Sonntag, Mai 22, 2022
StartWIRTSCHAFTAktionsplan Verkehr: EU-Kommission: Ukraine kann Millionen Tonnen Getreide nicht liefern

Aktionsplan Verkehr: EU-Kommission: Ukraine kann Millionen Tonnen Getreide nicht liefern

- Anzeige -


MNach Angaben der EU-Kommission drohen Millionen Tonnen Getreide die Agrarlager in der Ukraine zu blockieren und damit die internationale Lebensmittelversorgung zu erschweren. „In weniger als drei Monaten müssen 20 Millionen Tonnen Getreide die Ukraine verlassen“, sagte EU-Verkehrskommissarin Adina Valean am Donnerstag. Das Getreide droht die Lagerstätten zu besetzen, die für die nächsten Ernten benötigt würden.

Deshalb hat die Kommission jetzt einen Aktionsplan veröffentlicht, wie Exporte über Land transportiert werden können. Auch Güter wie humanitäre Hilfe sollen über sogenannte Solidaritätsspuren ins Land gebracht werden. Zu den Herausforderungen gehört, dass ukrainische Waggons nicht mit dem Großteil des EU-Schienennetzes kompatibel sind, sodass die meisten Güter auf Lastwagen oder andere Waggons umgeladen werden müssen. Zudem gibt es für diesen zeitaufwändigen Prozess nur wenige Einrichtungen an den Grenzen.

Die EU-Kommission fordert nun private und staatliche Stellen auf, mehr Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen und eine Logistikplattform zur Koordinierung der Abläufe aufzubauen. Lebensmittelexporte aus der Ukraine seien vorrangig zu behandeln und auch die EU-Staaten seien aufgefordert, Zoll und andere Stellen mit ausreichend Personal auszustatten und „ein Höchstmaß an Flexibilität zu üben“.

Vor Kriegsbeginn war die Ukraine einer der größten Getreideproduzenten der Welt. Viele Länder, vor allem ärmere, sind dringend auf billigen Weizen aus dem Land angewiesen. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sind jedoch Seewege und Häfen gesperrt.

Nach Angaben der Kommission werden unter normalen Umständen 90 Prozent der ukrainischen Getreide- und Ölsaatenexporte – darunter Sonnenblumen und Raps – über die Schwarzmeerhäfen des Landes verschifft. Auf ukrainischer Seite warten den Angaben zufolge derzeit Tausende Lkw und Waggons auf die Abfertigung. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt 16 Tage, an manchen Grenzen bis zu 30 Tage

Der russische Präsident Wladimir Putin erwartet dieses Jahr eine Rekordweizenernte und hat eine Steigerung der Exporte angekündigt. „Laut Fachleuten, das sind natürlich nur vorläufige Schätzungen, könnte die Getreideernte 130 Millionen Tonnen betragen, darunter 87 Millionen Tonnen Weizen“, sagte der Kreml-Chef am Donnerstag bei einer Regierungssitzung. Seiner Meinung nach wäre das ein Rekord für Weizen. Russland ist einer der größten Getreideproduzenten der Welt und spielt eine wichtige Rolle in der Welternährung.

Putin kündigte an, den Export wieder anzukurbeln, wenn die Ernte das gewünschte Ergebnis bringe. Der Rekord „ermöglicht es uns, nicht nur unseren eigenen Bedarf problemlos zu decken, sondern auch die Lieferungen auf den Weltmarkt für unsere Partner zu erhöhen, was für den globalen Lebensmittelmarkt wichtig ist“, sagte er. Im März stoppte Russland den Export von Weizen und anderen landwirtschaftlichen Gütern bis Juni.

Laut der Nachrichtenagentur Interfax hatte Russland 2017 die beste Ernte aller Zeiten. Damals wurden 135,5 Millionen Tonnen Getreide, davon 86 Millionen Tonnen Weizen, eingefahren. Die letztjährige Ernte war mit 121,4 Millionen Tonnen und 76 Millionen Tonnen Weizen relativ mager.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare