Dienstag, Oktober 19, 2021
StartWIRTSCHAFTAutonomes Fahren: Unterwegs im autonomen Shuttle

Autonomes Fahren: Unterwegs im autonomen Shuttle

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Vo In sieben bis acht Jahren sollen die neuen On-Demand-Shuttles des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) ihre Fahrgäste autonom und ohne Fahrer befördern. Das teilte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat am Freitag mit. Ab Mitte der zwanziger Jahre möchte er zudem rund 6,5 Millionen Einwohnern im Einzugsgebiet des Verkehrsverbundes das Angebot an Hybrid-Ruftaxis und -Bussen zur Verfügung stellen. Auch wenn er betonte, dass die Fahrzeuge keine Konkurrenz zu Taxis seien und er kein Parallelangebot zum öffentlichen Personennahverkehr schaffen würde, könnten sie die Mobilität im Rhein-Main-Gebiet nachhaltig verändern.

„Es gibt eine konkrete Neuentwicklung der Firma Mobileye, mit der wir eine Kooperation anstreben“, sagte Ringat mit Blick auf die immer schneller werdende Entwicklung im Bereich des autonomen Fahrens. Das Unternehmen würde Fahrzeuge mit Kamerasensoren und Prozessoren ausstatten, damit sie ohne Fahrer reisen können. Diese Fahrzeuge sind bereits für den Einsatz auf dem gesamten deutschen Bundesstraßen- und Autobahnnetz zugelassen. Ringat geht davon aus, dass ab 2023 Testfahrten von autonomen On-Demand-Shuttles im Rhein-Main-Gebiet möglich sein werden. „Bis Ende der zwanziger Jahre scheint es durchaus machbar, autonome Fahrzeuge in unser Angebot aufzunehmen“, so Ringat.

Er kündigte an, das Angebot an neuen Shuttles erweitern zu wollen: „Ich stelle mir vor, dass wir Mitte der zwanziger Jahre On-Demand-Shuttles im gesamten Verkehrsnetz anbieten könnten.“ Derzeit sind zehn Partner in einem Einzugsgebiet von rund 1,8 Millionen Menschen an dem Pilotprojekt beteiligt. Das gesamte Einzugsgebiet des RMV umfasst rund 6,5 Millionen Einwohner. Die Shuttles verkehren bereits in Darmstadt, Kreis Offenbach, Frankfurt und Taunusstein. In Hanau sollen sie laut Ringat ab Sommer 2022 unterwegs sein. In Hofheim, Kelsterbach und Limburg ist der Start noch in diesem Jahr geplant, Anfang 2022 sollen der Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Landeshauptstadt Wiesbaden folgen.

Das derzeit größte On-Demand-Pilotprojekt in Deutschland wird vom Bund mit 27 Millionen Euro finanziert. Das Land Hessen steuert weitere 27 Millionen Euro bei, RMV und die zehn Partner nehmen weitere 50 Millionen Euro in die Hand. Die Förderung läuft bis 2024. Die Zahl der Fahrgäste in den bereits im Einsatz befindlichen Shuttlebussen ist noch überschaubar. Im Kreis Offenbach nutzten von Januar 2021 bis September 2021 insgesamt 47.500 Fahrgäste den „Hopper“. Die durchschnittliche Wartezeit betrug fünf Minuten. „Wir haben durchweg eine brillante Kundenbewertung von 4,9 von fünf möglichen Sternen erhalten. Das ist wirklich toll“, sagte Ringat.

Rund 10.000 Passagiere nutzten von April bis Oktober dieses Jahres den „HeinerLiner“ in Darmstadt. Es wurde auch von den Passagieren sehr gut bewertet. Die „Emil“ im Taunusstein wurde seit August mehr als 1.500 Mal befahren, vor allem in den Randzeiten und in der Nacht. „Das ist eine sehr gute Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr und zeigt uns, dass wir neue Zielgruppen ansprechen. Das sind zusätzliche Passagiere“, sagte Ringat. Und weiter: „Wir wollen im Zuge der Verkehrswende deutlich mehr Menschen in Bus und Bahn bringen. Dazu müssen wir mit dem Nahverkehr individueller werden und die Leute bequem mit dem Auto abholen. „Die On-Demand-Shuttles sollen das Bindeglied auf der letzten Meile sein. „Wir wollen kein Parallelangebot zum ÖPNV“, stellte der Geschäftsführer klar.

In Städten, die nicht so gut an den Nahverkehr angebunden sind, könnten die Shuttles auch über ihre eigentlichen Gebiete hinaus eingesetzt werden. „Das testen wir jetzt und wollen Erfahrungen sammeln“, sagte Ringat. Er kann sich vorstellen, dass die Shuttles zu bestimmten Zeiten oder in ländlichen Gebieten den Nahverkehr ersetzen werden. „Wenn man weiß, dass im großen Bus sowieso nur zwei oder drei Leute sitzen, dann kann man die Strecke künftig mit dem On-Demand-System bedienen“, sagt der RMV-Chef.

Ringat geht davon aus, dass das neue Angebot nicht mit dem Taxi konkurriert. Auch bei der Frankfurter Taxigilde bereiten die neuen Shuttles keine Sorgen. „Unsere Kunden nehmen gerne ein Taxi und kennen uns“, sagte der zweite Vorsitzende, Abdul Hamid Bhatti, auf Nachfrage. Er erinnerte daran, dass es bereits erfolglose Versuche gegeben habe, mit Shuttle-Angeboten in den Markt einzusteigen. „Nein, das ist kein Wettbewerb für uns“, stellte er klar. Der Grundpreis für eine Taxifahrt in Frankfurt beträgt 3,50 Euro. Für die ersten 15 Kilometer muss man zwei Euro pro Kilometer zahlen, ab dem 16. Kilometer sinkt der Preis auf 1,75 Euro. Zum Vergleich: Eine einfache Fahrt mit dem On-Demand-Shuttle Knut in Frankfurt kostet einen Grundtarif von zwei Euro und jeder gefahrene Kilometer kostet 30 Cent. Auf einer Strecke von zehn Kilometern würde eine Taxifahrt in Frankfurt 23,50 Euro kosten und eine Fahrt mit Knut fünf Euro.

Orhan Soganci, Direktor der Wiesbadener Taxizentrale, ist sich noch nicht ganz sicher, wie sich das Angebot von On-Demand-Shuttles auf die Taxifahrer in der Landeshauptstadt auswirken wird. „Wenn in Wiesbaden andere Dienstleister als Taxis eingesetzt werden, ist das natürlich Konkurrenz für uns“, warnte er.

Kommentar: Möglichkeiten für den Nahverkehr

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