Mittwoch, Oktober 27, 2021
StartWIRTSCHAFTDiplomatischer Konflikt: Gas könnte in Spanien knapper werden

Diplomatischer Konflikt: Gas könnte in Spanien knapper werden

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ichn Spanien ist der starke Strompreisanstieg nicht aufzuhalten. Das liegt auch am Erdgaspreis, der auf der iberischen Halbinsel bald knapper werden könnte. Denn Algerien wird seine Lieferungen im Oktober reduzieren. Das trifft Spanien besonders hart, denn es bezieht derzeit rund 45 Prozent seines Erdgases aus dem nordafrikanischen Land. Algerien ist eigentlich ein zuverlässiger Lieferant. Doch jetzt machen sich die Auswirkungen der schweren diplomatischen Krise zwischen Algerien und seinem regionalen Rivalen Marokko in Südwesteuropa bemerkbar.

Ende August brach die Regierung in Algier die seit Jahren angespannten Beziehungen zum Nachbarland ab. Vor wenigen Tagen hat sie sogar den algerischen Luftraum für marokkanische Flugzeuge gesperrt. Algier wirft Marokko vor, Separatisten in Algerien zu unterstützen, Regierung auszuspionieren und „israelischer Brückenkopf“ im Maghreb zu sein; Hinzu kommt der eskalierte Konflikt in der Westsahara, in dem Algerien die Befreiungsfront Polisario unterstützt, die erneut gegen Marokko kämpft.

Ab Ende Oktober fließt kein algerisches Erdgas mehr durch die 1.400 Kilometer lange Maghreb-Europa-Pipeline. Sie führt von Algerien durch Marokko unter der Straße von Gibraltar nach Tarifa in Spanien und von dort teilweise nach Portugal. Algerien will Marokko nicht mehr von seinem Gas profitieren und verlängert den lukrativen Vertrag für die Pipeline nicht mehr: Bisher durfte Marokko 7 Prozent des transportierten Rohstoffs behalten, der fast die Hälfte seines Bedarfs deckte.

Algerienlieferungen für Spanien fließen künftig nur noch über die 750 Kilometer lange Medgaz-Pipeline von Beni Saf unter dem Mittelmeer in die spanische Hafenstadt Almería. Eigentümer sind das algerische Staatsunternehmen Sonatrach und der spanische Stromversorger Naturgy zusammen mit einem Investmentfonds.

Die Kapazität dieser Pipeline wurde gerade von 8.000 auf 10.000 Millionen Kubikmeter pro Jahr erweitert. Das macht jedoch nur einen Teil der 8.700 Millionen Kubikmeter wett, die bisher jedes Jahr über die zweite Linie über Marokko nach Spanien gelangten. Alternativ ist es möglich, einen Teil davon zu verflüssigen und per Tankwagen nach Spanien zu bringen. Aber das ist zeitaufwendig und teuer. Dies ist bisher nur bei 4 Prozent der spanischen Importe der Fall.

„In Spanien wird es keine Versorgungsprobleme geben, da wir über ausreichende Anlagen zur Verflüssigung von Erdgas verfügen. Aber angesichts der angespannten Lage auf dem Gasmarkt kann dies den Preisdruck erhöhen“, sagte der spanische Energieexperte Gonzalo Escribano der FAZ. Der Leiter des Programms für Energie- und Klimafragen am Madrider Institut Elcano rechnet nicht mit dramatischeren Schwankungen. Doch die jüngsten Entwicklungen „könnten die Gaspreise vor dem Hintergrund von Märkten, die bereits Rekordpreise erreicht haben, gelegentlich in die Höhe treiben“, erwartet der Experte der Madrider Denkfabrik. Das wird aber auch davon abhängen, wie die Politiker reagieren.

In Madrid herrscht keine Panik. Ende September reiste der spanische Außenminister José Manuel Albaren mit den Chefs von Naturgy und dem staatlich kontrollierten Betreiber der Gaspipeline Enagas nach Algier. Dort versprach die algerische Führung, alles zu tun, um ihre Lieferversprechen einzuhalten. Wie eng die Beziehung mittlerweile ist, zeigen die neuesten Zahlen: Bereits im Juli importierte Spanien mehr Erdgas aus Algerien als im gesamten Jahr 2020. Algerien ist Spaniens wichtigster Erdgaslieferant. Es folgen Nigeria, Russland, die USA und Katar.

Die Bezugsquellen variieren. Dies ist in Spanien gesetzlich vorgeschrieben. Um eine übermäßige Abhängigkeit zu vermeiden, dürfen aus keinem Land mehr als 50 Prozent importiert werden. Noch vor wenigen Jahren haben die USA und Katar Algerien überholt. Deshalb verfügt Spanien auch über eine Logistik, die es unabhängiger von den Pipelines macht. Verflüssigungsanlagen stehen in fünf großen Häfen zur Verfügung und es gibt auch die größte Tankerflotte der EU. Das Oxford Institute for Energy Studies warnt jedoch davor, dass Algerien seine Gasverflüssigung kurzfristig nicht deutlich steigern kann.

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