Samstag, Juni 25, 2022
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Immer neue Standorte: Noch jemand ohne Campus?

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DDas Problem beginnt mit dem Plural. Was ist der richtige Begriff, wenn es um mehr als nur einen Campus geht? Campus, Campus oder gar Campus? Das Wörterbuch benennt die Campus und erlaubt sogar Campus mit dem Vermerk „umgangssprachlich“. Die Bedeutung des Wortes lateinischen Ursprungs ist „gesamte Einrichtung einer Universität, Universitätscampus“.

Aber das Problem mit dem Plural bleibt bestehen. Denn die in den letzten Jahrzehnten gewachsene Zahl an Universitäten und Hochschulen hat zu einer Vielzahl von Campus-Standorten geführt. Die große Zahl lässt sich einerseits durch neu gegründete wissenschaftliche Einrichtungen des öffentlichen Sektors – oft in Mittel- und teilweise auch Kleinstädten – und andererseits durch den gestiegenen Anteil entsprechender privater Bildungseinrichtungen erklären. Auf so einem Campus gäbe es schon genug Gebäude. Aber auch größere und kleinere Unternehmen schmücken sich mit dem Begriff. Durch Forschung und Entwicklung findet sich oft ein Wissenschaftsbezug, der aber bei der Namensgebung nicht zwingend ist. Das Problem mit dem Plural geht weiter – hin zu einer wirklichen Pluralität.

Ein Blick in das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen zeigt die Bandbreite. Der Metro Campus ist eines der Projekte in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Der Großhandelskonzern Metro plant die Entwicklung eines klimafreundlichen und inklusiven Stadtquartiers an der Schnittstelle zwischen den Stadtteilen Flingern, Düsseltal und Grafenberg, wo sich derzeit die Zentrale und ein Großmarkt befinden. Was ist der Punkt?

Jean-Christophe Bretxa, Vorstandsvorsitzender des zur Metro AG gehörenden Immobilienunternehmens Metro Properties, berichtet: „Unser Hauptsitz, der am Standort verbleibt, wird zukünftig mit Wohn- und Arbeitsbereichen kombiniert kombiniert mit Gastronomie, einer Markthalle, Einzelhandel, Handwerk und Ateliers, Naherholungs- und Freizeiteinrichtungen in öffentlichen Parks und Gärten.“ Auf einer Gesamtfläche von neun Hektar konnte diese Nutzungsvielfalt in einer offenen Struktur entstehen, die Jean-Christophe Bretxa als „neue Urbanität im europäischen Städtebau“ im Sinne der 15-Minuten-Stadt bezeichnet.

Ein paar Kilometer entfernt im Ruhrgebiet liegt ein Campus nicht weit vom nächsten entfernt. In Essen wurde vor kurzem der Aldi-Nord-Campus und vor einiger Zeit der ThyssenKrupp-Campus fertiggestellt, der nun weiterentwickelt werden soll. Auch im Forschungs- und Innovationscampus Thurmfeld als Neunutzung einer Altbrache sollen Wirtschaft und Wissenschaft vereint werden.

In Bochum war die Ruhr-Universität in den 1960er Jahren die erste der neu gegründeten Universitäten in der Bundesrepublik Deutschland – als solche auf einem Campus im ursprünglichen Wortsinn. Später entstand in unmittelbarer Nähe ein Gesundheitscampus. Nun ist mit der Entwicklung des Gesundheitscampus II, wie so oft im Ruhrgebiet auf einer Industriebrache, ein weiteres Angebot für Fachkräfte aus der Gesundheitswirtschaft geplant. Und die aktuellen Campus-Aktivitäten allein in Deutschlands größter Metropolregion umfassen deutlich mehr Standorte und Konzepte.

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