Dienstag, Oktober 19, 2021
StartWIRTSCHAFTHohe Energiepreise: Insolvenzwelle bei britischen Versorgern

Hohe Energiepreise: Insolvenzwelle bei britischen Versorgern

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Auch in Großbritannien steigen die Gaspreise rasant. Das betrifft nicht nur Verbraucher. Mehrere Versorgungsunternehmen sind bereits in Konkurs gegangen.

Kochen und Heizen kosten plötzlich deutlich mehr. Die Britin Carol Lowe versucht daher, möglichst wenig Energie zu verbrauchen. „Ich schalte die Heizung nur morgens für eine halbe Stunde an, um die Kälte draußen zu halten, und eine halbe Stunde am Abend“, sagt sie. „Die restliche Zeit versuche ich, mich so gut wie möglich warm zu halten.“

Eine andere Britin sagt der BBC, dass sie im nächsten Frühjahr doch nicht in Rente gehen wird. Angesichts der stark gestiegenen Energiepreise reicht ihre Rente nicht aus.

Großbritannien leidet wie Deutschland und andere Länder unter explodierenden Gaspreisen. Der Großhandelspreis für Erdgas ist seit Januar um rund 440 Prozent gestiegen, weil die Weltwirtschaft mit dem Abflauen der Corona-Pandemie wieder anzieht, das Gasangebot aber deutlich unter der Nachfrage liegt.

In Großbritannien hat die Entwicklung zu einer Insolvenzwelle bei Gasversorgern geführt. Es gibt immer wieder neue Meldungen über Insolvenzen. Zehn Gasversorger sind in den letzten Wochen bankrott gegangen, weitere Insolvenzen werden erwartet.

Wie die „Times“ berichtet, begann die Geschichte der Insolvenzwelle 2015, als sich sechs große Energieversorger 90 Prozent des Marktes teilten. Um für mehr Wettbewerb zu sorgen, empfahl das Energieministerium den Verbrauchern, den Anbieter zu wechseln. Im Internet boomten Vergleichsportale, auf denen sich Billiganbieter prominent platzieren konnten.

Die Regulierungsbehörde Ofgem sah vor, dass Kunden im Konkursfall an einen größeren Gasversorger weitergegeben würden. Das machte den Markt für Jungunternehmer attraktiv: Die Gründung war einfach, das Risiko gering und der Markt erschien lukrativ. Am Ende, so die „Times“, seien am Küchentisch Gasversorger gegründet und Kunden mit Niedrigtarifen angelockt worden.

Diese Anbieter gehen nun in Konkurs. Die Kunden werden weiterhin beliefert, müssen aber künftig für Gas deutlich mehr bezahlen. Die zusätzlichen Kosten können Hunderte von Pfund pro Jahr betragen.

Angesichts der Situation ist die britische Regierung der Ansicht, dass Großbritannien seine Abhängigkeit vom Gas reduzieren und auf erneuerbare Energien umstellen muss. „Diese aktuellen Probleme, die wir mit der großen Verunsicherung auf dem Gasmarkt haben, zeigen, warum wir unsere Klimaziele mit Nachdruck verfolgen müssen“, sagt Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng.

Auch an der Zapfsäule zahlen die Briten derzeit mehr. Der Grund scheint ähnlich wie beim Gas zu sein: Die Weltwirtschaft zieht wieder an. Nach Angaben des Autoversicherers RAC liegt der Durchschnittspreis für einen vollen Tank derzeit um 12 Pfund höher als im September letzten Jahres. Das habe nichts mit dem Mangel an Lkw-Fahrern und dem geringeren Angebot an Tankstellen zu tun, betont die Versicherung. Das liegt vielmehr am Ölpreis, der allein im September um zehn Prozent gestiegen ist.

Trotzdem: Es gibt auch Krisengewinner. Die „Sun“ berichtete vor wenigen Tagen von einer Tankstelle in London, die einen Liter Benzin für knapp drei Pfund anbot, und auch dort war der Sprit nach kurzer Zeit ausverkauft.

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