Freitag, Januar 21, 2022
StartWIRTSCHAFTFür Elektromobilität: weißes Gold aus Deutschland

Für Elektromobilität: weißes Gold aus Deutschland

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mFür die Batterien eines Elektroautos benötigen die Hersteller mindestens zehn Kilogramm Lithium. Die öffentlichen Informationen variieren jedoch stark je nach Typ und Größe der Batterie. Der Trend ist jedoch unumstritten: Die Nachfrage nach Lithium wird durch den zu erwartenden Boom bei elektrisch betriebenen Autos enorm steigen. Lithium ist weltweit nicht knapp, wird aber entweder aus Salzseen in Bolivien und Chile mit sehr hohem Wasserbedarf abgebaut. Oder die Substanz, die Investoren bereits als „weißes Gold“ bezeichnet haben, stammt, wie heute noch üblich, größtenteils aus China. Je weiter die Elektromobilität voranschreitet, desto stärker wird die europäische Automobilindustrie von China abhängig.

Abhilfe verspricht das noch junge deutsch-australische Unternehmen Vulcan Energy. Im Oberrheingraben will Vulcan mittels geothermischer Bohrungen Thermalwasser aus tieferen Erdschichten nach oben holen und das darin gebundene Lithium herausfiltern. Das Lithiumangebot ist unbestritten groß, ebenso die Pläne von Vulcan. Tatsächlich hat der Karlsruher Mitgründer des Deutschen Horst Kreuter jedoch nur ein altes Geothermie-Kraftwerk im pfälzischen Insheim für gut 31 Millionen Euro von den dortigen Pfalzwerken gekauft, das nun für die Lithium-Produktion umgerüstet werden muss. Darüber hinaus hat sich das Unternehmen Anfang Januar fünf neue Konzessionen im Oberrheingraben gesichert. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass neue Geothermiebohrungen vor Ort häufig auf Widerstand stoßen.

Illuster hingegen liest bereits die Liste potenzieller Käufer: Volkswagen, der Opel-Mutterkonzern Stellantis, Renault, der belgische Recyclingkonzern Umicore und der Batteriehersteller LG Chem haben bereits langfristige Lieferverträge abgeschlossen. Vulcan verspricht seinen Kunden, nicht nur die Rohstoffversorgung aus Europa sicherzustellen, sondern auch deutlich weniger Wasser zu verbrauchen als bei der konventionellen Produktion. Zudem liefern die Kraftwerke weiterhin CO2-freie Energie.

Für die gesamte Entwicklung der Produktionskette hat das Unternehmen 1,8 Milliarden Euro budgetiert. Die Muttergesellschaft Vulcan Energy Resources ist in Australien notiert – angeblich, weil die Notierung dort schneller und einfacher war – und hat auf diese Weise bereits Kapital aufgenommen. Im Dezember beendete der Verwaltungsrat die Vorwürfe eines Fonds, Vulcan habe Anleger irregeführt.

Nun, offenbar kurz vor dem geplanten zweiten Börsengang in Frankfurt, meldet Vulcan einen weiteren großen Schritt beim Aufbau seines Geschäfts. Gemeinsam mit dem Chemiekonzern Nobian – einem Spin-off von AkzoNobel – will Vulcan im Frankfurter Chemiepark Höchst eine erste Anlage bauen, um Lithiumchlorid in das für die Batterieproduktion benötigte hochreine Lithiumhydroxid umzuwandeln. Die Technik sei erprobt worden, sagte eine Sprecherin. Allerdings muss noch geprüft werden, ob die bei dieser „Lithiumelektrolyse“ entstehenden Nebenprodukte Chlorgas und Wasserstoff wie geplant auch vor Ort von Nobian weiterverarbeitet werden können. Laut Vulcan hat es sich bereits ein Grundstück gesichert, aber zunächst wird die Machbarkeit des Projekts geprüft. In einem zweiten Schritt soll eine Demonstrationsanlage gebaut werden. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieser Testphase wird die eigentliche Anlage gebaut. Details zur Finanzierung machten beide Unternehmen nicht.

Nobian-Geschäftsführer Jürgen Baune sei sehr glücklich über die Zusammenarbeit, wird zitiert. Damit könne sich Nobian „als wichtiger Akteur bei der Rohstoffversorgung der Batterieindustrie etablieren“. Wenn die Pläne aufgehen, wird Vulcan 2024 das erste „Zero-Caron-Lithium“ ausliefern. Nach früheren Angaben sollen dann in zwei Werken insgesamt 15.000 Tonnen pro Jahr produziert werden. In einem weiteren Schritt sollen drei Werke hinzukommen und die Kapazität auf 40.000 Tonnen erhöht werden. Damit könnten nach Unternehmensangaben jährlich Batterien für mindestens eine Million Elektroautos produziert werden.

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