Freitag, Juni 24, 2022
StartWIRTSCHAFTifo Geschäftsklimaindex: Drohende Gasengpässe sorgen für schlechte Laune

ifo Geschäftsklimaindex: Drohende Gasengpässe sorgen für schlechte Laune

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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni um 0,7 Punkte auf 92,3 Punkte gefallen, wie das Münchner Institut am Freitag mitteilte. Das Stimmungsbarometer, das auf einer monatlichen Befragung von rund 9.000 Unternehmen basiert, war zuvor zweimal gestiegen. Der Geschäftsklimaindex ist der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft.

„Steigende Energiepreise und die drohende Gasknappheit bereiten der deutschen Wirtschaft große Sorgen“, sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Erwartungen der Unternehmen für die nächsten sechs Monate waren deutlich pessimistischer als im Mai. Allerdings waren sie auch etwas weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage.

Vor allem in Industrie und Handel hat sich die Stimmung eingetrübt. Die Unternehmen blicken in die Zukunft. Die Erwartungen im Handel sind auf den niedrigsten Stand seit April 2020 gefallen. Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima spürbar verbessert. „Das Gastgewerbe hat einen guten Sommer“, sagte Fuest. Transport und Logistik blickten hingegen pessimistisch auf das zweite Halbjahr.

Dass der Index im Juni nicht stärker gefallen ist, liegt laut Volkswirten daran, dass die meisten Unternehmen reagiert haben, bevor Russland seine Lieferungen drosselte und sich die Lage am Gasmarkt verschlechterte. „Tatsächlich ist die wirtschaftliche Lage instabil“, warnte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Auch LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch sagte: „Wir haben weiterhin sehr schwierige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und gehen davon aus, dass die Entwicklung in den kommenden Monaten rückläufig sein wird.“

Auch andere Stimmungsindizes signalisieren eine Abschwächung der deutschen Wirtschaft. Auch der am Donnerstag von S&P Global veröffentlichte Einkaufsmanagerindex fiel überraschend um 2,4 Punkte auf 51,3 Punkte und liegt nur noch knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Gleichzeitig ist es der niedrigste Wert seit einem halben Jahr. Die Daten zeigten, „dass die deutsche Wirtschaft praktisch den gesamten Schwung verloren hat, den sie durch die Lockerung der Corona-Beschränkungen gewonnen hat“, sagte S&P-Global-Ökonom Phil Smith.

Auch das Stimmungsbarometer für die Wirtschaft im Euroraum fiel unerwartet stark um 2,9 auf 51,9 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit 16 Monaten. Dem Wachstum gehe „allmählich die Luft aus“, sagte Chris Williamson, Chefökonom von S&P Global. Die Daten signalisierten ein aktuelles Wachstum von „schwachen 0,2 Prozent“, nach plus 0,6 Prozent im ersten Quartal. Die Unternehmen blickten weniger optimistisch in die Zukunft als zuletzt im Oktober 2020.

„Die Aufhebung der Corona-Beschränkungen hatte dem Dienstleistungssektor einen starken Schub gegeben. Aber die Nachfrage leidet jetzt immer mehr unter dem Kaufkraftverlust durch die massiv gestiegenen Energiepreise“, sagte Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil. Gleiches gilt für die Industrie. LBBW-Volkswirt Elmar Völker sprach angesichts eines „wirtschaftlichen Abgrunds“. die hohe Inflation, anhaltende Probleme in der Lieferkette und das Risiko eines Gaslieferstopps aus Russland. „Wir sind noch nicht gefallen, aber es sind nicht allzu viele Schritte bis zur Klippe“, sagte er.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre Konjunkturprognosen zuletzt erneut gesenkt. Sie begründeten ihre Korrektur vor allem mit der zunehmenden Belastung durch die steigende Inflation. Am optimistischsten blickt das RWI nach wie vor auf die deutsche Wirtschaft. Die Essener Forscher rechnen in diesem Jahr noch mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent. Das Münchner Ifo-Institut rechnet mit einem Plus von 2,5 Prozent und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) mit 2,1 Prozent. Am pessimistischsten ist das IWH. Die Hallenser Volkswirte prognostizieren lediglich einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5 Prozent.

Für den Euroraum sind die Ökonomen noch etwas zuversichtlicher, sehen aber auch hier wachsenden Gegenwind. Das Ifo-Institut prognostiziert für den Währungsraum in diesem Jahr ein BIP-Wachstum von 3,3 Prozent, während das IfW nur ​​von einem Wachstum von 2,8 Prozent ausgeht.

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