Dienstag, Oktober 19, 2021
StartWIRTSCHAFTDie Folge der Ernteausfälle: Nudeln werden bald deutlich teurer

Die Folge der Ernteausfälle: Nudeln werden bald deutlich teurer

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Auf Pasta-Liebhaber wartet ein harter Winter: Mehrere Pasta-Hersteller haben Preiserhöhungen von bis zu 30 Prozent angekündigt. Einer der Gründe dafür sind Missernten bei Hartweizen.

Die Boulevardmedien warnen bereits vor dem „Nudelpreisschock“: Spaghetti, Tagliatelle und Tortellini könnten schon bald deutlich teurer werden. Mehrere deutsche und ausländische Teigwarenhersteller planen starke Preiserhöhungen.

Der italienische Pastakonzern Buitoni, der zum Lebensmittelriesen Nestlé gehört, will die Pastapreise offenbar um rund 25 Prozent erhöhen. Das berichtet die „Lebensmittel-Zeitung“ unter Berufung auf Aussagen von Edeka-Chef Markus Mosa. Auf einer Branchenkonferenz kritisierte er die „ungerechtfertigten Forderungen“ nach Preiserhöhungen vieler Markenunternehmen, insbesondere der Teigwarenhersteller, mit denen sich Edeka konfrontiert sieht. Als Druckmittel drohen die Hersteller inzwischen sogar mit Lieferstopps.

Auch deutsche Teigwarenhersteller haben massive Preiserhöhungen angekündigt. Markus Tress, Inhaber des Pasta-Unternehmens Tress in Münsingen, sagte Ende September in der „Stuttgarter Zeitung“, er rechne mit Preisaufschlägen von 25 bis 30 Prozent. Beim Konkurrenten Birkel soll die Pasta gut 19 Prozent teurer sein. Auch der Trochtelfinger Teigwarenhersteller Albgold von der Schwäbischen Alb will an der Preisschraube drehen.

Als Grund nennen die Teigwarenhersteller die deutlich höheren Kosten für Hartweizen. Nach Angaben des Verbandes der Getreide-, Mühlen- und Stärkeindustrie (VGMS) hat sich der Hartweizenpreis fast verdreifacht. Dürre und Hitze in den USA und Kanada sowie Überschwemmungen in Frankreich und der nasse Sommer in Europa haben in wichtigen Anbaugebieten zu enormen Ernteausfällen geführt. Die Hartweizenernte des wichtigsten Exporteurs Kanada hat sich in diesem Jahr fast halbiert.

Auch der Getreidepreis ist stark gestiegen. Der FAO-Index für Getreide kletterte innerhalb eines Jahres von 104 auf 132,5 Punkte. Das ist ein Plus von über 27 Prozent. „Die dramatisch gestiegenen Rohstoffkosten belasten uns schon jetzt exorbitant“, warnte kürzlich der italienische Weltmarktführer Barilla. Bei der Herstellung von Teigwaren ist der Einkauf der Rohstoffe der wichtigste Punkt in der Kalkulation.

Noch ist unklar, wie stark die Preiserhöhungen der Teigwarenhersteller in den Supermarktregalen ankommen werden. Das hängt davon ab, inwieweit Edeka, Rewe, Lidl und Aldi die höheren Preise an die Kunden weitergeben. Auf der Lebensmittelmesse Anuga, die derzeit in Köln stattfindet, soll das Thema reichlich Stoff für Diskussionen bieten.

Einige Medien rufen bereits von einer „Weltnudelkrise“ aus. Der Hartweizenverband VGMS hält solche Begriffe für übertrieben. „Die Nudeln werden bestimmt nicht ausgehen“, versicherte Guido Jeremias, Vorstandsmitglied des Branchenverbandes und Leiter der Nudelfabrik Jeremias in Birkenfeld bei Pforzheim. Allerdings sei noch nicht absehbar, „ob in diesem Jahr wie in der Vergangenheit alle Regale mit Pasta gefüllt sein werden“.

Preisstreitigkeiten zwischen Markenherstellern und Supermarktketten können manchmal eskalieren. In der jüngeren Vergangenheit konnten sich der Teigwarenhersteller Riesa und die Kaufland-Gruppe nicht einigen. Plötzlich waren die Regale mit Riesa-Nudeln leer. Auch der Konflikt zwischen Nestlé und Edeka im Jahr 2018 führte zeitweise zu leeren Regalen. Edeka hat zahlreiche Nestlé-Produkte aus dem Sortiment genommen.

Nudeln erfreuen sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Der durchschnittliche Deutsche isst rund zehn Kilogramm Nudeln pro Jahr. Der Teigwarenkonsum hat sich in den letzten drei Jahrzehnten verdoppelt.

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