Montag, Oktober 18, 2021
StartWIRTSCHAFTBatteriezellen: Brandenburg bekommt seine erste Lithium-Fabrik

Batteriezellen: Brandenburg bekommt seine erste Lithium-Fabrik

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DDie Bestrebungen der EU und der Automobilindustrie, sich von den ostasiatischen Zulieferern für Batterietechnik unabhängig zu machen, nehmen konkretere Formen an. Im brandenburgischen Guben plant das deutsch-kanadische Unternehmen Rock Tech Lithium nun den Bau des ersten europäischen Lithium-Konverters – eine Fabrik, die aus dem Rohstoff das für die Batterieproduktion benötigte Lithiumhydroxid produziert.

„Wir werden der Lithium-Partner der Automobilindustrie“, sagte Rock-Tech-Chef Dirk Harbecke am Montag nach dem Kauf einer Fläche im Industriegebiet der brandenburgischen Stadt Guben. Der Entscheidung für Guben ging eine europaweite Standortsuche voraus. Insgesamt werden bis zu 470 Millionen Euro in den Standort investiert. Rund 160 Menschen sollen in der geplanten Einrichtung Arbeit finden. Der Konverter soll 2024 in Betrieb gehen.

Wann die geplanten 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid in Guben produziert werden, ist allerdings noch nicht ganz sicher. Die endgültige Investitionsentscheidung für die Produktion hänge „unter anderem von laufenden Diskussionen über bereits beantragte oder zu beantragende Fördermittel ab“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die geplanten 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid würden ausreichen, um rund 500.000 Elektroautos mit Lithium-Ionen-Batterien auszustatten.

Auch der Elektroautohersteller Tesla und der amerikanische Batteriehersteller Microvast haben sich in Brandenburg niedergelassen. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach sagte, mit Rock Tech Lithium werde das Land seine Position als Zukunftsstandort der Elektromobilität stärken. „Zukünftig wird die gesamte Wertschöpfungskette in Brandenburg zu Hause sein“, sagte er: „Von der Rohstoffverarbeitung über die Batterie- und Zellproduktion bis hin zum Bau von Elektroautos und Batterierecycling.“

Harbecke sagte auch, das Ziel seines Unternehmens sei es, als erstes Unternehmen weltweit einen geschlossenen Kreislauf für Lithium zu schaffen. Bis 2030 sollen rund 50 Prozent der Rohstoffe aus dem Recycling von Altbatterien stammen. Grundlage der Geschäftsstrategie von Harbecke ist die Batterieinitiative der EU, nach der es bis 2025 genügend Batteriefabriken geben soll, um Batteriezellen für mindestens 7 Millionen Elektroautos zu produzieren.

Harbecke, der mit seiner Familie rund 20 Prozent der Rock-Tech-Anteile kontrolliert, sagt: „Lithium ist der zentrale Rohstoff für die Elektromobilität.“ Deshalb muss es neben der Batteriezellproduktion auch einen europäischen Lithiummarkt geben. „Um in Batterien für Elektroautos eingesetzt zu werden, braucht man ein sehr reines Lithiumprodukt mit einer Konzentration von über 99 Prozent“, sagt Harbecke.

Deshalb seien Produktionsanlagen für Lithiumhydroxid wichtig, „wenn Europas Autoindustrie nicht wie bei Halbleitern von ausländischen Zulieferern abhängig werden will“. Die Chinesen haben das früh erkannt. Sie beziehen Lithiumerze auf der ganzen Welt. Der Rohstoff wird ausschließlich in der Volksrepublik verarbeitet.

Rock Tech betreibt bereits zwei Pilotanlagen – eine in Australien, die andere in Baden-Württemberg. Harbecke bezeichnete Guben als idealen Standort für das Werk. Er räumte jedoch ein, dass auch Finanzierungsmöglichkeiten bei der Entscheidung von Rock Tech „eine entscheidende Rolle“ gespielt hätten.

Durch das nahe Ende des Braunkohleabbaus befindet sich die Lausitz als Industrieregion im Umbruch. Brandenburgs Wirtschaftsminister Steinbach wertete die Entscheidung von Rock Tech für die Region daher als „wichtiges Zeichen für die Menschen in der Region“, dass der Strukturwandel erste Ergebnisse zeigt.

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