Mittwoch, Dezember 8, 2021
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Aktualisieren "Schwarzer Freitag" für den Dax Fear kehrt mit der neuen Corona-Variante zurück

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Die Angst vor neuen globalen Lockdowns aufgrund einer in Südafrika entdeckten neuen Coronavirus-Variante treibt Investoren in Scharen in die Flucht. Einige Staaten schränken die Reisefreiheit bereits ein oder stehen kurz davor. Lufthansa-Aktien reagieren mit einem Kursverlust von bis zu 16 Prozent.

Aus „Black Friday“ wird Black Friday für die Börsen. Es herrscht Ausverkaufsstimmung. Aus Angst vor einer neuen gefährlichen Virusvariante brechen Dax und EuroStoxx50 genauso stark zusammen wie beim Börsencrash im März 2020, als die erste Pandemiewelle Rezessionsängste schürte.

Der Dax verlor im frühen Handel um bis zu vier Prozent auf 15.283 Punkte und notierte am Morgen noch 2,9 Prozent im Minus. Der EuroStoxx50 verlor auf 4098 Metern bis zu 4,6 Prozent. „Der Black Friday scheint mit Kursabschlägen an der Börse einherzugehen“, kommentierte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Im Moment weiß niemand, ob Aktien wieder günstig werden.

Börsenhändler sind besorgt über die in Südafrika entdeckte neue Coronavirus-Variante, die Ängste vor neuen Sperren und wirtschaftlichen Abschwüngen schürt. Experten zufolge könnte die Variante sogar noch ansteckender sein als der derzeit grassierende Delta-Typ und resistenter gegen die bisherigen Impfstoffe.

„Falls sich die neue Variante als sehr aggressiv herausstellt, könnte dies wie bei der ersten Corona-Welle mit der Schließung des internationalen Flugverkehrs einhergehen“, warnte Anlagestratege Jürgen Molnar von der Maklerfirma RoboMarkets. Einige Staaten schränken die Reisefreiheit bereits ein oder stehen kurz davor.

Großbritannien und Israel haben bereits Flüge aus Südafrika und einigen Nachbarländern vorübergehend eingestellt. Auch aus Hongkong wurden zwei Fälle gemeldet (ein Reisender aus Südafrika und ein Gast, der auf derselben Etage eines Hotels wohnte). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnte die Krankheit nun als „besorgniserregende Variante“ einstufen.

Vor diesem Hintergrund brach der Index der europäischen Reise- und Tourismuswerte um bis zu 7,3 Prozent ein. Einer der größten Verlierer war dabei die Lufthansa, die mit zeitweise knapp 16 Prozent Verlust auf den größten Tagesverlust seit mindestens 30 Jahren zusteuerte.

„Solange man nichts über Infektionsraten und Impfschutz weiß, herrscht Unsicherheit an der Börse und es wird verkauft“, kommentiert Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „Und eine neue Variante, die Impfstoffe nicht kontrollieren können, ist wie ein neues Virus.“

Der Ausverkauf an den Börsen macht auch vor Kryptowährungen nicht halt. Bitcoin und Ethereum fielen um 7,5 Prozent auf 54.429 US-Dollar bzw. 11 Prozent auf 4006 US-Dollar. „Anleger kehren riskanteren Anlageklassen den Rücken und gehen auf Nummer sicher“, sagt Analyst Timo Emden von Emden Research.

Investoren spekulieren derweil auf Zusatzgeschäft im Falle eines erneuten Lockdowns mit möglichen Profiteuren. Die Aktien der Lebensmittelanbieter Delivery Hero, Just Eat Takeaway und Deliveroo legen um bis zu zwei Prozent zu. Die Papiere des Kochbox-Versandhändlers Hellofresh sind um knapp drei Prozent gestiegen. Der Online-Händler Zalando und der Computerspiele-Anbieter Ubisoft legten um ein bzw. zwei Prozent zu.

Auch „sichere Häfen“ wie Gold sind wieder gefragt. Das Edelmetall legte um ein Prozent auf 1806 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu. „Wenn sich die neue Variante in den USA ausbreitet, würde sie dort das Wachstum dämpfen“, sagte Stephen Innes, Partner beim Vermögensverwalter SPI. In einem solchen Umfeld wäre eine Zinserhöhung durch die Fed unwahrscheinlicher. Gleiches gilt für die Eurozone.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch zu früh, die möglichen wirtschaftlichen Folgen abzuschätzen, kommentiert Holger Schmieding von der Berenberg Bank. „Jede neue Welle könnte ernsthaften wirtschaftlichen Schaden anrichten. Ein potenziell mildernder Faktor ist, dass die Welt jetzt in höchster Alarmbereitschaft ist und ihre Kapazitäten zur Entwicklung, Anpassung und Herstellung von Impfstoffen erhöht hat.“

Da die Wall Street erst nach dem US Thanksgiving Day für den verkürzten Handel öffnet und viele Anleger die Gelegenheit für ein verlängertes Wochenende nutzen, erwarten Börsenmakler in Europa ähnlich magere Umsätze wie am Donnerstag. Dies könnte die Preisschwankungen verstärken.

Auch der MDax der mittelgroßen Werte fiel am Morgen stark, erholte sich aber im Verlauf des Morgenhandels leicht und war zuletzt um 2,2 Prozent leichter bei 34.272 Punkten. Am frühen Morgen hatte die neue Virus-Mutation bereits den letzten Handelstag der Woche in Asien verdorben und zum Teil hohe Kursverluste verursacht.

Der gestrige Handelstag war noch positiv. Am Vortag hatten sich die Anleger nach den Kursverlusten in dieser Woche vorsichtig zurückgetastet. Dax und EuroStoxx50 legten am Donnerstag jeweils um knapp ein halbes Prozent auf 15.971 bzw. 4.293 Punkte zu. „Wir sehen Rückschläge weiterhin als Chance für den Einstieg“, kommentierte Anlagestrategin Marija Veitmane vom Vermögensverwalter State Street.

Ein kleiner Lichtblick war die Zulassung des Coronavirus-Impfstoffs von Biontech für Kinder zwischen fünf und elf Jahren durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Sobald die aktuelle Infektionswelle gebrochen ist, könnte der Versuch der neuen Bundesregierung, weitere Fortschritte zu wagen, die Stimmung der Investoren aufhellen, prognostizierte CMC-Experte Stanzl.

Deshalb strahlt die Commerzbank in ihrer neuen Prognose auch für das kommende Jahr Zuversicht aus. „2022 wird wieder ein gutes Aktienjahr“, sagt Chefvolkswirt Jörg Krämer mit Blick auf Konjunktur und Aktienmärkte. Zum Jahresende sieht die Bank den Dax bei 17.200 Punkten. Das wäre eine Steigerung gegenüber dem jetzigen Niveau von rund 11 Prozent. Krämer begründet seinen Optimismus vor allem mit der Erwartung einer sinkenden Inflation im kommenden Jahr.

Die Commerzbank hat neue Virenvarianten aufgenommen. „Aber sie werden von Welle zu Welle weniger Auswirkungen haben“, glaubt Krämer. Für die Konjunktur ist die Bank jedoch deutlich weniger optimistisch. Wegen der zu erwartenden weiteren Wellen ist die Commerzbank weniger optimistisch als andere Häuser. Sie rechnet mit einem Wachstum von 3 Prozent.

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