Sonntag, November 28, 2021
StartWIRTSCHAFTFAZ-exklusiv: Brüssel will Altbauten sanieren müssen

FAZ-exklusiv: Brüssel will Altbauten sanieren müssen

- Anzeige -


ichIm Altbestand deutscher Wohngebäude wird noch viel Energie verschwendet. Rund ein Drittel der Häuser fällt in die beiden schlechtesten Effizienzklassen G und H. In anderen EU-Mitgliedstaaten ist die Situation oft noch schlimmer.

Das ist ein Problem für die Europäische Union. Denn mit einem so hohen Anteil schlecht gedämmter Gebäude mit veralteten Heizungsanlagen kann es seine ambitionierten Klimaziele nicht erreichen – zumal die meisten der heute als Wohngebäude genutzten Gebäude auch 2050 noch stehen werden, wenn die EU klimaneutral werden will. Die Kommission hat deshalb im vergangenen Jahr eine Renovierungswelle angekündigt. Bis 2030 sollen 35 Millionen Gebäude in der EU komplett saniert werden.

Jetzt verstärkt die Kommission. Mitte Dezember will sie konkrete Vorschläge machen, wie die EU dies erreichen kann. Die Behörde setzt vor allem auf verbindliche Mindeststandards für die Energiebilanz. Bis Anfang 2027 sollen Altbauten bei Besitzerwechsel oder Wiedervermietung mindestens die Effizienzklasse E erreichen. Dies gilt nicht nur für Wohngebäude, sondern auch für Hotels und Bürogebäude. Bis 2030 sollen die Anforderungen auf Klasse D und 2033 auf C steigen.

Dies geht aus einem Entwurf zur Überarbeitung der EU-Energieeffizienzvorschriften für Gebäude hervor, den die Europäische Kommission Mitte Dezember offiziell vorlegen will. Die FAZ hat den Entwurf erhalten.

Die Daten- und Effizienzklassen stehen noch in eckigen Klammern. Sie können also bis zur Einreichung des Vorschlags noch Änderungen vornehmen. Die Kommission sagt, dass es in beide Richtungen gehen kann. Die richtige „Kalibrierung“ zu finden, um die notwendigen CO2-Einsparungen zu erzielen, ist äußerst schwierig. Umso wichtiger ist die umstrittene Ausweitung des EU-Emissionshandelssystems auf Gebäude.

Erreicht ein Gebäude beim Verkauf nicht die geforderte Energieeffizienzklasse, hat der Käufer dafür drei Jahre Zeit. Die Kommission will den Mitgliedstaaten etwas mehr Zeit für die Renovierung von Mehrfamilienhäusern einräumen. Sie müssen 2030 erst die Klasse E erreichen – aber nicht nur bei Verkäufen oder Neuvermietungen – und dann 2035 die Klasse D und 2040 die Klasse C.

Unabhängig davon sollen die Mitgliedsstaaten bis 2035 Mindeststandards für ihren gesamten Gebäudebestand vorschreiben. Welche Standards das sein sollen, gibt der Richtlinienvorschlag nicht vor. Allerdings will die Kommission die Länder dazu verpflichten, die Einstufung von Gebäuden in die verschiedenen Effizienzklassen zu überarbeiten und damit die Anforderungen zu verschärfen.

Im Gegensatz zu den Effizienzklassen für Waschmaschinen und Kühlschränke sind sie in der EU noch nicht genormt. Die oberste Gebäudeklasse A sollte für Null-Emissions-Häuser („Plusenergiehäuser“) reserviert und die anderen Klassen so abgestuft werden, dass maximal 20 Prozent der Gebäude in eine Kategorie fallen.

Der zuständige EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans dürfte seine Vorschläge nicht zuletzt auf sein Heimatland Niederlande gestützt haben, wo es ähnliche Regeln gibt. Ähnliche Konzepte gibt es auch in Frankreich, Großbritannien und den USA.

Henning Ellermann von der Deutschen Energieeffizienz-Initiative (Deneff) kommentierte den Vorschlag: „Wir freuen uns, dass die Kommission jetzt gezielt die energetisch schlechtesten Gebäude mit den höchsten Heizkosten angehen will. „

Auch in Deutschland würden die Klimaziele im Gebäudebereich nur so erreicht. Mit Hilfe von Mindestenergiestandards könnten bis 2030 im Gebäudesektor 11 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Damit werden zwei Drittel der bestehenden Lücke zur Erreichung der deutschen CO2-Ziele in diesem Sektor geschlossen.

Wie die Eigentümer die Energieeffizienz ihrer Gebäude steigern, soll dem Vorschlag zufolge ihnen überlassen bleiben. So können Sie in kleinen Schritten oder mit einer gründlichen Renovierung die Effizienz steigern. Wichtig sei, dass die EU ihnen langfristige Planungssicherheit gebe, heißt es in Brüssel. Im Gesetzgebungsverfahren muss der Vorschlag vom Ministerrat, dem Ländergremium und dem EU-Parlament genehmigt werden, damit er in Kraft treten kann. SPD, Grüne und FDP haben sich in ihrem Koalitionsvertrag verpflichtet, die Vorschläge im Bausektor bei den Verhandlungen zum Klimapaket „Fit für 55“ zu unterstützen.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare