Samstag, Juni 25, 2022
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IG Metall-Forderung: Bescheidenheit geht auch anders – und was sagt die Kanzlerin dazu?

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DDie IG Metall bleibt mit ihren geplanten Lohnforderungen im großen Bereich der Metall- und Elektroindustrie knapp unter der aktuellen Inflationsrate – Zielkorridor 7 bis 8 Prozent. Und sie bleibt knapp unter den 8,2 Prozent, die sie in der von einem außergewöhnlichen Boom profitierenden Stahlindustrie gefordert hatte. Insofern kann man sagen: In Zeiten schrumpfender Verteilungsspielräume ist es so sinnvoll, dass es sich nicht unbedingt das Ziel setzt, die Kaufkraft der Erwerbstätigen zu sichern.

Wenn ja, wäre es auch eine offene Abkehr von der Sozialpartnerschaft. Denn den Inflationsausgleich trotz sinkender gesamtwirtschaftlicher Prosperität über alles zu stellen, wäre der alte Schlachtruf aus Zeiten der Bankenrettung: „Ihre Krise zahlen wir nicht“ – schließlich Arbeitgeber, Transferempfänger und Arbeitnehmer gleichermaßen Sektoren sollten die Last von Putins Krieg gegen die Ukraine auf den Schultern tragen. Klar ist, dass dadurch der Verteilungsspielraum verringert wird: Ausländische Energie- und Rohstofflieferanten beanspruchen nun ein größeres Stück vom Kuchen für sich.

Aber auch wenn die IG Metall solche steilen Argumentationslinien vermeidet und den Zugang zum sozialpartnerschaftlichen Ausgleich offen hält: Eine konstruktive Tarifrunde mit dem Ziel der Standortsicherung wird schwierig genug. Lohnabschlüsse unterhalb der Inflationsrate mindern das Risiko, dass Löhne selbst zum Inflationstreiber werden. Doch was in den Debatten um Lohn-Preis-Spiralen leicht vergessen wird: Es kommt auch darauf an, welche Mehrkosten die einzelnen Unternehmen verkraften können. Zentraler Maßstab dafür ist nicht die Inflation, sondern der Produktivitätsfortschritt, der deutlich unter den aktuellen Inflationsraten liegt.

Klar ist: Je mehr Tarifverträge davon nach oben abweichen, desto weniger Anlass gibt es, davon profitierende Arbeitnehmer durch staatliche Hilfspakete zu Lasten der Allgemeinheit zu entlasten. Schon vor der Metall-Tarifrunde will Bundeskanzler Scholz eine „konzertierte Aktion“ mit den Sozialpartnern abhalten, die sich auch damit befassen soll. Man darf gespannt sein, wie Scholz darauf reagieren wird.

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