Sonntag, Oktober 2, 2022
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Fachkräftemangel: Längere Arbeitszeiten sind im schlimmsten Fall kontraproduktiv

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EINAuf den Fachkräftemangel in der Wirtschaft mit Arbeitszeitverlängerungen zu reagieren, ist einer Analyse zufolge nicht hilfreich und im schlimmsten Fall kontraproduktiv. Lange Arbeitszeiten erhöhen nicht nur die Fehleranfälligkeit, auch „Erschöpfung und Unfälle nehmen zu“, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Vielmehr geht es darum, flexible Arbeitsmodelle anzubieten und die betriebliche Gesundheitsprävention zu stärken. Inzwischen waren viele Arbeitsplätze von verdichteten Arbeitsabläufen und hoher körperlicher und psychischer Belastung geprägt. Eine Verlängerung der Wochen- oder Lebensarbeitszeit hätte möglicherweise eine geringere Produktivität und Leistungsfähigkeit zur Folge, schließlich drohten auch komplette Ausfälle, „aufgrund von Verschleiß oder Vereinbarkeitsproblemen“, warnten die Forscher Eike Windscheid und Yvonne Lott. „Das senkt die Sozialversicherungsbeiträge.“ Zudem würden auch die verbleibenden Mitarbeiter, denen Überstunden drohen, geschwächt.

Eine weitere Folge könnte sein, dass sich Arbeitnehmer angesichts des Stresses definitiv auf Teilzeitmodelle zurückziehen, was dann den Fachkräftemangel verschärfen würde. Jugendliche und junge Eltern könnten mangels flexibler Arbeitsmöglichkeiten ihre Familienpläne über Bord werfen oder sich mangels Vereinbarkeit aus dem Berufsleben zurückziehen. Gefragt sind stattdessen flexible Arbeitszeitmodelle mit flexiblen Arbeitszeiten und einem hohen Maß an Mitbestimmung. Das eigne sich nicht nur für Familien, sondern auch für ältere Menschen, schreiben die Forscher. Zudem muss das vorhandene Fachkräftepotenzial besser genutzt werden – so müssen beispielsweise die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessert werden, damit die Ausgeschiedenen zurückkehren können.

Wichtig ist auch der Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter durch Stresserkennung und -bewältigung. Arbeitsplätze müssten altersgerecht gestaltet werden, um ein „Altern im Unternehmen“ zu ermöglichen. Erst am Montag hatte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit erklärt, der Bedarf an Arbeitskräften sei und bleibe enorm. Der Index Der zur Messung des Arbeitskräftemangels verwendete Index erreichte im August einen neuen Höchststand, wodurch es zunehmend schwieriger wird, geeignete Arbeitskräfte zu finden, was wiederum das Beschäftigungswachstum bremst.

Aufgrund des hohen Fachkräftemangels laden mehrere Ministerien zum Fachkräftegipfel nach Berlin ein. Das Treffen der „Schlüsselakteure aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik“ ist nach Angaben des Arbeitsministeriums für den 7. September geplant und findet auf Einladung der Ministerien für Wirtschaft, Bildung und Arbeit statt.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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