Samstag, Oktober 1, 2022
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Halbjahreszahlen: DZ Bank scheut höhere Prognose

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KNiemand weiß, dass die DZ Bank nach der Deutschen Bank die größte Finanzgruppe in Deutschland ist. Bekannter als das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken sind deren Tochterunternehmen, allen voran die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die Fondsgesellschaft Union und die Versicherungsgesellschaft R+V. Und Jahr für Jahr trugen diese Tochterunternehmen auch am meisten zum Konzernergebnis bei. Doch in diesem Jahr ist das bisher anders: Mit 369 (Vorjahr: 215) Millionen Euro steuerte die DZ Bank mit ihrem Firmenkredit- und Zertifikategeschäft den Löwenanteil zum Konzerngewinn vor Steuern von 1,14 Milliarden Euro bei, gefolgt von der Immobilienbank DZ Hyp, die 335 (215) Millionen Euro versteuert hatte.

Die Fondsgesellschaft Union Investment drängt sich zwischen die Gewinne aus dem „echten“ Bankgeschäft, doch ihr Vorsteuergewinn brach um 55 Prozent auf 371 Millionen Euro ein. Der Versicherungskonzern R+V machte sogar einen Verlust von 30 Millionen Euro nach einem Gewinn von 482 Millionen Euro im Vorjahreshalbjahr. Wie die beiden Co-CEOs Uwe Fröhlich und Cornelius Riese erläuterten, wäre das Ergebnis der R+V um 300 Millionen höher ausgefallen, wenn nach dem abrupten Zinsanstieg im ersten Halbjahr Aktiva und Passiva gleichermaßen wertmindernd gewesen wären . Allerdings erlaubten die Rechnungslegungsvorschriften erst im Sommer 2023 die Rückführung der Verbindlichkeiten auf der Passivseite, während sie eine sofortige Bewertung der Vermögenswerte zu Marktpreisen vorschrieben. Auch der Rückgang der CET1-Kapitalquote um 2 Prozentpunkte auf 13,3 Prozent ist im Wesentlichen auf diesen „temporären Bilanzierungseffekt“ in der R+V zurückzuführen.

Dagegen erholte sich der Vorsteuergewinn der Bausparkasse Schwäbisch Hall dank steigender Zinsen von 54 auf 168 Millionen Euro. Dennoch ist der Konzern-Rekord-Halbjahresgewinn 2021 in Höhe von 1,8 Milliarden Euro wegen der Gewinneinbrüche bei Union und R+V in weiter Ferne. Am 30. Juni hatte die DZ Bank Gruppe 1,14 Milliarden Euro in ihren Büchern.

Im März, kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, hatte der Vorstand prognostiziert, dass das obere Ende der Zielgewinnspanne von 1,5 bis 2 Milliarden Euro im Jahr 2022 erreicht werden könne. Im Mai, auf der Hauptversammlung, kündigte er dann an dass er am unteren Ende landen würde. Co-CEO Cornelius Riese ist kein Freund eines Zick-Zack-Kurses und wollte die Prognose daher am Dienstag nicht noch einmal anheben. Aber: „Wir sind zuversichtlich, dass wir die 1,5 Milliarden Euro vor Steuern definitiv überschreiten“, sagte Riese.

Vor allem die trotz drohender Rezession entspannte Risikolage stimmt den Vorstand zuversichtlich. Rund 270 Millionen Euro hat die DZ Bank vorsorglich pauschal wertberichtigt („Adjustments“) auf Kredite vorgenommen. Gleichzeitig sei es nicht mehr zu rechtfertigen, während der Corona-Pandemie nicht benötigte Risikovorsorgen in etwa der gleichen Größenordnung nicht aufzulösen. Damit heben sich die beiden Effekte in der Risikovorsorge nahezu auf. Lediglich 60 Millionen Euro mussten der Risikovorsorge zugeführt werden. Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand für den Konzern mit einem Risikovorsorgebedarf zwischen 450 und 500 Mio. Euro.

Aufgrund der schwachen Konjunktur sollte die DZ Hyp ihr Immobilienneugeschäft mit Vorsicht angehen. Auf Drängen der Bankenaufsicht muss die DZ Bank ihre Geldwäschekontrollen im Firmenkundengeschäft verbessern. Der seit Jahren defizitäre Transportfinanzierer DVB wird rückwirkend zum 1. Januar 2022 auf die DZ Bank AG verschmolzen. 150 Mitarbeiter in Deutschland werden übernommen.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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