 70 D-Mark. Flatrates, die nur einen Bruchteil kosten, sind heute üblich.

Im April 1993, knapp ein Jahr nach dem Start, waren bereits mehrere hunderttausend Teilnehmer in den beiden D-Netzen unterwegs. Und das Wachstum hätte viel dynamischer verlaufen können, wenn es nur genügend Handys gegeben hätte. Der damalige Mannesmann-Technikvorstand Georg Schmitt löste die Abkürzung für den digitalen Mobilfunkstandard GSM (Global System for Mobile Communications) in ein tiefes „God send Mobiles!“ auf. an. Aber Mobiltelefone fielen nicht einfach vom Himmel, sie mussten von Motorola, Ericsson, Nokia, Siemens und anderen gekauft werden.

Aber zumindest sind die Preise gesunken. Und ein neuer Service machte das Handy vor allem für junge Leute attraktiv. Die Rede ist von SMS („Short Message Service“) mit seinen 160 Zeichen. Die erste SMS mit der Botschaft „Frohe Weihnachten“ ging am 3. Dezember 1992 an den Vodafone-Mitarbeiter Richard Jarvis. 1994 führten Mannesmann und die Telekom SMS für ihre Kunden ein. Fünf Jahre später verschickten die Deutschen bereits rund 3,6 Milliarden SMS. Der Duden gab sich geschlagen und fügte seinem Wortschatz das Wort „Simsen“ hinzu.

Allein 1999 verdoppelte sich die Zahl der Mobilfunkkunden in Deutschland auf 48 Millionen. Der Erfolg kostete Mannesmann schließlich die Unabhängigkeit: Der britische Gigant Vodafone übernahm das Düsseldorfer Unternehmen im Jahr 2000 nach mehrmonatigem Abwehrkampf für 190 Milliarden Euro.

Mitte der 1990er Jahre wurden in Deutschland zwei weitere Mobilfunklizenzen vergeben – die E-Netze entstanden mit den Anbietern E-Plus und Telefónica O2. E-Plus kam 2014 unter das Dach von Telefónica, sodass sich das Duopol der Anfangsjahre inzwischen zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen drei Anbietern entwickelt hat. Und mit der Versteigerung der Lizenzen für die fünfte Mobilfunkgeneration (5G) betrat 2019 mit 1&1 Drillisch ein neuer Player die Bühne, der aber noch kein eigenes Netz aufgebaut hat. Der Markt insgesamt ist riesig: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Mobilfunkanschlüsse in Deutschland auf 161 Millionen, so dass rein rechnerisch fast zwei Anschlüsse auf jeden Menschen kommen.

Die Premiere des iPhone im Jahr 2007 war ein entscheidender Moment in der Geschichte des digitalen Mobilfunks. Das erste iPhone funkt nur im vergleichsweise trägen EDGE-Netz. Doch das „Jesus Phone“ von Apple-Mitbegründer Steve Jobs verhalf Smartphones mit innovativen Funktionen und einer neuartigen Benutzeroberfläche zum Durchbruch. Mit dem iPhone veränderten sich auch die Kräfteverhältnisse – von den Anbietern zu den Geräteherstellern aus den USA und Asien. Mit dem ersten Samsung Galaxy im Jahr 2009 begann das ewige Duell zwischen dem iPhone und Googles Betriebssystem Android, das die Smartphone-Welt bis heute prägt.

Auch der Erfolg kostenloser Messenger wie Whatsapp, Facebook Messenger, Apple iMessage, Signal, Telegram, Line und Threema wirkte sich nicht minder drastisch auf das Geschäft der Mobilfunkanbieter aus. Sie haben SMS vor Jahren überflügelt und ein Milliardengeschäft ausgelöscht.

Aus diesem Grund müssen heutige Mobilfunkunternehmen den wirtschaftlichen Erfolg nicht nur in ihrem Kerngeschäft, sondern auch in anderen Bereichen suchen. Denn die Webshops und Shops von Telekom, Vodafone und Telefónica, die Handys und die dazugehörigen Zusatzleistungen wie Handyversicherungen verkaufen, bringen viel Geld in die Kasse.

Gleichzeitig unternehmen die Anbieter einen neuen Versuch, am wirtschaftlichen Erfolg der großen Internetkonzerne angemessen zu partizipieren. In einem gemeinsamen Aufruf forderten die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und der französische Anbieter Orange Mitte Februar die großen Plattformen auf, die Kosten der europäischen Digitalinfrastruktur teilweise zu übernehmen. Der Datenverkehr steigt jährlich um bis zu 50 Prozent – ​​und mehr als 70 Prozent des gesamten Verkehrs entfällt auf Video-Streaming, Spiele und soziale Medien. Diese Plattformen würden von hochskalierbaren Geschäftsmodellen zu geringen Kosten profitieren. Aber ob die Anbieter jemals Geld von den großen Internetprovidern sehen werden, steht in den Sternen.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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