Sonntag, Januar 23, 2022
StartWIRTSCHAFTEinzelhandel: Wenn der Kassierer kontrollieren muss

Einzelhandel: Wenn der Kassierer kontrollieren muss

- Anzeige -


SKinder im Laden weisen den Verbraucher deutlich an: „Geimpft oder genesen. Bei Nichteinhaltung ist kein Kauf möglich.“ Was in Deutschland längst Realität ist, ist nun auch in Österreich Pflicht. Seit Dienstag müssen österreichische Einzelhändler die Einhaltung der sogenannten 2-G-Regel in den Filialen überwachen.

Einzelhändler sind daher verpflichtet, von Kunden einen Impf- oder Genesungsnachweis zu verlangen. Während in Deutschland meist eine Kontrolle vor der Ladentür steht, kann in Österreich eine Kontrolle nur beim Bezahlen an der Kasse erfolgen. Zudem müssen Bürgerinnen und Bürger in Österreich nun auch im Freien eine FFP2-Maske tragen, wenn sie den Abstand von mindestens zwei Metern nicht einhalten können.

Dass nur Geimpfte oder Genesene in Geschäften einkaufen dürfen, gilt seit der vierten Corona-Welle. Neu ist jedoch die Überwachungspflicht. Wer nicht geimpft ist, kann weiterhin Produkte des täglichen Bedarfs in Supermärkten oder Drogerieketten kaufen.

Doch nicht alle Händler können sich laut Branchenangaben zusätzliches Personal für die Kontrollen leisten. Vor allem kleine Shops machen sich Sorgen um die Kosten. In vielen Einkaufszentren gibt es bereits eine gemeinsame Lösung. Kunden können im Eingangsbereich auf 2 G kontrolliert werden und erhalten einen Stempel mit Datum.

Damit wissen alle Händler im Center, dass dieser Kunde bereits auf 2G geprüft wurde. Auch in Deutschland versuchen einzelne Einzelhändler in Städten eine gemeinsame Lösung zu finden; in Frankfurt verteilen Händler beispielsweise nach der ersten Kontrolle sogenannte 2-G-Bänder an ihre Kunden. Damit kann der Konsument dann einfach in den umliegenden Geschäften einkaufen, ohne den Impf- oder Gesundheitsausweis erneut vorzeigen zu müssen.

Eine flächendeckende Lösung gibt es in Deutschland allerdings noch nicht: Während Frankfurt diese Lösung im Dezember eingeführt hat, ist sie in Bundesländern wie Sachsen derzeit noch verboten. „Das explizite Verbot einer so einfachen und wirtschaftsfreundlichen Regelung, wie sie der Freistaat in der vergangenen Woche erlassen hat, kann ich nicht nachvollziehen“, sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Dienstag.

Die Kritik an der 2-G-Verordnung ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich groß: Der Handel fühlt sich nicht dafür verantwortlich, gefälschte Impfausweise oder Genesungsbescheide aufzudecken. „Wir werden unser Bestes geben, aber wir sind nicht die Polizei“, sagte der österreichische Handelssprecher Rainer Trefelik. Händler, die den 2-G-Nachweis nicht prüfen, riskieren Bußgelder von bis zu 3600 Euro. Der Gewerbeverband in Deutschland beklagt derweil die geringe Frequenz in der Innenstadt – und sieht dies vor allem als Folge der Einschränkungen. „2G schreckt viele Kunden vom Einkaufen ab, die Folgen im Einzelhandel und in ganzen Innenstädten sind fatal“, sagte HDE-Geschäftsführer Stefan Genth vergangene Woche.

Doch nicht überall ist der Tenor so negativ: Im Bundesland Salzburg müssen Verbraucher seit Anfang des Monats den 2-G-Nachweis im Handel vorzeigen. Mitarbeiter sind verpflichtet, Kunden zu überwachen. Und das scheint problemlos zu funktionieren – abgesehen von ein paar widerspenstigen Kunden, wie eine Umfrage der Austria Presse Agentur am Dienstag ergab.

Der Tenor der Geschäftsleute: Sie unterstützen die Maßnahmen des Landes und jetzt der Bundesregierung. Bis auf wenige Ausnahmen wird dies auch von den Kunden akzeptiert. Gut eine halbe Million Menschen sind im österreichischen Einzelhandel beschäftigt. Sie ist der zweitgrößte Arbeitgeber in der marktorientierten Wirtschaft.

Die Verschärfung der Stufen geht mit dem starken Infektionsgeschehen durch Omikron einher. Nach wie vor sind nur gut zwei Drittel der Bevölkerung geimpft, also mindestens zweimal geimpft. Die Ausbreitung kann nur eingedämmt werden, wenn mehr als vier Fünftel der Bevölkerung geimpft sind. Deshalb hat die Regierungskoalition aus ÖVP und Grünen Anfang Februar als erstes Land in Europa eine Impfpflicht eingeführt.

Mit über 108.000 Stellungnahmen gab es zu diesem Gesetz so viele Kommentare wie nie zuvor. Die Mehrheit kam von Privatpersonen, die oft in identischen Texten ihren Protest gegen das Projekt zum Ausdruck brachten. Die Wirtschaftskammer als Hauptinteressenvertretung der Unternehmen spricht sich für eine Verschiebung der Impfpflicht aus.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare