Dienstag, August 16, 2022
StartWIRTSCHAFTDürre in Italien: Der Lago Maggiore ist nur noch zu einem Viertel...

Dürre in Italien: Der Lago Maggiore ist nur noch zu einem Viertel gefüllt

- Anzeige -

Die Dürre in Norditalien wird von Tag zu Tag schlimmer und breitet sich nach Süden aus. Regionalpräsidenten und andere Beamte haben nun die Ausrufung eines nationalen Notstands gefordert. Finanzielle Hilfe könnte aus Rom fließen; eine zentrale Stelle würde die Verteilung des knappen Wassers an Haushalte, Landwirte, Stauseen und Energieversorger übernehmen.

 

„Nur eine Behörde mit einem Regierungsmandat hat die Macht, sich durchzusetzen und den provinziellen Egoismus zu beenden“, sagte Massimo Gargano, Generaldirektor des Anbi Water Board. In vielen norditalienischen Gebieten hat es seit mehr als drei Monaten nicht geregnet. Wegen des milden Winters gelangte kaum Schmelzwasser in die Täler und Ebenen. Italiens längster Fluss, der Po, ist auf dem niedrigsten Wasserstand seit mehr als 70 Jahren.

 

In Valenza, in der Provinz Alessandria nördlich von Genua, sind die Durchflussraten auf weniger als ein Viertel der Werte von vor zwei Jahren gesunken. Auch die großen norditalienischen Seen sind betroffen, allen voran der Lago Maggiore. Sein Füllungsgrad sank innerhalb eines Jahres von 95 Prozent auf unter 24 Prozent, den niedrigsten Stand seit 1946. Am Comer See sind es nur noch rund 35 Prozent des Höchststands.

 

Der Präsident der Region Piemont, Alberto Cirio, ordnete vor wenigen Tagen in 170 Städten und Gemeinden an, dass Wasser nur noch für lebenswichtige Zwecke wie Trinken und Essenszubereitung verwendet werden darf. In zehn Städten, die meisten davon in der Provinz Novara westlich von Mailand, muss wegen der Dürre nachts die Wasserversorgung komplett abgestellt werden. Stauseen sind versiegt, manche Gemeinden können nur noch mit Wasser aus Lastwagen versorgt werden.

 

„Wir haben eine sehr ernste Notlage für die Landwirtschaft“, sagte Regionalpräsident Cirio. Besonders betroffen ist die Reisernte in der Po-Region. Ein Problem ist, dass durch den niedrigen Wasserdruck im Po-Delta Salzwasser aus dem Meer stromaufwärts drängt und die Bewässerung der Reisfelder unmöglich macht. Auch der Anbau von Tomaten, Obst und Mais erleidet erhebliche Schäden. Landwirte berichten, dass das Futterangebot für die Kuhherden in der Poebene zurückgeht und die Milchproduktion dadurch bereits sinkt.

 

Nach Angaben des Landwirtschaftsverbandes CIA bedroht die Wasserknappheit rund die Hälfte der landwirtschaftlichen Produktion Norditaliens. Die Organisation Confagricoltura schätzt, dass der Schaden die Bauern mindestens 2 Milliarden Euro kosten wird. Sogar die Fisch- und Meeresfrüchtezucht ist gefährdet, da höhere Wassertemperaturen und weniger Regen den Salzgehalt erhöht haben, berichtet der Verband Fedagripesca-Confcooperative.

 

Auch die Dürre verlagert sich zunehmend nach Süden: Flüsse wie Arno, Aniene und Tiber führen deutlich weniger Wasser als sonst zu dieser Jahreszeit. Der Bürgermeister der Stadt Bracciano nördlich von Rom, Marco Crocicchi, sagt, er könne eine Wasserrationierung in diesem Sommer nicht ausschließen. Seit Jahresbeginn ist in der Hauptstadt nur gut ein Drittel der durchschnittlichen Regenmenge der vergangenen 16 Jahre gefallen.

 

Um die Herausforderungen schnell in den Griff zu bekommen, sei die Regierung in Rom nun zur Vermittlung aufgerufen, fordert der Wasserverband Anbi. „So wurde es während der beiden Dürrekrisen gemacht, die Italien in den letzten zwanzig Jahren erlebt hat, und es hat funktioniert“, erinnert sich Verbandschef Gargano. Solidarität muss engstirnigem Denken weichen.

 

In der Region Aostatal zum Beispiel sind die Menschen zurückhaltend, dem benachbarten Piemont zu helfen. Auch die Gemeinden am noch relativ vollen Gardasee wollen nicht auf Wasser verzichten, um den nach Süden fließenden Po über Nebenflüsse zu bewässern. „Das würde nichts bringen. Wir hätten neben dem kranken Po auch noch einen kranken Gardasee“, sagt ein Verantwortlicher der Gemeinde Garda. Sie sollen ihre Haushalte gut geführt haben und seit Jahren versuchen, die Situation mit Wasserreserven zu stabilisieren.

 

Die Experten sind sich einig, dass in Norditalien in der Vergangenheit zu wenig in Wasserreservoirs und intelligente Bewässerungssysteme investiert wurde – im Gegensatz zu Süditalien, das gelernt hat, besser mit Wasserknappheit umzugehen. Die Landwirtschaft wurde ausgebaut, nicht aber die entsprechenden Bewässerungssysteme. Die Wasser- und Landwirtschaftsverbände haben kürzlich einen Plan zum Bau kleiner Reservoirs zum Speichern von Regenwasser vorgelegt. Die geschätzten Kosten von 4 Milliarden Euro sollen durch den National Recovery Plan finanziert werden, der hauptsächlich aus europäischen Geldern finanziert wird.

 

Doch der Antrag wurde abgelehnt. Mehrere italienische Beamte fordern nun erneut die Freigabe von Geldern aus dem europäischen Wiederaufbauplan. Die Regierung plant, diese Woche eine Dringlichkeitssitzung abzuhalten, um über Maßnahmen zur Bekämpfung der Dürre zu entscheiden. Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli hat die Ausrufung des Ausnahmezustands als „unausweichlich“ bezeichnet.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare