Sonntag, Oktober 2, 2022
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Ernte an der Bergstraße: Dicke Schalen und wenig Saft

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SSeit Anfang der Woche herrscht in einigen Weingärten an der Bergstraße reges Treiben, denn die Weinlese hat begonnen. So früh wie selten zuvor und diese Woche nicht zur Weinherstellung, sondern zur Sektherstellung. Außerdem sollten die Trauben nicht so viel Zucker haben, sagt Thomas Schmitt, Kellermeister der Winzergenossenschaft Bergstraße, wo neben klassischen Weinen auch vermehrt Schaumweine nachgefragt werden.

Neben der Weinlese für Sekt würden in dieser Woche auch Trauben für die Herstellung von Federweißer geerntet, am Montag würde die eigentliche Ernte beginnen. Dann ist die bei Weinliebhabern beliebte Sorte Müller-Thurgau an der Reihe.

Während Landwirte über den heißen und extrem trockenen Sommer klagen und erhebliche Ernteausfälle befürchten, ist die Stimmung unter den Winzern anders. Langjährig bestehende Weinberge kommen mit dem wechselnden Klima gut zurecht, nicht zuletzt wegen der sehr tief wurzelnden Reben, wie der Kellermeister betont. Probleme bereiteten die in den vergangenen drei bis vier Jahren neu angelegten Weinberge. „Da haben wir manchmal einen Totalausfall“, sagt Thomas Schmitt. „Das beunruhigt uns sehr.“

Wo sich die Trauben gut entwickelt haben, erwartet der Kellermeister von den Rotweinen „eine sehr hohe Qualität“, während die Qualität der Weißweine je nach Zustand der Weinberge variiert. Teilweise sind die Mostgewichte durch die ständige Sonneneinstrahlung sehr hoch, die Weine jedoch nicht sehr lange haltbar.

Aufgrund der Rebsortenvielfalt im kleinsten deutschen Anbaugebiet ist in diesem Jahr mit einem unterdurchschnittlichen Ertrag zu rechnen, da die Trauben eine dicke Schale und wenig Saft haben, weil es nicht geregnet hat.

Einige Winzer sind in den letzten Jahren bereits auf Rebsorten aus südlichen Ländern umgestiegen, manchmal sogar auf Sorten, die sonst nur in Australien angebaut werden. Diese Sorten hätten wenig Probleme mit Hitze und Trockenheit. Sie haben sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt, denn die Bergstraße gehört zu den wärmsten Gegenden Deutschlands.

Vor einigen Jahren kamen angesichts des sich abzeichnenden Trockensommers einige Bergsträßer Winzer auf die Idee, oberhalb der Weinberge Regenrückhaltebecken zu errichten, dort bei Regen das Regenwasser zu sammeln und dieses Wasser dann zur Bewässerung der Weinberge zu nutzen gezielt im trockenen Zustand. Diese Idee wird laut Thomas Schmitt derzeit nicht konkret weiterverfolgt, „denn wenn es nicht regnet, sammelt sich dort auch kein Wasser“.

Der Kellermeister schließt nicht aus, dass auch in Zeiten steigender Jahresdurchschnittstemperaturen in den kommenden Jahren noch Eiswein geerntet werden kann. Sie haben Weinberge in einigen „kalten Löchern“ entlang der Bergstraße. Die Trauben müssen bei mindestens sieben Grad unter Null geerntet und sofort verarbeitet werden. Im vergangenen Jahr gab es jedoch nur ein eintägiges Fenster. Die Eisweinernte musste schnell gehen.

Und was ist mit den Kosten? Auch die Winzer müssten erhebliche Kostensteigerungen tragen, sagt Schmitt. Hefe und andere Stoffe, der Treibstoff für die Fahrzeuge und vieles mehr sind exorbitant teuer geworden. Daher müssten die Winzer wohl zumindest einen Teil dieser Kostensteigerungen an die Kunden weitergeben.

Der Jahrgang 2022 wird daher etwas teurer sein als die Weine der Vorjahre.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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