Donnerstag, August 11, 2022
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Energiekrise: Stimulierung der Gaseinsparung

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ichIn den kommenden Monaten wird es wichtig sein, Gas zu sparen. Es ist klar, dass hohe Gaspreise den stärksten Anreiz bieten, Gas zu sparen. Viele Unternehmen und Haushalte sind jedoch vor steigenden Preisen geschützt, sodass die massiven Energiepreissteigerungen an den Großhandelsmärkten nur verzögert bei den Verbrauchern ankommen. Zudem sind extreme Preisanpassungen politisch schwer durchsetzbar. Was kann also getan werden, um Gaseinsparungen zu unterstützen?

Hier lohnt sich ein Blick auf verhaltensökonomisch motivierte Maßnahmen. Sie können die Wirkung von Preisanreizen erhöhen, indem Sie die Empfänger bei der Umsetzung von Energiesparprojekten unterstützen. Untersuchungen zeigen, dass dies zu Einsparungen von etwa 2 bis 10 Prozent führen kann, in einigen Fällen sogar bis zu 35 Prozent. Diese „weicheren“, nicht preisbasierten Maßnahmen haben verschiedene Vorteile: Sie führen zu keinen direkten finanziellen Belastungen, fordern oder verbieten nichts, sondern wahren den Handlungsspielraum. Sie sind zudem risikoarm, da sie im Rahmen kurzfristiger Pilotversuche erprobt werden können. Maßnahmen, die in den Tests funktionieren und akzeptiert werden, können dann flächendeckend angewendet werden. Was nur bei bestimmten Bevölkerungsgruppen funktioniert oder akzeptiert wird, bleibt auf diese Gruppen beschränkt.

Die kürzlich gestartete Kampagne des Bundeswirtschaftsministeriums zur Motivation der Gesellschaft zum Energiesparen ist daher ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt kommt es auf eine möglichst effektive Umsetzung an: Informationskampagnen sind dann besonders effektiv, wenn sie auf die Adressaten zugeschnitten sind und sinnvolle, klar verständliche und umsetzbare Empfehlungen geben. Direktansprachen über Briefe oder digitale Kommunikationswege können genutzt werden, um über zu erwartende Preissteigerungen oder konkrete Spartipps zu informieren. Dabei sollen nicht nur öffentliche Institutionen aktiv werden, sondern ein breites Bündnis verschiedener Akteure wie Verbraucherzentralen, Energieversorger oder Wohnungsunternehmen.

Im Zusammenhang mit den Aufklärungskampagnen sollten weitere verhaltensökonomische Mechanismen genutzt werden, wie z. B. Sozialvergleiche oder Selbstverpflichtungen oder Zielsetzungen. Durch den Vergleich des Energieverbrauchs anderer Haushalte erhalten Verbraucher Informationen über das eigene Verhalten („Mit wie viel Gas kommt ein ähnlicher Haushalt aus?“), eine gesellschaftliche Norm wird angesprochen und der Konkurrenzgedanke geweckt.

Selbstverpflichtungen und Ziele („Ich werde in den nächsten Monaten 20 Prozent Sprit sparen“) schaffen einen Orientierungspunkt und können aufgrund ihrer höheren Verbindlichkeit helfen, langfristige Ziele zu erreichen. Sie können auch an ein kurzfristiges Anreizsystem gekoppelt werden, etwa an Sparprämien für Haushalte und Unternehmen („Wer dieses Ziel erreicht, bekommt eine Prämie“). Regionen, die regelmäßig zusammenarbeiten müssen, um Engpässe wie vorübergehende Strom- oder Wasserknappheit zu vermeiden, haben es meist geschafft, einen gesellschaftlichen Konsens herzustellen, ein gemeinsames Ziel: Wir müssen in den kommenden Jahren Gas sparen.

Besonders vielversprechend ist die Rückmeldung des aktuellen Gasverbrauchs, idealerweise gerätespezifisch und in Echtzeit. Studien zu Technologien, die den Energieverbrauch beim Duschen sichtbar machen, zeigen Einsparungen von 15 bis 35 Prozent. Der Effekt zeigt sich sogar in Hotels, in denen Kunden keinen finanziellen Anreiz zum Energiesparen haben. Auch gerätespezifisches Echtzeit-Feedback hilft, Strom zu sparen. So kann der Stromverbrauch von Trockner, Waschmaschine oder Klimaanlage sichtbar gemacht und die Wirkung von Verhaltensanpassungen erlebbar gemacht werden. Feedback wird kurzfristig schwer flächendeckend umsetzbar sein.

Es könnte aber helfen, den Gasverbrauch regelmäßig selbst abzulesen und eine automatisierte Bewertung des bisherigen Verbrauchsverhaltens anzubieten. Insgesamt gilt die Devise, den Erfolg von Verhaltensanpassungen möglichst spürbar zu machen. Dies gilt nicht zuletzt für eine Reduzierung der Raumheizung in der kalten Jahreszeit, die den größten Anteil am Energieverbrauch der Haushalte ausmacht.

Wirken Informationskampagnen und verhaltensökonomische Maßnahmen immer? Überhaupt nicht, wie unsere eigenen Studien gezeigt haben. Sie sind kein Ersatz für starke Marktanreize, aber eine sinnvolle Ergänzung, insbesondere wenn sie gezielt eingesetzt werden. Haushalte und kleine und mittelständische Betriebe wie Bäckereien, Hotels, Bauernhöfe haben ihrem Energieverbrauch oft wenig Beachtung geschenkt. Sanfte Maßnahmen können Sie kurzfristig beim Energiesparen unterstützen. Letztlich geht es bei der größten Energiekrise der letzten Jahrzehnte um jedes Prozent Gas, das wir weniger verbrauchen.

Mark A. Andor ist Leiter der Forschungsgruppe „Prosoziales Verhalten“ RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Andreas Loechel ist Professor für Umwelt-/Ressourcenökonomie und Nachhaltigkeit an der Ruhr-Universität Bochum und am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Abgel T
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Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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