Samstag, Juni 25, 2022
StartWIRTSCHAFTFlugausfälle und Verspätungen: Warnstreik bei Easyjet in Berlin

Flugausfälle und Verspätungen: Warnstreik bei Easyjet in Berlin

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RReisende am Berliner Flughafen BER müssen sich am Freitagmorgen wegen eines Warnstreiks bei Easyjet auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat rund 450 Kabinenbeschäftigte des Unternehmens aufgefordert, die Arbeit am Standort Schönefeld zwischen 5 und 10 Uhr einzustellen, teilte die Gewerkschaft am Donnerstag mit. Grund dafür ist die laufende Gehaltsrunde für das Kabinenpersonal.

„Die Arbeitgeber haben uns kein neues Angebot zur Gehaltserhöhung vorgelegt und damit selbst den Warnstreik provoziert“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler am Donnerstag. Die Gewerkschaft fordert eine Entschädigung für die aktuellen Preiserhöhungen, aber mindestens fünf Prozent mehr Gehalt und eine Einmalzahlung in Höhe eines Monatsgehalts inklusive Schicht- und sogenannter Branchenzulage. Der Tarifvertrag soll bis zum 31.12.2022 laufen. „Die exorbitant gestiegenen Preise und die große Mehrbelastung an Bord durch die chaotische Wiederanlaufphase der gesamten Branche zeigen, dass unsere Forderungen mehr als berechtigt sind“, betonte Rößler.

Easyjet hat kürzlich angekündigt, seine in Berlin ansässige Flotte ab Oktober von 18 auf elf Flugzeuge zu reduzieren. Als Gründe nannte die Fluggesellschaft eine unerwartet schwächere Erholung der Nachfrage und steigende Flughafengebühren. Easyjet will sich auf profitable Strecken konzentrieren. Rund 275 Cockpit- und Kabinenmitarbeiter müssen möglicherweise gehen. Easyjet war seit der Insolvenz von Air Berlin im Jahr 2017 die größte Fluggesellschaft der Hauptstadt, hatte ihre Flotte nach Ausbruch der Corona-Krise im Jahr 2020 aber von 34 auf 18 Flugzeuge fast halbiert.

Auch Flugreisende in Skandinavien könnten mitten in der Ferienzeit Probleme bekommen. Hunderte Piloten der SAS-Airline haben einen Streik ab Ende Juni angekündigt. Nach gescheiterten Verhandlungen zwischen den Pilotenverbänden und dem Unternehmen seien der Konzern und die Behörden über die Pläne informiert worden, teilte der schwedische Pilotenverband SPF am Donnerstag mit. In den seit November 2021 laufenden Verhandlungen wurde keine Einigung erzielt und sind daher gezwungen, ab dem 29. Juni in Schweden, Norwegen und Dänemark zu streiken.

Die finanziell angeschlagene SAS kritisierte die Streikwarnung. Kommunikationschefin Karin Nyman sagte der schwedischen Nachrichtenagentur TT, es zeige ein erschreckendes Unverständnis für die Situation, in der sich die Airline befinde. Man kämpfe jeden Tag. Es braucht Veränderungen, zu denen alle beitragen müssen. Die gestellten Forderungen sind unmöglich.

Der Pilotenverband warf der SAS-Führung unter anderem vor, die Pandemie in den vergangenen zwei Jahren genutzt zu haben, um fast die Hälfte der Piloten mit einem vereinbarten Recht auf Wiedereinstellung zu entlassen, dieses Recht aber außer Kraft gesetzt zu haben. Auch die Tarifverträge liefen am 31. März aus, ohne dass eine neue Vereinbarung getroffen wurde. Nachdem ein Vorschlag mit erheblichen Einsparungen von der SAS-Führung abgelehnt worden war, sah sie keinen anderen Ausweg als den Streik und die Suche nach einer Lösung durch ein Schiedsverfahren.

Laut der Zeitung „Dagens Nyheter“ könnten rund 900 Piloten in Skandinavien streiken, wenn die SAS-Führung ihnen nicht entgegentritt. Täglich könnten rund 250 Flüge und 45.000 Reisende betroffen sein.

Gut sieben Tage dauerte der letzte SAS-Pilotenstreik im Jahr 2019. Fast 4000 Flüge in Dänemark, Schweden und Norwegen wurden damals gestrichen. Insgesamt waren 360.000 Reisende betroffen. Die in finanzielle Schieflage geratene Airline kostete damals jeden Tag Millionen.

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