Sonntag, November 28, 2021
StartWIRTSCHAFTGesetze fördern Nachhaltigkeit Wirtschaft reagiert auf Druck auf den Klimaschutz

Gesetze fördern Nachhaltigkeit Wirtschaft reagiert auf Druck auf den Klimaschutz

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Die Umstellung auf eine klimaneutrale Wirtschaft und Gesellschaft ist eine enorme Leistung. Wie sind Unternehmen hierzulande aufgestellt? Eine Studie fordert Bremsbeläge zur Ressourcenschonung, zeigt aber auch, warum der Wandel zuletzt deutlich an Fahrt aufgenommen hat.

Nachhaltigkeit galt lange Zeit als unsexy und langweilig, eher ein Thema für kommende Generationen als für heute. Das hat sich geändert. Nachhaltigkeit ist mittlerweile zum Megatrend geworden, wie die Weltklimakonferenz kürzlich in Glasgow gezeigt hat. Klima- und Ressourcenschutz ist in den Köpfen der Menschen angekommen und mit ihr ist die Überzeugung gewachsen, dass ökologisches Handeln und der bewusste Umgang mit Ressourcen auf unserem Planeten nicht mehr aufgeschoben werden können.

Wie gut Unternehmen in diesem Bereich mittlerweile aufgestellt sind, hat eine Studie der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit der Peer School for Sustainable Development und dem Lehrstuhl für Nachhaltiges Wirtschaften der Universität Mannheim untersucht. Das Ergebnis: Drei Viertel der 51 befragten Nachhaltigkeitsbeauftragten großer Unternehmen bekräftigten, dass das Thema „viel wichtiger“ geworden sei. In mehr als der Hälfte von ihnen liegen die entsprechenden Entscheidungen daher auch „an der Spitze“, beim Verwaltungsrat oder bei der Geschäftsleitung.

Obwohl Nachhaltigkeit auch inhaltlich an Bedeutung gewonnen hat, wie die Umfrage zeigt, wird deutlich, dass gleichzeitig noch viel zu tun ist. Nur einer der Befragten gab an, das Thema sei „in allen Bereichen voll verankert“. Sogar knapp die Hälfte hält die finanziellen Mittel für den eigenen Bereich für ausreichend. Die Autoren betonen ausdrücklich als positiv, dass sich die Corona-Pandemie nicht wie erwartet auf das Nachhaltigkeitsbudget der Mehrheit der Unternehmen ausgewirkt hat (56,9 Prozent). Nur 11,8 Prozent der befragten Nachhaltigkeitsbeauftragten gaben an, dass das Budget durch die Pandemie kleiner geworden sei.

Interessant sind auch die Antworten auf die Frage nach den Treibern der Transformation. Denn laut Umfrage wirkt hier vor allem Druck von außen. 47 Prozent der Befragten antworten, dass Kunden einen „sehr signifikanten“ Einfluss auf Unternehmensentscheidungen haben. An zweiter Stelle steht die Führungsebene als Entscheidungsträger (43 Prozent) und an dritter Stelle die politische Regulierung (35 Prozent). Experten sprechen hier von einem „Trickle-Down-Effekt“. „Wenn einige Großunternehmen bestimmten Transparenzpflichten unterliegen, werden diese Standards auch innerhalb der Wertschöpfungskette weitergegeben“, erklärt Jakob Kunzlmann, Wirtschaftsexperte der Bertelsmann Stiftung.

Als Beschleuniger werden beispielsweise neue gesetzliche Regelungen wie der EU Sustainable Finance Action Plan (SFAP) mit der EU-Taxonomie genannt – hier sollen Kapitalströme in ökologisch nachhaltige Aktivitäten gelenkt werden – die auch um nachhaltigkeitsbezogene Berichtspflichten erweitert wurden wie das Lieferkettengesetz. Alle Regelungen sorgten laut Studie zudem für große Verunsicherung in den Unternehmen. Die Verantwortlichen im Unternehmen fürchteten vor allem die damit verbundenen Kosten und die zusätzliche Bürokratie. Die Folgen der Umsetzung des Lieferkettengesetzes ab dem 1. Januar 2023 sind für Unternehmen schwer abschätzbar.

Dass die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit nach wie vor nur mit angezogener Handbremse voranschreitet, liegt nach Ansicht der Autoren an den hohen Kosten für Nachhaltigkeitsmaßnahmen, an fehlenden Ressourcen und noch immer unzureichender Nachfrage. Insgesamt stehe die Wirtschaft noch „am Anfang der Startbahn für eine nachhaltige Transformation. Wir laufen erst richtig warm“, kommentiert Alexander Kraemer, Mitgründer und Vorstandsmitglied der Peer School.

Im Hinblick auf ihre konkrete Arbeit nennt die Mehrheit der Befragten die Vermeidung von Emissionen und die Dekarbonisierung der Unternehmensprozesse in den kommenden Jahren als „wesentliche“ oder „sehr wichtige“ Prioritäten. Auch auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit gibt es laut den Studienautoren einen Bremsklotz. Denn der Umbau erfolgt „bei laufendem Motor“, formulierte es Laura Marie Edinger-Schons, Professorin für Nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Mannheim. Es gebe „so viele neue Regelungen und Methoden wie nie zuvor für die nächsten Jahre“, was ganz neue Führungskompetenzen und -prozesse erfordere, „besonders in Unternehmen, die die Relevanz des Themas erst spät erkannt haben“.

Insgesamt befinden wir uns „in einer Zeit einer erheblichen Neuausrichtung unserer Wirtschaft“, lautet das Fazit der Studie. Und die Prognose: „In Zukunft wird es wahrscheinlich deutlich mehr Transparenz über Nachhaltigkeitsaspekte geben und dies wird sich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auswirken.“ Die Erhebung „Sustainability Management Monitor“ soll künftig jährlich wiederholt werden.

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