Samstag, Oktober 16, 2021
StartWIRTSCHAFTGlobale CO2-Emissionen: Zweitgrößter jährlicher Anstieg der Geschichte

Globale CO2-Emissionen: Zweitgrößter jährlicher Anstieg der Geschichte

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Die Weltwirtschaft wächst und verbrennt wieder Kohle, Öl und Gas. Damit dürften die weltweiten Emissionen des Treibhausgases CO2 in diesem Jahr den zweitstärksten jährlichen Anstieg der Geschichte verzeichnen. Das schreibt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem am Mittwoch veröffentlichten „World Energy Outlook 2021“. Es dient als Handlungsempfehlung vor der Weltklimakonferenz Ende Oktober.

Die Experten betonen, dass beim Ausbau regenerativer Quellen und der Elektromobilität große Fortschritte gemacht wurden. Die Kosten für Photovoltaik und Windkraft sind deutlich gesunken, was diese Energieträger in den meisten Märkten zu den günstigsten neuen Stromquellen macht. Und insgesamt flossen rund 380 Milliarden US-Dollar an Staatsausgaben in nachhaltige Energie zur Ankurbelung der Wirtschaft, was Investitionen in erneuerbare Energien, in Netze, aber auch in Wasserstoff und Verfahren zur Abscheidung, Speicherung und Wiederverwendung von CO2 (CCUS) stimulierte.

Insgesamt sei das aber nur ein Drittel dessen, was nötig gewesen wäre, um einen „Peak“ bei den Emissionen zu erreichen, warnt die IEA. Zumal bei den öffentlichen Investitionen nach wie vor ein großes geografisches Ungleichgewicht besteht.

Viele Länder konnten nicht das nötige Kapital mobilisieren, um sich von Kohle, Öl und Gas zu lösen. Vor allem in Subsahara-Afrika ist der Zugang zu Energie ins Stocken geraten. „Die enorm ermutigende Dynamik der Welt im Bereich sauberer Energie kollidiert mit der hartnäckigen Dominanz fossiler Brennstoffe in unseren Energiesystemen“, sagt IEA-Direktor Fatih Birol.

Damit droht die Weltgemeinschaft weit weg von dem Ziel, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen – obwohl sich laut IEA mehr als 50 Länder netto gesetzt haben Null-Emissions-Ziele. Selbst wenn die Staaten ihre bisherigen Versprechen einhielten, sei bis Ende des Jahrhunderts mit einem Temperaturanstieg auf 2,1 Grad zu rechnen. Bisher liegt das Plus bei rund 1,1 Grad.

Der IEA-Bericht betrachtet auch die jüngsten Rekordpreise für Kohle, Strom und Gas. Die Experten erklären die Entwicklung mit der rasanten Konjunkturerholung nach der Corona-Krise, „wetterbedingten Faktoren“ und Ausfällen auf der Angebotsseite. Dies bedeutet auch eine längere Heizperiode, geringe Windstromerzeugung in Europa, begrenzte Wasserkraftproduktion in Brasilien und Hitzewellen in Asien.

Die stark gestiegenen Energiepreise haben nichts mit den Bemühungen um eine Umstellung auf „grüne“ Energie zu tun. Dennoch räumt die IEA ein, dass diese Umstellung in den kommenden Jahren nicht frei von Preisschwankungen sein wird – insbesondere wenn die Erzeugungskapazitäten nicht ausgebaut werden. „Es besteht die Gefahr weiterer Turbulenzen für die globalen Energiemärkte“, sagt IEA-Direktor Birol. Es wird zu wenig investiert, um den zukünftigen Energiebedarf zu decken. „Der Weg zur Lösung dieses Missverhältnisses ist klar – ein wichtiger Impuls für Investitionen in saubere Energie in allen Technologien und auf allen Märkten. Aber das muss schnell gehen. „

Aus Sicht der IEA bieten diese Investitionen auch enorme wirtschaftliche Chancen. Ein erfolgreiches Streben nach Netto-Null bis 2050 würde einen Markt für Windturbinen, Sonnenkollektoren, Lithium-Ionen-Batterien, Elektrolyseure und Brennstoffzellen von „weit mehr“ als einer Billion Dollar pro Jahr schaffen. Seine Größe ist vergleichbar mit dem aktuellen Ölmarkt. Allein im Szenario der angekündigten Verpflichtungen würden bis 2030 13 Millionen zusätzliche Arbeitnehmer in sauberen Energien und verwandten Sektoren beschäftigt sein, während sich diese Zahl im Szenario der Netto-Null-Emissionen verdoppeln würde.

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