Samstag, Mai 21, 2022
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G7-Landwirtschaftsminister: Özdemir kritisiert Indiens Exportstopp für Weizen scharf

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EINLandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat das indische Weizenexportverbot scharf kritisiert. „Wir alle, insbesondere die großen Exportnationen, tragen auch Verantwortung für den Rest der Welt“, sagte er in Stuttgart nach Abschluss des Treffens mit seinen Amtskollegen aus der G7-Gruppe der Industrieländer. „Ich sehe das sehr kritisch“, sagte er mit Blick auf die Entscheidung Neu-Delhis.

Nach dem Willen der Ressortchefs sollen nun die G7-Staats- und Regierungschefs über das Thema beraten, wie Özdemir berichtete. Beim Gipfeltreffen Ende Juni auf Schloss Elmau in Bayern ist Indien zu Gast. Deutschland führt derzeit die Staatengruppe an.

Laut Gastgeber Özdemir sind die G7 grundsätzlich gegen Exportverbote. „Wir fordern, dass die Märkte offen gehalten werden.“ Die G7 wollen laut Özdemir die Preise für Produktion und Lebensmittel, etwa Düngemittel, stärker als bisher überwachen. Dazu soll das landwirtschaftliche Informationssystem der G20-Gruppe der Industrie- und Schwellenländer gestärkt werden.

Indien hatte zuvor ein sofortiges Verbot von Weizenexporten verhängt, was die Besorgnis über eine drohende Hungersnot in der Welt aufgrund des Krieges in der Ukraine schürte. Die Regierung des zweitgrößten Weizenproduzenten der Welt teilte am Samstag mit, mit dem Exportstopp solle der Preisanstieg im eigenen Land eingedämmt werden.

Eigentlich wollte Indien in diesem Jahr eine Rekordmenge von rund zehn Millionen Tonnen Weizen auf dem Weltmarkt verkaufen. Eine ungewöhnlich frühe Hitzewelle mit Temperaturen von deutlich über 40 Grad in Indien hatte zuletzt die Sorge vor einem Ernteausfall geschürt.

Das Exportverbot dürfte nun die Preise auf dem Weltmarkt in die Höhe treiben, da dort aufgrund des Ukraine-Krieges und der daraus resultierenden fehlenden Lieferungen aus der Schwarzmeerregion Millionen Tonnen Weizen fehlen. Dies würde ärmere Länder in Asien und Afrika besonders hart treffen. Indien teilte am Samstag mit, dass bestehende Lieferverträge erfüllt und auch Länder beliefert würden, die sich sonst um die „Ernährungssicherheit“ kümmern müssten. Der Export weiterer Mengen wird jedoch gestoppt.

Fast 25 Millionen Tonnen bereits geerntetes Getreide können nach Angaben der Vereinten Nationen wegen des Krieges in der Ukraine nicht außer Landes gebracht werden. Zudem wird die kommende Ernte nicht auf dem bisherigen Niveau gehalten werden können. Das treibt die Preise. In Deutschland beispielsweise stiegen die Weizenimporte im März innerhalb eines Jahres um rund 65 Prozent.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir warf Russland am Freitag vor, Hunger als Kriegswaffe einzusetzen. Dies gilt innerhalb der Ukraine, aber auch weltweit, da allein die Ukraine die Hälfte des Getreides für das Welternährungsprogramm liefert. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) warnte am Samstag, dass bis zu 50 Millionen Menschen auch in Afrika und im Nahen Osten durch die Krise vom Hungertod bedroht seien.

„Das Verbot ist schockierend“, sagte ein in Mumbai ansässiger Arbeiter eines globalen Getreidehändlers über die jüngste Entscheidung Indiens. Offensichtlich hatte die Regierung auch auf die hohe Inflationsrate reagiert. Wie in anderen Ländern sind auch in Indien die Preise für Getreide nicht nur durch stark gestiegene Treibstoff-, Arbeits- und Transportkosten deutlich gestiegen. Zudem sorgt die Hitzewelle für erste Ernteausfälle.

Noch im Februar hatte die Regierung eine Produktion von mehr als 111 Millionen Tonnen prognostiziert, was die sechste Rekordernte in Folge gewesen wäre. Im Mai wurde die Prognose auf 105 Millionen begrenzt, und Händler schließen nicht aus, dass die Landwirte letztendlich weniger als 100 Millionen Tonnen ernten werden. Laut Regierung ist das Exportverbot auch ein Akt der Vorsicht. Der Staat kauft jedes Jahr einen größeren Teil der Ernte in Indien auf, um das Getreide an ärmere Bevölkerungsschichten zu verteilen.

Eine weitere Sorge hat dazu geführt, dass Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) und seine Amtskollegen aus Sicherheitsgründen kurzfristig ihren Stuttgarter Tagungsort wechseln mussten. Es bestehe die Befürchtung, dass die Veranstaltung am ursprünglichen Veranstaltungsort gestört werden könnte, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Samstag auf Anfrage.

Eine Rolle spielte unter anderem eine angekündigte Traktor-Rallye in unmittelbarer Nähe der Burg Hohenheim im Süden der Landeshauptstadt. Die Sprecherin sagte, am Vormittag hätten sich Landwirte mit rund zwei Dutzend Traktoren in Hohenheim versammelt.

Özdemir und die G7-Kollegen begannen ihr Treffen am Freitag auf Schloss Hohenheim, das Teile der Universität Hohenheim beherbergt. Die weitläufige Schlossanlage befindet sich in einer öffentlich zugänglichen Universitäts- und Parkanlage. Wo sich die Ressortleiter am Samstag trafen, blieb zunächst offen.

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