Donnerstag, Oktober 28, 2021
StartWIRTSCHAFT30.000 Arbeitsplätze in Gefahr? : Wirbel um das VW-Stammwerk

30.000 Arbeitsplätze in Gefahr? : Wirbel um das VW-Stammwerk

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ichDiese Woche ist es wieder soweit. Volkswagen-Chef Herbert Diess hat seine wichtigsten Führungskräfte zu einer Führungskräftekonferenz in die Kitzbüheler Alpen zusammengerufen, konkret: in Alpbach. Das österreichische Dorf am Fuße des 1898 Meter hohen Gratlspitz bietet ein Kongresszentrum und viel Platz für Teambuilding – vom Wandern bis zum Mountainbiken. Die dort seit Mittwoch diskutierten Themen sind jedoch ernst. Vor allem die Auslastung im Stammwerk Wolfsburg ist zuletzt in den Fokus gerückt und sorgt für Aufsehen.

Diess hatte bereits in der September-Sitzung des Aufsichtsrats deutlich gemacht, dass die Angelegenheit brisant sei. Dort soll er ein alarmierendes Szenario vorgestellt haben, das eintreten könnte, wenn die Versorgungskrise bei elektronischen Chips anhält oder die Terminplanung wichtiger Zukunftsprojekte von VW überdacht werden muss.

Im schlimmsten Fall, warnte er, könnten bis zu 30.000 Arbeitsplätze bei der Kernmarke VW gefährdet sein. Zunächst berichtete das Handelsblatt über die Initiative, die Diess am Ende der Sitzung unter dem Tagesordnungspunkt „Sonstiges“ gemacht haben soll, überraschend für alle Teilnehmer, wie aus informierten Kreisen berichtet. Als Reaktion darauf gab es eine Debatte, in der Vertreter des Betriebsrats und des Landes Niedersachsen als Miteigentümer Widerspruch einlegten.

Am Mittwoch hieß es im Umfeld des Betriebsrats, Diess habe wohl auf die VW-Krise von 1994 verwiesen. Dort sei während der Vier-Tage-Woche ein Stellenabbau in gleicher Höhe abgewendet worden. Damals war der Konzern allerdings, anders als heute, zumindest aus Sicht der Arbeitnehmervertreter am Boden. Die IG Metall sagte am Mittwoch: „Es ist klar, dass der Stellenabbau von 30.000 Stellen nicht diskutabel ist.“ Wenn solche Extremszenarien ernsthaft diskutiert würden, sei dies ein „Frontalangriff auf die Transformation unserer Branche“.

VW sieht sich hingegen in Konkurrenz zu effizienteren Konkurrenten wie Tesla. Während der US-Hersteller nur 10.000 Mitarbeiter für 500.000 E-Autos pro Jahr plant, habe das größte deutsche VW-Werk in Wolfsburg vor der Corona-Krise mit 25.000 Mitarbeitern rund 700.000 Fahrzeuge gebaut, heißt es. Der Vergleich ist jetzt noch direkter mit dem neuen Tesla-Werk in Brandenburg, wie eine Unternehmenssprecherin betont. „Dass wir uns angesichts der neuen Marktteilnehmer mit der Wettbewerbsfähigkeit unseres Werks in Wolfsburg auseinandersetzen müssen, steht außer Frage.“ In Grünheide werde Tesla „neue Maßstäbe in Produktivität und Skalierung setzen“. Sie verwies auf das Trinity-Projekt in Wolfsburg, das die Chance biete, „den Standort vor Ort zu revolutionieren und langfristig Arbeitsplätze zu sichern“. Trinity soll Basis für neue E-Modelle werden und gleichzeitig die gesamte Wertschöpfung abspecken.

Diess hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Konflikte mit dem Betriebsrat geführt, die inzwischen fast zu seinem Ausschluss geführt hätten. Dass eine Debatte wieder hochkocht, hat mit dem Timing zu tun. Am 12. November hält der Aufsichtsrat seine Planungssitzung ab, in der die Investitionen für die nächsten Jahre gestrafft werden. Die Arbeitnehmervertreter fordern, dass dort die Weichen gestellt werden, um noch vor dem Start von Trinity 2025 und 2026 ein neues E-Modell nach Wolfsburg zu bringen und dort die Auslastung zu verbessern.

Die Aussichten dafür sind nicht schlecht, gleichzeitig macht sich der VW-Chef aber Sorgen, das Werk effizienter zu machen. An anderen Standorten könne man nicht „Wasser predigen und dann Wein trinken in Wolfsburg“, heißt es aus seinem Umfeld mit Blick auf die vergleichsweise geringe Produktivität. Die Kapazitätsauslastung ist derzeit besonders schwach, was mit der aktuellen Halbleiterknappheit zu tun hat, die auch andere Standorte betrifft. Auf der Führungskräftetagung in Alpbach haben die Führungskräfte also viel zu besprechen.

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